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Entwickelt in Wahlstedt: Hochleistungsvliesstoff von Pelz

Drei Männer in Laboranzügen untersuchen Material im Labor.
Aus ballenförmiger Viskose wird in einem komplexen Prozess ein Vlies für anspruchsvolle Lebensmittelverpackungen hergestellt. Das ließ sich Dirk Schrödter (Mi.) von Entwicklungsleiter Dr. Henning Röttger (re.) und Matthias Bross zeigen.  Foto: Pelz

Wahlstedt. Hoher Besuch für die Pelz-Group: Auf Einladung des Familienunternehmens informierte sich Schleswig-Holsteins Minister für Digitalisierung und Chef der Staatskanzlei, Dirk Schrödter, über das jüngste und zugleich innovativste Geschäftsfeld der Unternehmensgruppe.
Vor 78 Jahren als Wattehersteller gegründet, ist das Unternehmen heute internationaler Hightech-Produzent von Hygiene-, Folien und Vliesstofflösungen mit rund 800 Mitarbeitern. Im Mittelpunkt stand die Besichtigung der innovativen und wegweisenden Produktionslinie für hochspezialisierte Vliesstoffe für Lebensmittelverpackungen. Mit einem Investitionsvolumen von mehr als 15 Millionen Euro handelt es sich um die bisher größte Einzelinvestition in der Geschichte der Pelz-Group.
Die Anlage ist das Ergebnis einer mehr als zehnjährigen Entwicklung. Bereits 2015 begann die Entwicklung eines neuartigen Hochleistungsvliesstoffs für anspruchsvolle Lebensmittelanwendungen. Heute gilt der Standort Wahlstedt als internationales Kompetenzzentrum für funktionale Vliesstoffe. Technologien wie KI-gestützte optische Überwachungs- und Prozesssteuerungssysteme, Zero-Splice-Technologie und modernste Laborumgebungen sorgen für höchste Qualitäts- und Prozesssicherheit.
Während des Rundgangs erfuhr Minister Schrödter, wie große Ballen aus Viskosefasern in einem hochautomatisierten Prozess zunächst in feinste Einzelfasern aufgeteilt werden. Durch ein komplexes Fasermanagement werden diese anschließend zu einem Vliesstoff gelegt und verfestigt. Die Pelz-Group-Tochter Pely-tex ist nach Unternehmensangaben weltweit der einzige Anbieter, der eine solche Produktionsanlage ausschließlich für Lebensmittelanwendungen betreibt. Dadurch erfüllt das Unternehmen besonders hohe Anforderungen an Produktsicherheit und Rückverfolgbarkeit für seine internatinalen Kunden.
„Die Zukunft Schleswig-Holsteins hängt entscheidend von der Innovationskraft unserer Unternehmen ab. Hier in Wahlstedt zeigt die Pelz-Group eindrucksvoll, wie aus Forschung, Mut zu Investitionen und technologischer Exzellenz neue Wachstumsperspektiven entstehen“, sagte Minister Dirk Schrödter. „Solche Unternehmen stärken den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein im internationalen Wettbewerb.“
Nach dem Besuch der Produktionsanlagen führte der Rundgang auf das Außengelände der neuen „Green Factory“, die die Pelz-Group derzeit für ihre Vliesstoffsparte im Segeberger Forst entwickelt. Dort wurden vor wenigen Wochen knapp 1.000 Photovoltaikmodule installiert. Zusammen mit modernen Wärmepumpensystemen bilden sie die Grundlage für eine vollständig erneuerbare Energieversorgung der Vliesstoff-Produktion.
Die Photovoltaikanlage liefert künftig Strom für Produktion und Gebäude sowie die notwendige Prozesswärme. Erdgas wird für die Vliesstoffproduktion nicht mehr eingesetzt. Darüber hinaus bezieht das Unternehmen für verbleibende Energiemengen ausschließlich Strom aus nicht-fossilen Quellen.
„Unsere Kunden fragen zunehmend nach nachhaltig produzierten Materialien. Mit unserer Green Factory schaffen wir die Voraussetzungen, um ihnen künftig ein echtes ,grünes Vlies‘ anbieten zu können“, erklärte Entwicklungsleiter Dr. Henning Röttger. „Unser Ziel ist es, auch das Produkt selbst konsequent in diese Richtung weiterzuentwickeln. Deshalb arbeiten wir bereits an der nächsten Generation von Vliesstoffen, die vollständig ohne petrochemische Rohstoffe auskommen soll.“
Im anschließenden Austausch standen auch die Herausforderungen durch regulatorische Anforderungen im Mittelpunkt. Die Pelz-Group verarbeitet große Mengen cellulosischer Rohstoffe und ist daher von den Vorgaben der Europäischen Entwaldungsverordnung (EUDR) betroffen. Die Verordnung verpflichtet Unternehmen dazu nachzuweisen, dass die eingesetzten Rohstoffe nicht aus Flächen stammen, die nach dem festgelegten Stichtag entwaldet wurden. Für Millionen von Hygieneprodukten und Vliesstoffeinheiten, die jährlich das Werk verlassen, bedeutet dies umfangreiche Dokumentations- und Nachweispflichten entlang der gesamten Lieferkette.
Dirk Schrödter verwies in diesem Zusammenhang auf die Ziele der Landesregierung zum Bürokratieabbau: „Wir haben uns vorgenommen, die Zahl der Landesregelungen und Verordnungen um 25 Prozent zu reduzieren.“
Der Besuch machte deutlich, wie eng Innovation, Nachhaltigkeit und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen miteinander verbunden sind. Mit ihrer Kombination aus weltmarktführender Technologie, konsequenter Nachhaltigkeitsstrategie und langfristigem Bekenntnis zum Standort Schleswig- Holstein sieht sich die Pelz-Group für weiteres Wachstum in internationalen Märkten gut aufgestellt. em