Kirsten und Heino Lilienthal schließen die Bürgerstuben Abschied mit Grünkohl

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von Gerald Henseler

Kirsten und Heino Lilienthal schließen die Bürgerstuben Abschied mit Grünkohl

Nach 28 Jahren schließen Kirsten und Heino Lilienthal die Bürgerstuben.Fotos: ohe

Bad Segeberg (ohe). Hotelgäste empfangen, Caterings vorbereiten  und schon kurz vor der regulären Öffnungszeit des Restaurants stehen die ersten Gäste in der Gaststube. Das Geschäft in den Bürgerstuben brummt. Da bleibt Kirsten und Heino Lilienthal nur wenig Zeit, an den Abschied aus der Gastronomie zu denken. Im November des vergangenen Jahres fassten sie den Entschluss, ihr Hotel und Restaurant Bürgerstuben gegenüber dem Bad Segeberger Rathaus aufzugeben.

Viele potentielle Nachfolger haben sich seither bei den Lilienthals gemeldet. Einmal hatte Heino Lilienthal schon einen unterschriftsreifen Vertrag ausgearbeitet. Ein anderer Interessent sagte per Handschlag zu. Aus unterschiedlichen Gründen machten die potentiellen Nachfolger kurzfristig Rückzieher. Auch jetzt ist Heino Lilienthal wieder in Verhandlungen mit Interessenten. Doch er ist vorsichtig geworden. Längst hat er Pläne gemacht, das Inventar anderweitig zu nutzen. Den urigen Tresen aus der Gaststube möchte er mitnehmen und sich seine ganz private Bürgerstube einrichten.

Am Sonntag, 10. September, öffnen Heino und Kirsten Lilienthal ihr Restaurant zum letzten Mal. In den letzten zehn Tagen gibt es das, wofür die Küche des Gasthauses besonders bekannt ist: Grünkohl.  „Ich wollte schon immer einmal im Sommer Grünkohl anbieten. Jetzt machen wir das“, sagt Heino Lilienthal. Die zahlreichen Anmeldungen für das Grünkohlbuffet zeigen ihm, dass das eine gute Entscheidung war. Hotelgäste können noch bis zum 15. September in den Bürgerstuben übernachten. Dann ist endgültig Schluss.

„Mir wird etwas fehlen“, ist sich Heino Lilienthal sicher. Er wuchs in der Gastronomie auf. Seine Eltern, Tilly und Heinrich Lilienthal, betrieben den Lilienhof in Krems II. Als der abbrannte, übernahm Heino Lilienthal mit seiner Schwester Ilka die Bürgerstuben in Bad Segeberg. Hier lernte er seine Frau Kirsten kennen. 28 Jahre betrieben seine Eltern den Lilienhof, seit 28 Jahren ist Heino Lilienthal Inhaber der Bürgerstuben. Seine Mutter Tilly (95) hilft bis heute im  Betrieb mit.

Als Gastwirt pflegt Heino Lilienthal einen guten Kontakt zu seinen Gästen. „Oft entwickeln sich nette Gespräche, die den Abend mit Leben füllen. Das wird mir fehlen“, sagt Heino Lilienthal. Auch seine Frau Kirsten liebt den Kontakt mit den Gästen. Wegen Personalmangels arbeitet sie zu ihrem Bedauern seit einigen Jahren in der Küche. Dort führt Yvonna Zbrowska die Regie. Fast von Beginn an gehört sie zum Team. „Lilienthals sind wie meine Familie“, sagt die Köchin. Sie ist traurig, dass die Bürgerstuben schließen, hat aber schon einen neuen Job gefunden.

Beim Durchblättern alter Fotoalben erinnern sich Kirsten und Heino Lilienthal an viele schöne Momente. Bis spät in die Nacht ging es bei Feiern oft hoch her. „Wir haben Polonaise durch die Küche und über die Straße zum Rathaus getanzt“, sagt Kirsten Lilienthal. Heino Lilienthal freut sich über die großen Schneeflocken auf den Bildern aus dem Biergarten. Ganz spontan hatten die Bürgerstuben zu Schneepartys im Hinterhof eingeladen und sehr viele Gäste waren gekommen.

Die Bürgerstuben sind Vereinslokal des Round Table. Viele Stammtische treffen sich hier wöchentlich. Sie suchen nun nach einer neuen Bleibe. Beliebt war das Lokal mit seinen drei Gaststuben auch bei Firmen- und Familienfeiern.  Bis zu 100 Gäste konnten hier feiern.

Der Immobilieneigentümer möchte das Objekt, zu dem neben dem Hotel und Restaurant weitere Wohn- und Geschäftsräume gehören, verkaufen. Die Maklerei in Bad Segeberg bietet die Immobilie für 1,8 Millionen Euro an.

Kirsten und Heino Lilienthal planen nach dem Auszug erst einmal einen Urlaub. Ganz zur Ruhe setzen wollen sich beide noch nicht. Vollzeit möchten sie aber nicht mehr arbeiten. Beide haben verschiedene Optionen. Kirsten Lilienthal plant, in ihren kaufmännischen Beruf zurückzukehren. Heino Lilienthal war lange Zeit als Busfahrer tätig und kann sich vorstellen, diese Arbeit wieder aufzunehmen. Auch über einen Catering-Betrieb haben beide schon nachgedacht. Doch zunächst wollen sich beide etwas Ruhe gönnen. Denn Urlaub und Freizeit sind in den Jahren der Selbstständigkeit zu kurz gekommen.


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