Wo sind die Eisvögel hin?
Bornhöved Jahrzehntelang gehörten Eisvögel zum Alltag von Roland Walks in Bornhöved. Jetzt blieben die Bruthöhlen auf seinem Grundstück erstmals leer. Für den 85-Jährigen endet damit eine besondere Leidenschaft, die ihn mehr als 40 Jahre begleitet hat.
Rund zwei Jahrzehnte lang beobachtete Walks das Leben der Eisvögel mit großer Hingabe. In den Bruthöhlen installierte er Kameras und dokumentierte das Verhalten der Tiere bis ins Detail. „Die Jungen laufen auf dem Schnabel der Elternvögel, um vorn den Fisch zu ergattern“, berichtet er.Sein Grundstück am Bornhöveder See entwickelte sich über die Jahre zu einem Anziehungspunkt für Natur- und Tierfotografen. Aus ganz Deutschland kamen Besucher, um die schillernden Vögel zu fotografieren. Walks baute dafür spezielle Ansitze und Vorrichtungen, mit denen sich die Eisvögel beim Eintauchen ins Wasser fotografieren ließen.
Schon seit einiger Zeit beobachtete er Veränderungen. Früher legten die Eisvögel regelmäßig sieben Eier, später nur noch fünf und zuletzt vier. Für Walks deutete sich das Verschwinden der Tiere damit bereits an. Als Ursache vermutet er die Folgen des Klimawandels.
Daran glaubt Dr. Christoph Kröger, Vorsitzender des Nabu Bad Segeberg, nicht. Er vermutet, dass milde Winter den Eisvögeln eher helfen. Den Grund für das Ausbleiben der Tiere in diesem Jahr sieht Kröger in dem strengen Winter. „In kalten Wintern fallen bis zu 90 Prozent der Eisvögel aus“, sagt der Biologe. Eine Bedrohung der Art sieht er nicht. In drei bis vier Jahren seien die Eisvögel wieder da, meint Kröger. Mehr Sorge als der Klimawandel bereitet dem Naturschützer der schlechte Zustand der Gewässer. Der mache auch dem Eisvogel zu schaffen.
Walks Begeisterung für Eisvögel begann Anfang der achtziger Jahre in Kisdorf. An einem Kiesteich entdeckte Walks damals ein Loch, hinter dem er zunächst Ratten vermutete. Kurz darauf flog ein Eisvogel heraus. Seitdem faszinieren ihn die Tiere mit ihrem leuchtend blauen Gefieder und der orangefarbenen Brust.
Später schuf er an der Heidmühlener Wassermühle erste künstliche Bruthöhlen, die schnell angenommen wurden. Vor gut 20 Jahren zog er mit seiner Frau nach Bornhöved. Dort legte er auf seinem Grundstück einen Teich an und errichtete neue Bruthöhlen. Noch bevor die Arbeiten abgeschlossen waren, zog bereits das erste Eisvogelweibchen ein und legte ein Ei.
Nun will Walks die Bruthöhlen abbauen. Auch die Schautafel mit Fotos der Eisvögel an der Straße soll verschwinden. An eine Rückkehr der Tiere glaubt er kaum noch.Stattdessen schaut inzwischen regelmäßig ein Seeadler vorbei. Im Winter legt Roland Walks ihm an einem festen Platz Fisch aus. ohe