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Vor 200 Jahren wurde der Grundstein für das Bad Segeberger Rathaus gelegt

Skizze eines zweistöckigen Gebäudes mit zentralem Eingang.

Bad Segeberg. Am Bad Segeberger Rathaus prangt eine dekorative Steintafel mit der Zahl 1828 ohne Erklärung. Sicher hat diese Zahl einen Bezug zu diesem historischen Gebäude. Doch diese Zahl ist weder das Jahr der Grundsteinlegung noch das des Einweihungsjahres. Der Grundstein zum heute noch stehenden Rathaus wurde am 12. Juli 1826 mit einer großen Feier begangen und am 30. November 1827 mit einem Festmenü eingeweiht.
Das alte Fachwerkrathaus, zwischen 1545 und 1550 erbaut, war nach rund 250 Jahren Anfang des 19.-Jahrhunderts unbewohnbar und irreparabel. Ein Neubau musste her. Doch Segeberg war bereits1813 finanziell so klamm, dass die Stadt als städtische Kommune nicht mehr fortbestehen konnte. Der bankrotte dänische Staat konnte auch nicht helfen. So verfügte der dänische König Friedrich VI.(1768-1839) mit seiner Urkunde vom 7. März 1820, die Fleckengemeinde Gieschenhagen mit der Stadt Segeberg zusammenzulegen. Damit wurde die Stadt nicht nur flächenmäßig größer, auch stieg die Einwohnerzahl von 836 auf 1.923. Was aber viel wichtiger war, dass nun die Steuerabgaben der in größerer Zahl angesiedelten Gieschenhagener Gewerbebetriebe in den städtischen Haushalt einflossen.
Für die nun größere Stadt musste ein neuer Bürgermeister her. Auf diese Stelle bewarb sich der studierte Jurist Johann Phillip Ernst Esmarch (1794-1875), der spätere Schwiegervater von Theodor Storm. Der dänische König ernannte Esmarch am 27. November 1820 zum neuen Bürgermeister in Segeberg.
Wie damals üblich, wohnte der Bürgermeister mit seiner Familie im Rathaus. Doch das war unbewohnbar. So beauftragten die Stadtvertreter und der Bürgermeister den Segeberger Maurermeister Johann Detlev Rosenberg, ein großzügiges repräsentatives Rathaus zu entwerfen. Am 20. Oktober 1824 stellte er seinen Entwurf vor. Die Baukosten hatte er mit 7 648 Reichsbanktaler kalkuliert. Diese Summe konnte natürlich die Stadt nicht aufbringen. Bürgermeister Esmarch versuchte, vom Finanzministerium in Kopenhagen das Geld zu bekommen. So ging  nicht nur ein reger Schriftverkehr hin und her, sondern auch der Segeberger Rathausentwurf musste vorgelegt werden. Dieser entsprach nun ganz und gar nicht den Vorstellungen der obersten Baukommission unter dem Vorsitz von Baumeister und Architekt Christian Frederik Hansen (1756-1845). Hansen war in Norden der einflussreichste Architekt des klassizistischen Stils. Von ihm stammten unter anderem die Entwürfe von zahlreichen Wohnhäusern an der Palmaille in Altona, die Rathäuser in Bad Oldesloe und Plön, die Vicelinkirche in Neumünster und die Marienkirche in Husum.
Hansen entwarf für die Segeberger ein Rathaus im klassizistischen Stil, der im ganzen Königreich standardisiert war. Amtsstuben im Erdgeschoss, eine Wohnung für den Bürgermeister und ein großen Bürgersaal im ersten Stock – in der Belle Etage – zur Straßenseite.
Die Segeberger waren zwar von diesem schlichten Entwurf nicht begeistert, aber um Geld zu erhalten, gaben sie ihr Einverständnis. Die königliche Rentkammer (Finanzministerium) genehmigte der Stadt, die in der Einquartierungskasse liegenden 8.259 Reichsbanktaler für den Bau zu verwenden. Dieser Betrag musste mit jährlich 400 Reichsbanktaler an den dänischen Staat zurückgezahlt werden.
Die Stadtväter beauftragten drei Segeberger Bürger – Zimmermeister Heinrich Norden, Maurermeister Johann Detlev Rosenberg und einen namentlich nicht genannten Gastwirt – den Neubau an gleicher Stelle zu errichten. Am 12. Juli 1826 wurde der Grundstein gelegt. Ein ausführlicher Bericht erschien am 16. Juli 1826 im „Königlich privilegiertes Wochenblatt für Segeberg und deren Umgegend“, das zum ersten Mal am 4. Juni 1826 erschienen ist.
Es musste wohl sehr laut und fröhlich bei dieser Grundsteinlegung zugegangen sein. Nicht nur alle Senatoren, sondern auch Kammerherr und Amtmann Ritter Wilhelm von Rosen und Probst Hans Friedrich Nissen ware anwesend. Nur Bürgermeister Esmarch konnte wegen eines „zugestoßenen Übelbefindens“ nicht teilnehmen. „Der Frohsinn aller Anwesenden wurde durch Musik und Kanonendonner und durch manchen wohlgewählten ausgebrachten Toast bis zum Gipfel der Fröhlichkeit gesteigert, ohne sich auch nur im Geringsten in das Gebiet der lärmenden Lustbarkeit zu verlieren.“ pz