Kleiner Eindringling, große Gefahr für den Grebenberg
SEEDORF-BLOMNATH Am Grebenberg bei Blomnath läuft derzeit ein aufwendiger Einsatz gegen eine unscheinbare, aber gefährliche Pflanze. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein lässt dort das invasive Nadelkraut beseitigen, um wertvolle Amphibiengewässer und seltene Pflanzen dauerhaft zu schützen. Projektleiter Michael Ott und der niederländische Amphibienspezialist Wouter de Vries setzen dabei auf ein Verfahren, das strenge Hygieneregeln mit einer jahrelangen Nachkontrolle verbindet.
Das ursprünglich aus Australien stammende Nadelkraut gelangte vermutlich über die Aquaristik nach Schleswig-Holstein. Die Pflanze wächst in flachen Gewässern und kann sich dort explosionsartig ausbreiten. „Ich habe sie im Frühjahr entdeckt und im August war das Gewässer komplett zugewachsen“, schildert Michael Ott. Für Amphibien und seltene Pflanzen bleiben dann kaum noch geeignete Lebensräume.
Am Grebenberg hatte die Stiftung Naturschutz die Pflanze bereits vor mehreren Jahren entdeckt. Zunächst deckten die Mitarbeiter einzelne Fundstellen mit Lehm ab und kontrollierten die Gewässer regelmäßig. Nachdem über zweieinhalb Jahre keine neuen Pflanzen mehr aufgetaucht waren, folgt nun der letzte Schritt der Sanierung: An den bekannten Fundstellen tragen Bagger die oberste Bodenschicht ab und ersetzen sie durch unbelasteten Lehmboden. So sollen auch im Boden verbliebene Samen entfernt werden.
Die Arbeiten erfolgen unter außergewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen. Maschinen, Werkzeuge und Gummistiefel dürfen keine Pflanzenteile in andere Gewässer verschleppen. Deshalb reinigen die Arbeiter ihre Ausrüstung regelmäßig. Besucher sollten die betroffenen Bereiche rund um die Baustelle auf keinen Fall betreten. Nach Angaben von Michael Ott reichen bereits kleinste Pflanzenteile aus, damit sich das Nadelkraut an anderer Stelle erneut ansiedelt.
Für die Sanierung holte die Stiftung Naturschutz gezielt Fachwissen aus den Niederlanden. Dort bereitet das Nadelkraut seit Jahren erhebliche Probleme. Ganze Gewässersysteme gelten inzwischen als verloren, weil sich die Pflanze nicht mehr wirksam zurückdrängen lässt. Die Erfahrungen des niederländischen Spezialisten Wouter de Vries flossen deshalb in ein eigenes Sanierungskonzept für den Grebenberg ein.
Im Naturschutzgebiet stehen besonders seltene Amphibienarten im Mittelpunkt des Schutzes. Die künstlich angelegten Kleingewässer bieten unter anderem Moorfrosch und Knoblauchkröte wertvolle Laichplätze. Hinzu kommen gefährdete Pflanzenarten, die auf offene, schlammige Ufer angewiesen sind. Breitet sich das Nadelkraut flächendeckend aus, gehen diese Lebensräume verloren.
Die Naturschützer sind zuversichtlich, dass die Maßnahme bei Blomnath den gewünschten Erfolg bringt. Künftig sollen auf der Fläche wieder Pferde weiden. Das sei wichtig, um die Gewässer offen zu halten, erklärt Michael Ott.
Nach Angaben von Michael Ott gibt es in Schleswig-Holstein derzeit nur wenige bekannte Standorte des Nadelkrauts. Einige Gewässer konnten bereits erfolgreich saniert werden, andere gelten als kaum noch zu retten. Deshalb setzt die Stiftung auf eine möglichst frühe Bekämpfung. Entscheidend sei, die Pflanze zu entdecken, bevor sie ganze Gewässer überwuchert.
Auch künftig bleibt das Gebiet unter Beobachtung. Fachleute kontrollieren die Gewässer regelmäßig auf neuen Bewuchs. Nach den Erfahrungen aus den Niederlanden steigen die Chancen auf einen dauerhaften Erfolg deutlich, wenn über mehrere Jahre kein neuer Befall festgestellt wird. Dennoch bleibt Wachsamkeit erforderlich. Nach Einschätzung der Naturschützer nimmt die Ausbreitung invasiver Arten durch den internationalen Handel und die unsachgemäße Entsorgung von Aquarienpflanzen weiter zu. Wer Pflanzen oder Tiere aus einem Aquarium in der Natur aussetzt, kann empfindliche Lebensräume ungewollt und dauerhaft gefährden. ohe