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von Gerald Henseler

Von der Lebensader zur stillgelegten Strecke

Wankendorf Am 31. Mai jährt sich die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Neumünster–Neustadt zum 160. Mal. Die Strecke verband den Neustädter Hafen mit dem Bahnnetz und entwickelte sich rasch zu einer der bedeutendsten Verkehrsachsen Ostholsteins. Für die Orte entlang der Bahnlinie brachte die Eisenbahn einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. In Wankendorf verdoppelte sich die Einwohnerzahl innerhalb von 20 Jahren von 300 auf 700, berichtet Volker Griese.
Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit regionaler Geschichte und ist seit 30 Jahren als Autor tätig. Nun veröffentlicht Volker Griese unter dem Titel „Die ostholsteinische Eisenbahn – Planung | Bau | Betrieb“ ein Buch, in dem er die Entwicklung der Strecke von den ersten Planungen bis zu ihrem Niedergang nachzeichnet.
Bereits 1844 begannen die Planungen für eine Bahnverbindung von Neumünster nach Neustadt in Holstein. Der Bau verzögerte sich jedoch über Jahre. Erst 1864 gelang mit Unterstützung internationaler Investoren und staatlicher Beteiligung der Durchbruch. Ab 1866 erschloss die neue Bahnstrecke über Ascheberg die ländlich geprägte Region. Entlang der Trasse entstanden Gewerbe und Industrie, vielerorts nahm die Bevölkerung deutlich zu.
Mit der Verstaatlichung ab 1887 verschoben sich die Verkehrsströme. Die Strecke Kiel–Lübeck gewann an Bedeutung, während andere Abschnitte an Gewicht verloren. Dennoch blieb die Verbindung Neumünster–Neustadt lange Zeit eine wichtige Entlastungsstrecke im Güterverkehr, insbesondere in Richtung Puttgarden.
Neben der historischen Entwicklung präsentiert das Buch auch Bauunterlagen, Fahrpläne und zahlreiche Abbildungen. Ein ausführlicher Anmerkungsapparat rundet die Darstellung ab.
1995 stellte die Bahn den Güterverkehr auf der Strecke ein. Personenzüge verkehrten bereits seit 1985 nicht mehr zwischen Neustadt und Neumünster.
Für die Bahnstrecke Neumünster–Ascheberg über Wankendorf bestehen inzwischen Reaktivierungspläne, für die sich die Initiative Pro Bahn einsetzt. Im August 1996 erwachte der Abschnitt Neumünster–Ascheberg kurzzeitig aus seinem Dornröschenschlaf: „Initiiert durch eine private Interessenvereinigung unternahm auf dem Abschnitt bis kurz vor Ascheberg eine neuartige Triebwagengeneration ihre Werbefahrt zur Wiederbelebung des regionalen Schienenverkehrs“, schreibt Volker Griese. Die Broschüre umfasst 140 Seiten und ist für zehn Euro im Handel erhältlich.  ohe