Nach 50 Jahren Ehe in der Kirche noch einmal Ja gesagt
Groß Niendorf. Dieter (90) und Wilma (78) Zielke erfüllten sich zur Goldenen Hochzeit einen Herzenswunsch und ließen sich kirchlich trauen.
Es war ein Moment voller Freude, Dankbarkeit und Emotionen: Zur Feier ihrer Goldenen Hochzeit blickten Dieter und Wilma Zielke nicht nur auf 50 gemeinsame Ehejahre zurück, sondern erfüllten sich auch einen lang gehegten Wunsch. Nach einem halben Jahrhundert Ehe gaben sie sich nun auch in der Kirche das Ja-Wort.
Als das Paar vor 50 Jahren heiratete, blieb es bei einer standesamtlichen Trauung. Dieter Zielke war bereits verwitwet, Wilma Zielke geschieden. Damals galt für viele noch die Auffassung, dass eine zweite Ehe nicht kirchlich geschlossen werde. „Das war eben die Zeit“, erinnert sich Wilma Zielke. An eine kirchliche Trauung sei damals gar nicht zu denken gewesen.
Doch der Wunsch blieb über Jahrzehnte bestehen. Wirklich konkret wurde er erst, nachdem Dieter Zielke vor einigen Jahren schwer erkrankte. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt und einer schwierigen Zeit zu Hause war zunächst ungewiss, ob das Ehepaar die Goldene Hochzeit überhaupt gemeinsam erleben würde.
Mit großem Einsatz pflegte Wilma Zielke ihren Mann selbst. Als gelernte Altenpflegerin verzichtete sie bewusst auf die Unterstützung eines Pflegedienstes. Schritt für Schritt kämpfte sich ihr Mann zurück ins Leben. Heute kann er wieder laufen – für beide ein kleines Wunder.
„Als es ihm wieder besser ging, habe ich gesagt: Wenn du wieder gesund wirst, dann wünsche ich mir, dass wir uns kirchlich trauen lassen“, erzählt sie. Dieter musste nicht lange überlegen. Seine Antwort lautete schlicht: „Alles, was du möchtest, Schatz!“
So wurde aus einem lang gehegten Traum Wirklichkeit. Pastorin Anett Penner aus Leezen war von der besonderen Trauung begeistert und begrüßte die Gemeinde mit einem Augenzwinkern: Einen 90-jährigen Bräutigam habe sie schließlich noch nie getraut.
Rund 45 Gäste – Familie, Freunde und Verwandte – feierten gemeinsam mit dem Ehepaar. Die Zeremonie war feierlich, aber zugleich von viel Herzlichkeit und Humor geprägt. Für einen heiteren Moment sorgten ausgerechnet die neuen Eheringe, die sich zunächst nicht problemlos anstecken ließen. Kurzerhand half sich das Paar gegenseitig – sehr zur Freude der Gäste.
Im Anschluss wurde gemeinsam gefeiert. Bereits am Vorabend hatten Nachbarn und Freunde mit einem festlich geschmückten Polterabend überrascht. Für das Ehepaar war diese große Wertschätzung überwältigend. Seit Jahrzehnten lebt die Familie in ihrer Nachbarschaft und fühlt sich dort eng verbunden.
Jetzt möchten Dieter und Wilma Zielke auch die Hochzeitsreise nachholen. „Wir fahren nach Usedom an die Ostsee“, verrät Wilma Zielke. Sie ist sehr mobil und unternimmt täglich Radtouren. An den Wochenenden fährt das Paar gemeinsam an die Ostsee. Jeden Sonntag gehen sie zusammen essen.
Die gemeinsame Geschichte begann schon viele Jahre zuvor. Wilma brachte eine Tochter mit in die Ehe, Dieter hatte drei Söhne aus seiner ersten Ehe. Später bekam das Paar noch einen gemeinsamen Sohn. Heute gehören sieben Enkel und zwei Urenkel zur großen Familie.
Besonders wichtig war Wilma Zielke immer, den Kindern ihres Mannes ihre Mutter nicht ersetzen zu wollen. „Die Mutter haben sie gehabt. Das ist eine ganz andere Verbindung“, sagt sie. Umso mehr freut sie sich, dass das Zusammenleben von Anfang an harmonisch verlief. Auch ihre eigene Tochter fand schnell eine enge Beziehung zu Dieter und nennt ihn bis heute ihren Papa.
Das Geheimnis ihrer langen Ehe? Dankbarkeit, gegenseitige Wertschätzung und Zusammenhalt – besonders in schwierigen Zeiten. „Ich bin dankbar, dass wir uns noch haben“, sagt Wilma Zielke. „Und dass die Kinder und Enkelkinder sich kümmern.“
Für beide steht fest: Die kirchliche Trauung war sogar noch bewegender als die standesamtliche Hochzeit vor 50 Jahren. Nach einem halben Jahrhundert voller gemeinsamer Höhen und Tiefen bekam ihr Versprechen noch einmal eine ganz besondere Bedeutung. ohe