Nasses Grotmoor hilft jetzt beim Biologischen Klimaschutz

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von Katja Lassen

Nasses Grotmoor hilft jetzt beim Biologischen Klimaschutz

Schon jetzt steht Wasser auf der Fläche im Grotmoor.
Schon jetzt steht Wasser auf der Fläche im Grotmoor.

Heidmoor (kf). Trocken gelegte Moore sind echte Klimakiller. Sie stoßen allein in Schleswig-Holstein jedes Jahr 2,8 Millionen Tonnen CO2-Äqivalente aus. Werden sie wieder nass, stoppen die Emissionen und nach einiger Zeit kann das Moor wieder wachsen und aktiv CO2 aus der Atmosphäre speichern.

Das ist in einem Gemeinschaftsprojekt von Stiftung Naturschutz und Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) nach einem halben Jahr Umbauzeit auf einer 73 Hektar großen Projekt-Fläche im 300 Hektar großen Grotmoor in der Gemeinde Heidmoor gelungen. „Wie etwa 90 Prozent der Moore in Schleswig-Holstein lag auch dieses Gebiet trocken und das seit rund 200 Jahren“, so Matthias Büttner, Sprecher der Stiftung Naturschutz.

„Jetzt steht das Regenwasser wieder auf der Fläche“, freut sich Projektleiter Janis Ahrens von der Stiftung Naturschutz. Dazu wurde im August 2022 begonnen, die Entwässerung zu stoppen und zwölf Kubikmeter Kunststoff-Drainageleitungen entfernt. Durch aufwendige Baggerarbeiten wurden mehr als sechs Kilometer Torfwall aufgeschüttet, die das Abfließen des Wassers von der Fläche verhindern sollen. Mit dem gleichen Ziel wurden 160 Meter Grüppen verfüllt, 31 Grabenstauen und 15 Grabenschwellen sowie drei Holzspundwände gebaut und neun verstellbare Überläufe errichtet. Denn auch zu viel Wasser sei nicht gewollt und könne so gezielt abgelassen werden, erklärt Ahrens. Der ideale Wasserstand sei zehn Zentimeter über beziehungsweise unter der Bodenkante. Bei zu wenig Wasser würde CO2, bei zu viel Wasser Methan ausgestoßen, ließ er wissen. Beides gilt es zum Wohle des Biologischen Klimaschutzes zu verhindern. Drei verbaute moderne Funk-Logger senden den Wasserstand über das Mobilfunknetz an eine Datenbank. So behalten die Moor-Experten die Vernässung im Blick und können bei Bedarf nachjustieren. Im Spätsommer wird ein kleiner Teil im westlichen Waldstück noch fertiggestellt, denn von März bis August müssen die Arbeiten ruhen, damit die Vögel nicht beim Brüten und Rasten und die Amphibien nicht beim Laichen gestört werden.

Die Vernässung der Moore ist Teil des Programms Biologischer Klimaschutz, das die Landesregierung 2020 ins Leben gerufen hat. Mit dem Ziel, bis 2030 weitere 20.000 Hektar trockene Moorböden in Schleswig-Holstein zu vernässen, um damit 700.000 Tonnen Treibhausgas pro Jahr einzusparen. Das entspricht so viel, wie alle Bürger von Flensburg jährlich ausstoßen.

„Im Grotmoor haben die Stiftung Naturschutz und die Landesforsten ihr Wissen und ihre Flächen (65,91 Hektar SH Landesforsten und 7,32 Hektar Stiftung Naturschutz SH) zusammengebracht mit dem Erfolg, das jetzt 710 Tonnen CO2 im Jahr weniger in die Atmosphäre gelangen“, sagt Sandra Redmann, Vorsitzende der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Mit der Umsetzung der geplanten Maßnahmen zur Wiedervernässung zeigt sich auch Ulrik Steffen, Naturschutzexperte der SHLF, sehr zufrieden. „Ich bin gespannt, wie der Wasserstand und die Vegetation sich entwickeln werden“, sagt er. Die Landesforsten besäßen insgesamt 216 Hektar im Grotmoor und man könne sich weitere Projekte zum Wohle des Klimaschutzes vorstellen. Dazu benötige man aber weitere Flächen, die im Besitz anderer seien und verhandelt werden müssen. Derzeit würde den Landbesitzern 30 Cent pro Quadratmeter Moorfläche geboten, ließ Heidmoors Bürgermeister Karl Menken wissen.


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