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von Gerald Henseler

Im Sozialkaufhaus herrscht reges Treiben

Drei Personen verladen Fahrräder auf einen Anhänger.

Bad SegebergIm Bad Segeberger Sozialkaufhaus herrscht reges Treiben. „Wenn es draußen nicht so kalt ist, kommen noch viel mehr Kunden“, berichtet Vanessa Blizinski, die Leiterin des Bad Segeberger Sozialkaufhauses der Beschäftigung und Qualifizierung Ostholstein gGmbH (BQOH). Der Bedarf an kostengünstigen Möbeln, Hausratsartikeln und Kleidung ist groß. Das wissen auch Ulrike und Jürgen Kaldewey aus Blomnath. Sie haben sich zehn Jahre lang um Flüchtlinge in der Gemeinde Seedorf gekümmert.
Als die ersten Flüchtlinge 2015 kamen, halfen der ehemalige Bürgermeister Gerd Lentföhr, seine Frau Margot sowie Ulrike Kaldewey. Sie empfingen die Familien gemeinsam vor dem Haus, teilten die Wohnungen zu und begleiteten die Erwachsenen noch am selben Nachmittag zu ersten Einkäufen nach Bad Segeberg.
In den Familien sprach niemand Deutsch oder Englisch. Dennoch gelang eine Verständigung. Vorrang hatte für die Helfenden die schnelle Integration der Kinder. Innerhalb weniger Tage meldete Ulrike Kaldewey alle Kinder an den zuständigen Schulen in Bad Segeberg an, das jüngste Kind erhielt einen Kindergartenplatz in Schlamersdorf. Die Kinder lernten rasch Deutsch und fanden sich schnell im neuen Alltag zurecht.
Parallel begann die Unterstützung der Erwachsenen. Ehemalige Lehrerinnen unterrichteten sie im Feuerwehrhaus in Seedorf-Berlin. Neben Sprachkenntnissen vermittelten sie auch Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, darunter die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Der Unterricht verlief in offener Atmosphäre und war von gegenseitigem Respekt geprägt.
Der Unterstützungsbedarf ging weit über den Unterricht hinaus. Begleitungen zu Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Kiel und in Boostedt, Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte sowie Termine beim Jobcenter gehörten zum Alltag. Hinzu kamen zahlreiche Anträge für Behörden und Krankenkassen sowie Elternabende an verschiedenen Schulen.
Jürgen Kaldewey übernahm die technische Hilfe im Alltag. Er kümmerte sich um undichte Fenster, defekte Heizungen, kaputte Haushaltsgeräte und andere Probleme in den Wohnungen. Unterstützung kam auch aus der Dorfgemeinschaft. Bürgerinnen und Bürger aus Seedorf spendeten Betten, Bettwäsche, Geschirr, Kleidung, Spielzeug und Fahrräder. Daraus entstand im Laufe der Zeit ein kleines Lager, das auch später neu ankommenden Flüchtlingsfamilien zugute kam.
Heute ist diese Form der ehrenamtlichen Unterstützung nicht mehr nötig. Die Amtsverwaltung hat vieles übernommen. Ulrike und Jürgen Kaldewey fühlen sich zu alt für weitere Unterstützung.
Ihr kleines Lager an Kleidung, Hausratsartikeln, Fahrrädern und Möbeln lösen sie in diesen Tagen auf. Vieles davon lieferten sie an das Sozialkaufhaus.
Dort schaut sich das Team die Gegenstände an. Was noch in Ordnung ist, wird gern angenommen. Früher haben die Mitarbeiter des Sozialkaufhauses Möbel und Fahrräder aufgearbeitet. Das ist wegen eingestellter Fördergelder heute nicht mehr möglich. Von den einst 60 Mitarbeitern arbeiten heute nur noch sieben im Sozialkaufhaus.
Einkaufen darf hier jeder. Viele ältere Menschen mit kleinen Renten nutzen diese Möglichkeit. Bei Bedarf werden Menschen in Notlagen unterstützt. Dann bekommen Berechtigte die Grundausstattung ihres Haushalts gratis. „Wir liefern Möbel auch und bauen diese auf Wunsch auf“, sagt Vanessa Blizinski.
Mittwochs von 9.30 bis 13.30 Uhr sowie montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9.30 bis 16.30 Uhr können alle ohne Voranmeldung Waren im Sozialkaufhaus anliefern. Möbel holen die Mitarbeiter auch zu Hause ab.
Ein Ärgernis sind wilde Ablieferungen außerhalb der Öffnungszeiten. „Vieles müssen wir entsorgen lassen und dafür hohe Gebühren bezahlen“, berichtet Vanessa Blizinski. Die unberechtigt abgelegten Waren verführten Rabauken schon mehrmals zum Zündeln.   ohe