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Im Marienhof sind Bewohnerinnen zweimal 100 und noch älter

von Katja Lassen

Käthe Urbanek und Liselotte Dohrendorf sind im Marienhof in Bad Segeberg zuhause. Sie teilen das seltene Glück 100 Jahre alt zu sein und werden dabei nur noch von einer Mitbewohnerin mit 102 Jahren übertroffen.Foto: kf

Bad Segeberg (kf). Hundert Jahre wird man nicht alle Tage. Umso bewundernswerter, dass dies im Bad Segeberger Marienhof gleich drei Bewohnerinnen geglückt ist. Der Marienhof ist ein Senioren- und Pflegeheim mit integrierter Tagespflege von 39 Bewohnern.

Am 12. Januar feierte Liselotte Dohrendorf diesen besonderen Geburtstag und folgt damit Käthe Urbanek, die bereits am 1. September vergangenen Jahres einhundert Jahre alt wurde. Das kann nur noch eine Dame im Marienhof übertreffen. Aktuell ist sie 102 und möchte am 5. Juni ihren 103. Geburtstag feiern.

Bei einem Plausch erzählen die beiden 100-Jährigen aus ihrem bewegten Leben und von so manchen Schicksalsschlägen.

Käthe Urbanek stammt aus Geschendorf, wo sie am 1. September 1922 geboren wurde und auch die Grundschule besuchte. Ihre Mutter verstarb, als Käthe ein Jahr alt war, ihr Vater heiratete erneut. Er war Sparkassenleiter im Dorf. Käthe besuchte die Dahlmannschule in Bad Segeberg für drei Jahre und wechselte dann wie ihre Cousine auf die Ernestinenschule in Lübeck – eine reine Mädchenschule, an der ihr Onkel Lehrer war. „So wollte es mein Vater“, sagt sie. „Ich fühlte mich unter den feinen Geschäftsleuten aber nicht wohl, verließ die Schule nach einem Jahr und besuchte die Handelsschule in Lübeck.“ Ihre Ausbildung zur Sekretärin und in der Buchhaltung hat sie bei ihrem Vater in der Sparkasse absolviert und später im Stadtbüro des Rathauses gearbeitet.

Als 1939 der Zweite Weltkrieg begann, zog die Familie nach Bad Segeberg. Käthe war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt und erkrankte schwer an Kinderlähmung. Ein halbes Jahr verbrachte sie im Krankenhaus. Ihren ersten Ehemann, Ernst Kruse, lernte sie mit knapp 18 Jahren am fliegeralarmfreien Tag beim Tanz im Hotel Germania kennen. Schon bald musste der Soldat zurück an die Front und fiel im Oktober 1942 in Russland. Den Ehebund schlossen die beiden per Ferntrauung mit Stahlhelm, als Käthe im fünften Monat schwanger war.

Im März 1943 wurde ihr Sohn Heino geboren. „Wir mussten uns Kartoffel, Steckrüben und Holz beim Bauern klauen“, erzählt sie. „Unsere Kinder sollten nicht hungern und es warm haben.“ Ihren zweiten Ehemann, Wilhelm Urbanek heiratet sie im Februar 1948. Er war im Gefangenenlager, durfte aber in der Fischerei arbeiten. In der alten Fischerkate am Segeberger See, in der das Paar später auch wohnte, wurden Aale geräuchert und ein paar Hühner gehalten. „Da hatten wir ein schönes Leben“, erinnert sich Käthe Urbanek. 1949 wird Sohn Jens geboren und entgegen jeder Erwartung zehn Jahre später Tochter Silke.

Über die Kriegsmarine war Wilhelm Urbanek, der Kommandant auf einem Schulschiff war, in Cuxhaven, Wilhelmshaven, Eckernförde und auch Flensburg stationiert. „Zehn Jahre lebten wir in Flensburg. Später war mein Mann in Neustadt an der Ostsee Hafenmeister. Er verstarb 1994“, sagt sie. Dann zog Käthe Urbanek nach Segeberg Am Eichberg. Nach einem Sturz vor drei Jahren ist sie auf den Rollstuhl angewiesen und lebt nun in dem Marienhof.

Auch Liselotte Dohrendorf hatte es in ihrem Leben nicht immer leicht. Geboren in Kiel am 12. Januar 1923, wurde sie als Fünfjährige zur Vollwaise, da ihre Eltern auf der Kieler Hochbrücke bei einem Motorradunfall verstarben. Sie wuchs mit Cousin und Cousine bei ihrem Onkel in St. Peter Ording in ärmlichen Verhältnissen auf. „Das war nicht immer schön“, sagt sie nur kurz und winkt ab. Dort besuchte Liselotte Dohrendorf auch die Schule bis zum Volksschulabschluss. Ihr Ehemann Friedrich Arp war Seemann. Ihn lernte sie in Friedrichstadt kennen. „Er kam jedoch aus dem Krieg nicht zurück“, bedauert sie ebenso, wie die Tatsache, dass sie keine Kinder hatte. Liselotte Dohrendorf lebte auch in Rendsburg und kam später nach Bad Segeberg. Sie hat immer viel gearbeitet, war Hausfrau und in einer Gastwirtschaft beschäftigt und lernte später Bankkauffrau. Sie war Mitglied im Hausfrauenverein und engagierte sich in der Kirche. Jahrelang pflegte sie die Tante ihres verstorbenen Mannes. Gern hat sie Handarbeiten gemacht, liebt Spaziergänge, liest Zeitung, spielt Karten und hört mit Vorliebe  Operetten. Seit Mai 2020 lebt sie im Marienhof, der zu ihrem 100. Geburtstag für einen Empfang hübsch geschmückt wurde. „So genug erzählt, ich bin nicht wichtig“, sagt sie und gesellt sich zum Bingo spielen zu Mitbewohnern und Tagespflegegästen.

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