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von Gerald Henseler

Provokante Gegenüberstellung in der Kunsthalle Flath

Zwei Personen betrachten Skulpturen in einer Galerie.

Bad SegebergOtto Flaths traditionelle Holzbildhauerei und christliche Mystik begeistern nicht jeden Kunstfreund. Das spürt der Vorstand der Otto-Flath-Stiftung an den Besucherzahlen. Jetzt wagen die Ausstellungsmacher einen provokanten Schritt.
In der aktuellen Jahresausstellung stellt die Bad Segeberger Kunsthalle Flath Werke des Bremer Bildhauers Klaus Effern neben Arbeiten von Otto Flath aus. Efferns meist bemalte Skulpturen greifen klassische oder philosophische Themen auf. Sie stehen neben Flaths wuchtigen Holzskulpturen und Altarbildern mit tief religiösen und menschlichen Motiven.
„Es ist das erste Mal, dass wir die große Halle teilweise für andere Künstler leerräumen“, erklärt Torsten Simonsen. „Das Nebeneinander der Werke beider Holzbildhauer liefert Gesprächsstoff“, sagt Simonsen. Er freut sich über die Diskussionen der Besucher.
Im Mittelpunkt von Efferns Exponaten stehen monumentale Figuren aus Holz, Gips und Fundstücken, deren sichtbare Brüche und Ergänzungen den Entstehungsprozess offenlegen. Die Werke greifen das Bild des „Übermenschen“ als gescheiterte Utopie auf und verweisen auf Macht, Selbstüberhöhung und gesellschaftliche Entwicklungen bis hin zur Tech-Elite im Silicon Valley.
Die Titel der Skulpturen ergänzen die Arbeiten um literarische und mythologische Ebenen. So beziehen sich Werke wie Rodion auf die Romanfigur Rodion Raskolnikow aus Schuld und Sühne, Behemoth auf den dämonischen Kater aus Der Meister und Margarita und Sisyphos reloaded auf die Figur des Sisyphos. Andere Arbeiten thematisieren Gewalt, Religion oder männliche Selbstdarstellung.
In einem separaten Raum zeigt die Kunsthalle Flath das Skulpturen-Ensemble Verspottung von Klaus Effern. Es ist eine dreidimensionale Neuinterpretation des berühmten Gemäldes Die Verspottung Christi von Matthias Grünewald.
Die Gegenüberstellung beider Werke zeigt eindrucksvoll, wie sich die Darstellung von Gewalt, Demütigung und menschlicher Gleichgültigkeit im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Das Thema hat nichts an Aktualität eingebüßt. „Das könnte heute im Iran sein“, sagt Stiftungsmitglied Margret Petersen beim Betrachten der Ausstellung.
Die Sonderausstellung in der Kunsthalle Flath (Bismarckallee 5) ist bis Freitag, 31. Oktober, sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet vier Euro. ohe