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Warum ein ganz normaler Tag so viel Kraft kostet

Frau mit roten Haaren und Brille lächelt in die Kamera.
Andrea Stoye begleitet als Mentorin Menschen, die erschöpft sind.  Foto: hfr

Wittenborn. Viele Menschen sind abends erschöpft, obwohl im Kalender kaum Termine stehen. Dabei steht vieles, was den Tag anstrengend macht, in keinem Kalender.
Dazu skizziert Mentorin Andrea Stoye aus Wittenborn folgendes Szenario: „Der Tag war eigentlich ganz normal. Arbeit, ein paar Gespräche, zwischendurch Nachrichten beantworten, einkaufen, zu Hause noch etwas erledigen. Abends sitzt du da und bist völlig leer. Dann schaust du auf deinen Tag und denkst: So viel war das doch gar nicht. Das Problem ist: Im Rückblick siehst du vor allem die sichtbaren Dinge. Was stand im Kalender? Was hast du erledigt? Wo warst du? Was währenddessen in dir noch alles mitgelaufen ist, fällt viel weniger auf. Gerade weil vieles davon so selbstverständlich passiert.
Du führst ein Gespräch und merkst, dass dein Gegenüber heute anders reagiert als sonst. Der Ton ist knapper, der Blick verändert sich oder die Stimmung ist angespannt. Noch während ihr miteinander sprecht, versucht dein Kopf einzuordnen, was los ist. Hat das mit mir zu tun? War etwas? Habe ich etwas übersehen? Muss ich darauf reagieren?
Du hörst deinem Gegenüber weiter zu und versuchst gleichzeitig herauszufinden, was gerade los ist. Wenn du im Gespräch keine Antwort darauf findest, beschäftigt dich die Sache danach weiter. Eine Weile später bist du schon bei der nächsten Aufgabe. Trotzdem kommt dir das Gespräch wieder in den Kopf. Du gehst einen Satz noch einmal durch, erinnerst dich an den Tonfall und überlegst, ob du etwas anders hättest sagen sollen.
Dabei läuft bei der neuen Aufgabe längst das Nächste an. Bevor du anfängst, überlegst du, wie du am besten vorgehst. Während du etwas erledigst, prüfst du immer wieder, ob du an alles denkst und ob es so richtig ist. Und wenn du fertig bist, ist es im Kopf noch nicht unbedingt abgeschlossen: Habe ich alles richtig gemacht? Reicht das so? Wie kommt das bei den anderen an?
Während du darüber noch nachdenkst, bist du äußerlich schon bei der nächsten Aufgabe. Auch dieses ständige Mitdenken, Prüfen und Nachgrübeln kostet Kraft. So summiert sich ein ganz normaler Tag innerlich anders, als es der Kalender zeigt.
Was dein Kopf nebenbei noch alles macht: Zu den Gedanken kommen all die Eindrücke, die du im Laufe des Tages aufnimmst: Geräusche, Licht, Bewegung, Stimmen und die Stimmung anderer Menschen. Vieles nimmst du einfach wahr. Anderes beschäftigt dich noch eine Weile, etwa ein knapper Tonfall oder eine Reaktion, die du nicht einordnen kannst. Warum weniger Termine manchmal nicht reichen: Wenn du dich darin wiedererkennst, geht es also nicht nur darum, weniger Termine zu haben. Die Frage ist auch: Warum übernimmt dein Kopf so viele zusätzliche Aufgaben?
Manchmal geht es darum, keinen Fehler zu machen, niemanden zu enttäuschen oder möglichst alles im Griff zu haben. Oder du fühlst dich schnell verantwortlich, wenn etwas nicht rundläuft.
Wenn du das aus vielen verschiedenen Situationen kennst, fällt dir irgendwann auf, wie oft du damit beschäftigt bist: Du denkst vorher alles durch, beobachtest genau, wie andere reagieren, und gehst hinterher noch einmal durch, was passiert ist.
Dann kannst du anfangen zu unterscheiden: Was gehört tatsächlich zu meinen Aufgaben? Und womit beschäftige ich mich zusätzlich, weil ich keinen Fehler machen, niemanden enttäuschen oder alles im Griff behalten möchte?
Erschöpfung hat viele Ursachen. In diesem Beitrag beleuchte ich einen möglichen Faktor, der mir in Gesprächen immer wieder begegnet. Wenn Erschöpfung über längere Zeit anhält, sehr stark wird oder neu auftritt, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.“
Zur Person: Andrea Stoye lebt in Wittenborn und begleitet als Mentorin Menschen, die merken, dass sie in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich reagieren, obwohl sie es eigentlich anders möchten. In persönlichen Gesprächen schaut sie gemeinsam mit ihnen darauf, was hinter diesen Reaktionen steckt, welche inneren Muster dabei eine Rolle spielen und was sich im Alltag verändern lässt.
Wer solche Reaktionen bei sich kennt und besser verstehen möchte, kann mit Andrea Stoye einen Termin für ein persönliches Gespräch vereinbaren. em

Kontakt
Andrea Stoye
Persönliche Begleitung online
oder vor Ort in Wittenborn
Telefon: 0 45 54 / 9 99 91 29
E-Mail: andrea@mentalio.de
www.mentalio.de