Strom statt Sprit: E-Auto-Schau zeigt, was heute möglich ist
Neumünster. Rund 60 Fahrzeuge von mehr als 20 Marken stehen am Freitag, 4. und Sonnabend, 5. September, auf dem Parkplatz des Modehauses Nortex im Grünen Weg. Die E-Auto-Schau hat sich seit ihrem Start im Jahr 2014 zu einem festen Termin für die Elektromobilität in Norddeutschland entwickelt. In diesem Jahr reicht das Angebot von kompakten Stadtfahrzeugen bis zu leistungsstarken Elektroautos und Plug-in-Hybriden.
Nortex-Geschäftsführer Andy Grabowski sieht die Entwicklung der vergangenen zwölf Jahre als Beleg dafür, wie schnell sich der Automarkt verändert hat. Als die Schau 2014 erstmals stattfand, war die Auswahl an Elektrofahrzeugen noch überschaubar. Heute bringen die beteiligten Autohäuser eine große Markenvielfalt nach Neumünster. Grabowski erwartet erneut Tausende Besucher und betont, dass die Veranstaltung vor allem einen Vergleich verschiedener Modelle ermöglichen soll.
Auch bei den Autohäusern hat sich die Nachfrage verändert. „Die Kunden kommen inzwischen mit ganz anderen Fragen“, lautete ein Tenor des Gesprächs. Reichweite und Akkukapazität bleiben wichtige Kriterien. Zugleich achten Käufer stärker auf das tatsächliche Fahrprofil. Wer täglich 30 oder 40 Kilometer zurücklegt, benötigt häufig keinen besonders großen Akku. Moderne Fahrzeuge schaffen zudem Reichweiten von mehr als 700 Kilometern nach dem Prüfverfahren WLTP.
Auch die Ladezeiten haben sich verkürzt. Nach Angaben der Händler können moderne Schnelllader innerhalb von 20 bis 30 Minuten mehrere hundert Kilometer Reichweite nachladen. Damit lasse sich eine längere Fahrt mit einer normalen Pause verbinden. Ein vollständiger Umstieg auf die Elektromobilität müsse zudem nicht zwingend mit einer eigenen Garage verbunden sein. Wer in der Nähe eine öffentliche Lademöglichkeit findet, könne ein Elektroauto auch ohne eigene Wallbox sinnvoll nutzen.
Ein weiterer Punkt spielt für die Kunden eine zunehmend wichtige Rolle: Die Kosten. Die Händler berichten von einem deutlichen Interesse an Elektroautos angesichts hoher Kraftstoffpreise. Wer zu Hause über eine Photovoltaikanlage verfügt, kann überschüssigen Solarstrom zum Laden nutzen. Auch öffentliche Ladeangebote unterscheiden sich deutlich beim Preis. Hinzu kommen geringere Wartungskosten, weil beispielsweise Ölwechsel entfallen und der Bremsverschleiß durch die Rekuperation sinkt.
Vorbehalte gegenüber gebrauchten Elektroautos haben sich nach Einschätzung der Händler ebenfalls abgeschwächt. Für jedes gebrauchte Fahrzeug könne ein Akkuzertifikat Auskunft über den Zustand der Batterie geben. Die Hersteller gewährten zudem lange Garantien auf die Akkutechnik. Dadurch werde der Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge zunehmend interessanter.
Bei der Beratung komme es deshalb nicht mehr allein auf die Reichweite an. „Wie ist mein Fahrprofil?“ und „Wie nutze ich das Fahrzeug?“ seien entscheidende Fragen. Einen typischen E-Autofahrer gebe es inzwischen nicht mehr. Elektrofahrzeuge interessierten längst eine breite Kundengruppe.
Nach Einschätzung der beteiligten Händler liegt der Anteil der Elektrofahrzeuge bei den Verkäufen inzwischen je nach Autohaus bei etwa 30 bis 35 Prozent. Die Tendenz gehe weiter nach oben. Gleichzeitig werde es auch künftig Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor geben, weil nicht jedes Fahrprofil und jeder Kundenwunsch zum Elektroantrieb passe.
Für zusätzliche Bewegung auf dem Markt sorgen die chinesischen Hersteller. Marken wie BYD und Leapmotor sind inzwischen ebenfalls vertreten. Die Händler sehen darin einen zunehmenden Wettbewerbsdruck, loben aber zugleich das Preis-Leistungs-Verhältnis und die technische Ausstattung der neuen Modelle. Der Wettbewerb könne auch die etablierten Hersteller dazu bringen, Preise und Angebote anzupassen.
Die E-Auto-Schau versteht sich dabei nicht als reine Verkaufsveranstaltung. Besucher können die Fahrzeuge vergleichen, sich informieren und bei Interesse Probefahrten vereinbaren. Für die beteiligten Autohäuser bietet die Veranstaltung zugleich die Möglichkeit, ihre Beratung und ihren Service vorzustellen. „Der Kontakt zum Menschen“ sei ein wesentlicher Grund, warum die Händler seit Jahren dabei sind.
Die Ausstellung öffnet an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr. Neben den Fahrzeugen gibt es ein Rahmenprogramm mit Imbiss, Ballonkünstler und Zauberer. Zudem werden unter anderem Hotel-Wochenendtrips mit E-Auto-Fahrt sowie eine elektrisch betriebene Tour mit dem „FlensBoat“ auf der Flensburger Förde verlost.
Die beteiligten Händler rechnen mit kurzen Lieferzeiten. Je nach Modell und Verfügbarkeit seien derzeit meist zwei bis sechs Wochen bei sofort verfügbaren Fahrzeugen möglich, bei Bestellfahrzeugen etwa zwei bis sechs Monate. Gerade bei einigen chinesischen Marken stehen Fahrzeuge bereits im europäischen Hafen und können entsprechend kurzfristig ausgeliefert werden.
Die E-Auto-Schau findet bei Nortex in Neumünster (Grüner Weg 9-11), statt. Weitere Informationen gibt es bei Nortex unter der Telefonnummer 0 43 21/8 70 02 11. ohe