Untersuchungen widerlegen jahrzehntealte Annahme
Bad SegebergJetzt steht es fest: Der sogenannte „Rantzau-Keller“ ist kein Teil des ehemaligen Rantzau-Palais. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher Dr. Fritz Jürgens und Dr. Dennis Wilkens von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Der Keller befindet sich unter einem Backsteingebäude im hinteren Bereich des Grundstücks Lübecker Straße 7.
Lange galt der sogenannte „Rantzau-Keller“ als historisches Relikt aus der Zeit des Humanisten und Staatsmannes Heinrich Rantzau. Joachim Geppert und Detlef Dreessen von der „Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau“ brachten die Nachforschungen in Gang. Sie wollten wissen, ob es belastbare Belege für eine Verbindung zwischen Heinrich Rantzau und dem erstmals 1969 in der Kunsttopographie Schleswig-Holstein erwähnten Rantzau-Keller gibt.
Um Klarheit zu schaffen, schrieb Geppert zahlreiche Institutionen an, darunter Archive, Denkmalbehörden und wissenschaftliche Einrichtungen. Mehr als 50 Anfragen gingen hin und her. Das Ergebnis: Verlässliche Belege für die bisherige Einordnung konnten nicht gefunden werden.
Schließlich wurde der Keller selbst zum Gegenstand einer detaillierten Untersuchung. Dr. Fritz Jürgens, Dr. Dennis Wilkens und Studierende nahmen Bauweise und Materialien genau unter die Lupe. Zudem kamen moderne Verfahren wie Georadar zum Einsatz, um auch das umliegende Gelände zu analysieren.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Der Keller lässt sich zwar nicht exakt datieren, weist jedoch eine uneinheitliche Bauweise auf und entspricht in keiner Weise einem repräsentativen Gebäude, wie es für ein Palais der damaligen Zeit typisch gewesen wäre. Vielmehr wirkt die Konstruktion „zusammengesetzt“ und deutet auf eine spätere Entstehung hin. Auch im Außenbereich fanden sich keine Hinweise auf das vermutete Palais. Die Georadar-Messungen zeigten lediglich einen alten Drainagegraben in rund 90 Zentimetern Tiefe – Spuren von Fundamenten oder Mauerresten blieben aus.
Damit ist klar: Die Bezeichnung „Rantzau-Keller“ ist historisch nicht haltbar. Künftig soll sie nicht weiterverwendet werden. Stattdessen bietet der Fall ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich historische Fehlannahmen über Jahre hinweg verfestigen können.
„Uns ging es darum, Klarheit zu schaffen“, sagt Detlef Dreessen. Genau das sei gelungen. Der Fall zeige, wie wichtig es sei, historische Überlieferungen kritisch zu hinterfragen – auch dann, wenn sie lange als gesichert galten. Enttäuscht sind die beiden Initiatoren nicht; sie freuen sich, dass die Forschungsgruppe den Sachverhalt geklärt hat.
Die Ergebnisse sollen nun auch in die offiziellen Unterlagen der Denkmalpflege einfließen. Der vermeintliche „Rantzau-Keller“ bleibt damit zwar ein historischer Ort – jedoch ohne die Verbindung zu Heinrich Rantzau, die ihm über Jahrzehnte zugeschrieben wurde. ohe