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von Dirk Marquardt

Von Muskeln, Apps und ehrlichen Werkzeugen

Gruppe von Menschen in traditioneller Arbeitskleidung draußen

Bad Segeberg.Mit einer feierlichen Freisprechung hat die Baugewerbe-Innung für den Kreis Segeberg ihre erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen ins Berufsleben verabschiedet. Obermeister Jörg Specht sprach im Rahmen der Feierstunde neun Maurerinnen und Maurer sowie 31 Zimmerleute von ihren Lehrverhältnissen frei.

In seiner Ansprache würdigte Specht die Leistungen der jungen Handwerker und stellte den hohen Wert ihrer Ausbildung heraus. „Viele Menschen verbringen ihren Arbeitstag heute vor Bildschirmen. Ihr habt eure Ausbildung dagegen in der echten Welt gemacht – bei Wind, Regen, Hitze und Frost“, sagte er. Während Fitness-Influencer erklärten, wie man Muskeln aufbaue, hätten die Auszubildenden stillschweigend Gebäude errichtet und dabei ganz nebenbei Kraft aufgebaut. „Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis“, unterstrich der Obermeister. Mit Blick auf das Handwerk betonte Specht, dass Präzision und Verantwortung untrennbar zusammengehörten: „Das Maßband und der Zollstock sind vermutlich die ehrlichsten Werkzeuge überhaupt. Sie diskutieren nicht, sie bewerten nicht – sie sagen einfach die Wahrheit.“ Auf dem Bau entstehe nichts allein. „Der Maurer braucht den Zimmerer, der Zimmerer braucht den Maurer. Teamwork und Kameradschaft sind keine Schlagworte, sondern gelebter Alltag.“
Apps wechseln,
Handwerk schafft Werte
Besonders beeindruckend sei, dass sich die jungen Menschen für Berufe entschieden hätten, die Bestand hätten. „Apps kommen und gehen, Trends wechseln wöchentlich. Aber ein gutes Haus steht Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte. Wenn Menschen später an einem Gebäude vorbeigehen, das ihr mitgebaut habt, kennen sie vielleicht euren Namen nicht – aber sie leben darin, arbeiten darin oder gründen dort Familien. Eure Arbeit wird Teil des Lebens anderer Menschen.“
Angesichts des großen Bedarfs an Wohnungsbau, Sanierungen und Modernisierungen ermunterte Specht zu Fortbildungen zum Polier, Meister oder Bautechniker und verwies auch auf die Möglichkeit eines Studiums: „Weiterbildung ist Erfolg.“
Die einzige Maurerin des Jahrgangs war die 19-jährige Madleen Steenbuck aus Kattendorf. Sie schloss ihre Gesellenprüfung als Drittbeste des Jahrgangs ab. Dass sie als Frau in einem nach wie vor männlich geprägten Beruf arbeitet, sei für sie nie ein Problem gewesen. „Es ist ein super Betrieb, in dem ich immer Unterstützung bekommen habe. Wenn es körperlich fordernd wurde, hatte ich immer Hilfe, man kann den Beruf als Frau schaffen“, sagte sie. Sie möchte ihr Fachabitur nachholen und anschließend Bauingenieurwesen studieren, ihren Mittleren Schulabschluss hatte sie bereits vor der Ausbildung erworben. Rückblickend sei die Ausbildung ein Meilenstein gewesen: „Ich kann jetzt richtig viel selber machen, auch zu Hause.“
Als bester Zimmerergeselle wurde der 21-jährige Mads Petersen aus Negernbötel ausgezeichnet. An seinem Beruf schätzt er vor allem die Abwechslung: „Ich bin immer draußen, sehe alle zwei Wochen neue Baustellen, neue Aufgaben und neue Leute. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich an einem Haus vorbeifahre und sehe, was ich gebaut habe.“ Er hob die Unterstützung seines Betriebes hervor: „Ich habe mich nie allein gefühlt, sondern hatte immer kompetente Hilfe.“ Auch er möchte sein Fachabitur nachholen. „Eine Ausbildung im Handwerk ist ein Türöffner für viele weitere Berufswege“, sagte er. Außerdem habe ihn die Lehrzeit persönlich wachsen lassen: „Ich habe wirklich fürs Leben gelernt, auch wenn ich manchmal die Zähne zusammenbeißen musste.“
Bestanden haben:
Zimmerer: Beste Prüfung: Mads Petersen (Ausbildungsbetrieb Jörg Diercks Zimmerermeister) sowie Tayran Bachmann (Zimmerei Hahn), Eric Burdin, Liam Elias Meyer (beide Hollmann Zimmerei), Niklas Busch (BPI Dienstleistungen), Luca Samuel Callsen (Hamdorf Holzbau), Devin Cloos (Zimmerei & Tischlerei Wittorf), Hannes Hebbel (Jens Landvoigt Zimmerermeister), Linus Kahn, Kevin Kietzmann, Hagen Schubert (alle Holzbau Pagels), Marcel Katt (Wattenbau), Julian Kurras (Meineke Holzbau), Jannik Liesenfeld (Mika Ahlers Zimmerermeister), Lukas Münch (Dieter Logemann Zimmerermeister), Luke Öfler (Christian Tesdorff Zimmerermeister), Maximilian Ohm (Zimmerei Christian Witt), Ronja Caroline Riedel (Holzbau Hauschildt), Maximilian Ruge (Zimmerei Hahn), Felix Witt (Wendt Zimmerei- und Holzbaugesellschaft), Jonas Werner Wolff (Thore Lingstädt), Tim Andresen (Hippe Zimmerei & Hochbau) und Marian Ladiges (Knuth).
Maurer: Beste Prüfung: Jerik Böttger (Ausbildungsbetrieb Puls Bauunternehmung) sowie Felix Böckmann, Braiens Kugis (beide Johannes Specht Bauunternehmen), David Michael Eschenbrenner (Bauunternehmen Wandel), Titus Gärtner (Baugeschäft Peter Gärtner), Danny Jason Matthießen (Puls Bauunternehmung), Phil Reimers (Schramm Bauunternehmen), Madleen Steenbuck (Thomas Henning Maurermeister) und Lennard Sonnenschein (Lindemann Bau).
Ausbaufacharbeiter: Beste Prüfung: Hanna Steinke (Ausbildungsbetrieb Hippe Zimmerei & Hochbau) sowie Noah Maximilian Busse, Jonas David, Lukas Maschmann (alle Holzbau Pagels), Danny Heuser (Hippe Zimmerei & Hochbau), Jannes Lempfer (Morten Hollmann Zimmerer- u. Dachdeckermeister), Kyell Paulus (Zimmerei Hahn) und Aaron Elias Teegen (Andreas Koth Zimmerermeister). aby