Longfront-Bagger frisst sich durch Leezener Getreidesilos

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von Heike Hiltrop

Longfront-Bagger frisst sich durch Leezener Getreidesilos

Maschinist Daniel Erichson sieht sich an, wie sein Kollege Detlef Andres mit dem 42-Meter-Ausleger seines Longfront-Baggers den ersten Silo-Turm Stück für Stück von oben nach unten „zerbröselt“.Foto: hh
Maschinist Daniel Erichson sieht sich an, wie sein Kollege Detlef Andres mit dem 42-Meter-Ausleger seines Longfront-Baggers den ersten Silo-Turm Stück für Stück von oben nach unten „zerbröselt“.Foto: hh

Leezen (hh). Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht ein paar Menschen aus der Gemeinde in der Raiffeisenstraße ein Bild vom Vorankommen der Arbeiten auf dem ehemaligen ATR-Gelände machen. Nach Abriss der Hallen geht es derzeit den 40 Meter hohen Getreidespeichern an die Bausubstanz. Der Longfront-Bagger mit seinem 42-Meter-Ausleger und der tonnenschweren Zange „knabbert“ seit einigen Tagen Stück für Stück der weithin sichtbaren Türme ab. Demnächst werden die beiden markanten Gebäude, die über Jahrzehnte das Gesicht Leezens geprägt haben, nur noch ein gigantischer Haufen Schutt, Steine, Metall und Altlasten sein, der getrennt und weggeschafft werden muss. Manches soll recycelt werden – etwa mineralisches Material, das als Untergrund im Straßenbau Verwendung findet. Anderes musste sorgfältig abgetragen werden, asbestbelastete Dachteile der Hallen beispielsweise und der von einer längst verschwundenen Tankstelle kontaminierte Boden. Auch die Oberflächen der Böden der einstigen Düngemittelhallen mussten als Sondermüll abgefräst und Feuerschutztüren entsorgt werden.

Mehr als 453.000 Euro gibt es vom Land dafür, das rund 1,6 Hektar große Areal mit dem alten Landhandel so vorzubereiten, dass es mit weiteren Flächen auf fast fünf Hektar zwischen Tweelbek, Lindhoff- und Raiffeisenstraße Platz für ein neues Quartier bietet.

Ein fertiges Nachnutzungskonzept gibt es zwar noch nicht, doch konkrete Vorstellungen: barrierefreies und betreutes Wohnen im Mehrgeschossbau, Pflegeangebote, generationsübergreifendes Wohnen, ein Bürgerpark mit Treffpunkt, auch für Jugendliche, ein Ärztehaus und eine Kita. Besonderes Augenmerk läge auf älteren Menschen, umreißt Leezens Bürgermeister Ulrich Schulz den Plan: „Denn die vorhandenen Kapazitäten sind nicht ausreichend für den derzeitigen und insbesondere künftigen Bedarf.“

Statt Flächenfraß für Einfamilienhäuser auf der grünen Wiese, passiere hier genau das, was politisch gewollt sei: Binnenentwicklung und Nachnutzung, lobte Kreisplaner Frank Hartmann beim Start der Abrissarbeiten. Die Gemeinde werde zum Vorzeigeprojekt für den ganzen Kreis. Die Freude im Dorf und darüber hinaus wird jedoch eingetrübt durch die Betreiber der Mobilfunkantennen auf den Silo-Türmen: Den Kündigungen, die frist- und ordnungsgemäß im Frühsommer 2021 erfolgt waren, folgte langes Schweigen – und viel zu zögerliches Handeln. „Vier Funklöcher gibt es in Leezen“, ärgert sich Schulz. „Das hätte nicht sein müssen.“


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