Nienwohlder Moor: Höhen und Tiefen fürs Klima überwinden
enwohlder Moor. Diesmal gilt ihre Anwesenheit nicht dem Torfabbau, wie er bis 1977 im großen Maße dort stattgefunden hat, sondern vielmehr um das trockengelegte Gebiet wieder zu vernässen und damit einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz aber auch für Flora und Fauna zu leisten.
Anfang Dezember haben im Nienwohlder Moor nordöstlich von Hamburg, einem Naturschutzgebiet in den Kreisen Segeberg und Stormarn, die Bauarbeiten zur Wiedervernässung eines 111 Hektar großen Geländes begonnen. Dieses stellt die Moorvernässer vor große Herausforderungen, da sich durch den jahrzehntelangen Torfabbau dort starke Abbruchkanten und Höhenunterschiede von bis zu fünf Metern befinden.
Das Nienwohlder Moor ist in Schleswig-Holstein eine Besonderheit: Es vereint Nieder- und Hochmoorbereiche. „Hochmoore machen landesweit nur etwa 1,6 Prozent der Fläche aus“, erkärt Projektleiter Janis Ahrens.
Um das Wasser künftig im Gebiet zu halten, wird das Moor abschnittsweise bearbeitet. Rund 2,3 Kilometer Wälle werden aufgeschüttet, ergänzt durch Spundwände und regelbare Überläufe. So entstehen sogenannte Polder, in denen sich Regenwasser sammeln kann. Ehemalige Entwässerungsgräben werden gezielt angestaut. Mithilfe einer speziellen Folie wird zudem eine unterirdische Abdichtung geschaffen. Dafür kommt ein Dichtbahnpflug zum Einsatz. Bei diesem handelt es sich ohne hin schon um ein seltenes Gerät, aber da im Nienwohlder Moor kurvenreichere Wälle gezogen werden müssen, haben die Moorexperten extra ein norddeutsches Unikat mit Lenkung gebaut. Die Aufgabe des Dichtbahnpflugs ist es, die lösungsmittelfreie PE-Folie in einer Tiefe von zwei Metern zur Abdichtung im Boden zu spannen, sodass das Wasser nicht unterirdisch abfließen kann und sich Regenwasser ansammelt.
„Wir wenden diese Methode hier an, da wir so eine geringere Anzahl an Wällen aufschütten müssen und sie minimalinvasiv ist“, so Janis Ahrens. Der Dichtbahnpflug macht nur einen kleinen Schlitz in den Torf-Boden, der gleich hinter ihm wieder zu geht. „Das erleichtert uns nicht nur den Bauprozess, sondern schont die wertvolle Vegetation rechts und links der Dichtbahn“, betont er. Der erste Bauabschnitt umfasst 27 Hektar und soll bis zum Frühjahr fertig gestellt sein. Falls nicht, werden von März bis Ende August die Arbeiten unterbrochen und es kehrt Ruhe für die Brut- und Setzzeit der Moortiere ein. Im Herbst soll dann der zweite von insgesamt vier Abschnitten begonnen werden. 2029 soll alles fertig sein. Doch warum dieser enorme Aufwand?
Neben der schützenden Hand, die die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein über das Moor legt, setzt sie sich mit der Vernässung auch aktiv gegen den Klimawandel ein. Denn Torfmoose, welche ausschließlich im Moor vorzufinden sind, haben eine Eigenschaft, die sie zu wahren Helden macht: Sie können eine große Menge CO2 aufnehmen und speichern. Aufgrund ihrer Fähigkeit gelten Moore als die effizientesten CO2-Speicher der Welt, denn sie speichern weltweit doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen.
Gleichzeitig entstehen wieder typische Moorlebensräume. Im Nienwohlder Moor kommen unter anderem Moorfrösche, Kreuzottern, Libellen und verschiedene Wasserkäfer vor. Zu den seltenen Pflanzen zählen zum Beispiel Moosbeeren, Sonnentau, Schnabelried, Glockenheide, Wollgras und Sumpfporst. Die Projektkosten von 400.000 Euro werden mit Mitteln des Landes Schleswig-Holstein gefördert. kf