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Ohne Salz gäbe es in Segeberg keine Eisenbahn

Bad SegebergAls 1866 unter dem Kalkberg ein riesiges Steinsalzlager entdeckt wird, sind die Segeberger als auch die Eisenbahngesellschaften guter Hoffnung, das große Geschäft mit dem „weißen Gold“ zu machen. Mit einem zu erwartenden Salztransport von 150.000 Tonnen pro Jahr rechnet sich ein Bahnanschluss. So beginnt die Altona-Kieler-Eisenbahngesellschaft 1872 mit dem Bau der Strecke Neumünster-Segeberg-Oldesloe. Am 10. Dezember 1875 ist es geschafft, der erste Zug aus Oldesloe rollt in den Segeberger Bahnhof um 6.46 Uhr ein. Doch den verpassen die Segeberger. Es wird wohl für sie nicht nur zu früh, sondern auch der schneidend-kalte, mit Schneegestöber durchzogene Dezemberwind, gewesen sein. Die Segeberger begrüßen jedenfalls erst den Gegenzug aus Neumünster, der hier um 9.46 Uhr ankommt. Die Zeitung berichtet: “Trotz des ungünstigen kalten Winterwetters hatten sich die Segeberger recht zahlreich eingefunden. Zur bestimmten Zeit brauste der mit Hurra empfangene Zug heran, die Perron-Glocke ertönte zum ersten Male, Reisende stiegen aus und ein, Fracht wurde aus- und eingeladen. Herr Rechtsanwalt Hedde ergriff das Wort und hielt eine herzliche Anrede an die Versammelten.“
Ohne Salz bleibt
trotzdem die Eisenbahn
Die Hoffnung auf das große Salzgeschäft ersäuft jedoch im Wasser, das die beiden Schächte füllt. Der Salzabbau ist nicht rentabel und wird, bevor er begonnen hat, 1880 eingestellt. Die Eisenbahn darf zum Glück bleiben. Die Strecke wird obendrein noch zweigleisig ausgebaut. Sogar der Kaiser Wilhelm II kommt per Bahn nach Segeberg. Er bleibt jedoch nur für 10 Minuten und entsteigt noch nicht einmal seinem Hofzug.
Segeberg wird
Eisenbahnknoten
Dann gibt es ab 1911 eine normalspurige Kleinbahn nach Kiel und ab 1916 eine normalspurige Kleinbahn nach Lübeck. Wegen der damals praktizierten Kirchturmpolitik im Eisenbahnwesen, dürfen die Nebenbahnen nicht den Staatsbahnhof Segeberg nutzen. So wird die Kurstadt Segeberg sogar Eisenbahnknoten mit drei Bahnhöfen.
Die Reichsbahnstrecke Neumünster-Bad Segeberg-Bad Oldesloe mit direkter Verbindung zur Reichshauptstadt Berlin und zum Reichskriegshafen Kiel wird ab 1930 zu einer wichtigen Eisenbahnverbindung. Durch die Munitionsdepots in Wahlstedt und Trappenkamp wird diese Strecke während des Krieges sogar als kriegswichtig eingestuft. Zur Sicherung der Strecke stationiert die Wehrmacht 1943 im Bahnhof Bad Segeberg eine Eisen­bahn-Flak­abteilung.
Rückzug auf Raten
Doch nach dem Krieg und der damit einhergehenden Teilung Deutschlands ist die Strecke nach Berlin unterbrochen. Damit verlieren nicht nur die Strecke, sondern auch der Bahnhof Bad Segeberg an Bedeutung. Das zweite Gleis wird bis 1962 auf der gesamten Strecke zwischen Bad Oldesloe und Neumünster abgebaut. Die Kleinbahnen nach Kiel und Lübeck werden nach 50 Betriebsjahren wegen des stetig ansteigenden Individualverkehrs stillgelegt und die Gleise sofort abgebaut. Wegen Unrentabilität stellt die Bundesbahn sogar 1984 den Personenverkehr nach Neumünster ein. Nur durch das Veto der Bundeswehr bleiben die Gleise liegen. Nun ist der Bahnhof Bad Segeberg Endbahnhof. Alle Personenzüge aus Richtung Bad Oldesloe enden und starten hier in einem Sackbahnhof.
Ende des Sackbahnhofes
Als ab 1996 der schienengebundene Personennahverkehr (SPNV) Auftraggeber für die Strecke wird, stellt die „nordbahn“ nun die Züge auf die Gleise. Als Geschenk zum 127. Geburtstag des Bahnhofs Bad Segeberg wird am 15. Dezember 2002 auf der gesamten Strecke von Neumünster über Bad Segeberg nach Bad Oldesloe der durchgängige Personenverkehr wieder hergestellt. Nun kreuzen sich in Bad Segeberg die Züge im Stundentakt. Das ist mit dem alten Bahnhof nicht zu leisten, und er müsste teuer umgebaut werden. So rückt der Bahnhof mit seinen beiden Bahnsteigen hinter den Bahnübergang der Burgfeldstraße zwar nun näher an die Stadt, doch von der Anmut eines Bahnhofes ist man weit entfernt. zas