Thomas Eichhorsts autofiktionaler Roman Auf der Suche nach dem eigenen Weg
RohlstorfDer Autor Thomas Eichhorst hat mit „Schikane“ einen 416 Seiten starken, autofiktionalen Roman vorgelegt. Das Buch ist im Books on Demand erschienen und kostet 18 Euro.
Eichhorst erzählt darin seine eigene Geschichte, die er literarisch überformt. „Das meiste ist autobiografisch, ein paar Sachen sind dazugedichtet“, beschreibt er den Ansatz. Ausgangspunkt bildet eine Kindheit in schwierigen familiären Verhältnissen, geprägt von einem autoritären und alkoholkranken Vater. „Es geht in erster Linie ums Erwachsenwerden“, sagt der Autor. „Wie finde ich meinen Weg?“
Die Handlung führt in die achtziger Jahre und tief hinein in die damalige Punk-Szene. Schauplätze sind unter anderem Hamburg-St. Pauli, das Schanzenviertel und die Hafenstraße. Eichhorst beschreibt diese Zeit als prägend: „Punkrock war damals der Ausweg.“ Gleichzeitig verliert sich dieser Weg zunehmend. Themen wie Alkohol, Drogen, Gewalt und Depressionen ziehen sich durch das Buch. „Es geht um Liebe, Angst, Enttäuschungen und Träume“, so Eichhorst.
Neben den persönlichen Erlebnissen greift der Roman auch zeitgeschichtliche Hintergründe auf. Kalter Krieg, RAF und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bilden den Rahmen. „Das lief alles im Hintergrund mit“, erinnert sich der Autor. Auch Stationen in Schleswig-Holstein fließen ein, etwa die Zeit bei der Bundeswehr in Bad Segeberg.
Trotz der oft schweren Themen setzt Eichhorst auf einen lakonischen Ton. „Das Buch ist auch lustig“, betont er. Viele Episoden schildert er mit trockenem Humor und einem Blick für absurde Situationen des Alltags.
Die Arbeit an „Schikane“ erstreckte sich über rund ein Jahr. „Oktober bis Oktober habe ich daran geschrieben“, berichtet Eichhorst. Anschließend folgten mehrere Monate Überarbeitung. Auf ein Lektorat verzichtete er bewusst: „Ich wollte die volle Kontrolle behalten.“ Die Veröffentlichung im Selbstverlag sei eine bewusste Entscheidung gewesen.
Inhaltlich sieht der Autor eine Verbindung zur Gegenwart. „Die Themen haben sich nicht verändert“, sagt er. Konflikte mit Eltern, Schule und Autoritäten sowie die Suche nach Identität seien zeitlos. Unterschiede erkennt er vor allem in den Lebensumständen junger Menschen heute, etwa durch soziale Medien.
Thomas Eichhorst arbeitete als Diplom-Sozialpädagoge und Therapeut in der Drogenhilfe und ist heute in der Kinder- und Jugendhilfe in Bad Segeberg tätig.
„Schikane“ ist damit nicht nur ein persönlicher Rückblick, sondern auch ein Zeitbild der achtziger Jahre. Der Roman richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für biografisch geprägte Geschichten und gesellschaftliche Entwicklungen interessieren.
ohe