Kleine Helden – große Abenteuer: Blick hinter die Kulissen der Karl-May-Kinderspiele
Bad Segeberg. Unter dem Slogan „200 Kinder spielen Karl May“ ging der damalige Intendant der Karl-May-Spiele Harry Walther Ende der 1970er Jahre neue Wege. Drei Jahre lang weckte er von 1978 bis 1980 bei den Kindern die Leidenschaft für Karl May. Mit seiner Ausstellung „Kleine Helden – große Abenteuer“ erinnert das Museum Segeberger Bürgerhaus an die Kinderstücke der Karl-May-Spiele.
Winnetou I und Winnetou II sowie Der Ölprinz waren damals vollkommen in Kinderhand. Sie waren nicht nur für Kinder inszeniert, sondern auch die Schauspieler waren Kinder. Sogar das Bühnenbild wurde an die Körpergröße der Mädchen und Jungen angepasst. 150 bis 180 Jungen und Mädchen im Alter von zwölf bis 14 Jahren brannten damals darauf, dabei zu sein.
Mitgemacht haben so bekannte Segeberger Namen wie der Podologe Dirk Reher, Gärtnermeister Holger Ramm, Malermeister Jens Bunge, Taxi-Unternehmer Ingo Schmalfeldt oder Falko Arp, Vater von Fußballer Fiete Arp.
Was viele nicht wissen: Unter den Kinderdarstellern waren besonders viele Mädchen. Auch die Winnetous wurden fast ausschließlich von Mädchen gespielt. Lediglich beim Ölprinz war ein Junge unter den Darstellern. Petra Kahl hat sich für ihren Traum, Old Shatterhand spielen zu können, sogar die langen blonden Haare abgeschnitten und sich mächtig Ärger mit ihrer Mutter eingehandelt.
Petra Kahl und die anderen Kinder hatten während der drei Jahre ein Actionprogramm, das aufregender nicht hätte sein könnte. „Old Shatterhand musste mit einem Bären kämpfen. Stuntman Klaus Schichan hat uns gezeigt, wie man das macht“, erinnert sie sich. Mit Stuntman Wilfrid Zander übten sie reiten und die Indianertänze zeigte ihnen der Schauspieler und Tänzer Jürgen Feindt. Petra Kahl: „Er wollte 1978 noch zur Abschlussfeier kommen. Zwei Tage vorher ist er mit seiner Cessna abgestürzt. Wir waren alle ganz traurig“
Konzipiert wurde die Ausstellung von dem Journalisten Norbert Rochna, für den die Suche nach Fotos, Relikten und Erzählungen zur kleinteiligen Puzzlearbeit geworden ist. „Bei den Erwachsenenstücken ist bis zur letzten Platzpatrone alles im Stadtarchiv dokumentiert. Von den Kinderstücken aber gab es nur Namenslisten“, erzählt Rochna.
Für die Ausstellung hat er Interviews mit den damaligen Kinderschauspielern wie Linda Lim geführt. Zu finden sind diese neben Wissenswertem und Erinnerungsstücken auf 20 Schautafeln, in drei Vitrinen und in einem Begleitheft. Zu sehen ist die Ausstellung bis Sonntag, 13. September. Geöffnet ist das Museum Segeberger Bürgerhaus (Lübecker Straße 15) donnerstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. pd