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von prakti kant

Mitten in dieser Stadt – Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Menschen mit Regenschirmen bei einer Veranstaltung im Freien.

Bad Segeberg Das Wetter schien zur Stolpersteinverlegung zu passen. Die im Regen fröstelnden Teilnehmenden der Gedenkfeier erinnerten Walter Blender an eine der ersten Stolpersteinverlegungen in Bad Segeberg. Damals sorgte ein Kälteeinbruch dafür, dass die kleine Menschengruppe während der Veranstaltung frieren musste. Viele fühlten sich an eine Szene aus dem Film Schindlers Liste erinnert, in der KZ-Häftlinge bei Frost in dünner Kleidung antreten mussten.
Mitglieder der jüdischen Gemeinde hatten sich aus Sicherheitsgründen bei Stolpersteinverlegungen in jüngerer Vergangenheit nicht öffentlich geäußert. Walter Blender, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein, ergriff nun im Hinterhof der Itzehoer Versicherung in der Kurhausstraße 31 das Wort. Er erinnerte daran, wie wichtig das Gedenken sei. Die Verbrechen der Nationalsozialisten hätten nicht fernab stattgefunden, sondern „mitten in dieser Stadt“.
Blender hob die symbolische Kraft der Stolpersteine hervor. „Die Tora sagt: Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird“, sagte er. Gerade deshalb komme den kleinen Messingtafeln eine besondere Bedeutung zu, „nämlich, weil ein Name draufsteht“.
Die Stolpersteine sollen Menschen zum Innehalten und Nachdenken bewegen. „Wie das Wort bereits sagt, kann oder soll man stolpern – natürlich symbolisch“, erklärte Blender. Für die jüdische Gemeinde bedeute dieses Stolpern „Erinnerung an Menschlichkeit“ und daran, „dass Gott jeden Menschen in seinem Bilde erschaffen hat“.
Die Steine machten deutlich, dass hinter den Opfern individuelle Lebensgeschichten und Schicksale standen. „Wenn also viele Bürger stolpern, dann denken auch viele nach, dann fragen auch viele nach und beginnen, darüber und miteinander zu sprechen“, sagte Blender.
Seit fünf Jahren treibt der Stadthistoriker Axel Winkler die Verlegung von Stolpersteinen in Bad Segeberg voran. „Vor fünf Jahren kamen nur etwa zehn Schüler und Lehrer zu der Verlegung“, erinnerte er. Am Montag beteiligten sich mehr als 100 Schülerinnen und Schüler der Dahlmannschule, des Städtischen Gymnasiums und der Annette-von-Rantzau-Schule an der Gedenkveranstaltung. Sie berichteten über die Schicksale der Opfer des Nationalsozialismus, für die die Steine verlegt wurden. Grußworte hielten Thomas Schwerin, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums, Bürgermeister Toni Köppen, Bürgervorsteherin Monika Saggau sowie die Bundestagsabgeordnete Melanie Bernstein.
In der Kurhausstraße 31 erinnert nun ein Stolperstein an Julius Baruch. Vor dem Haus in der Hamburger Straße 5 verlegte Maurer Stefan Sarau gemeinsam mit seinem Praktikanten Erik Düring die Messingsteine für Louis und Cäcilie Heilbronn. Bei seinen Recherchen stellte Axel Winkler fest, dass der Todesort von Cäcilie Heilbronn bislang falsch angegeben war. Deshalb ließ er einen neuen Stein anfertigen.
Weitere neu verlegte Stolpersteine in der Hamburger Straße erinnern an Grete Alexander und Arno Rolf Alexander. Insgesamt liegen damit nun 59 Stolpersteine in Bad Segeberg. ohe