Heinrich Rantzau wird auf der Bühne lebendig
Bad Segeberg. Geschichte soll nicht nur erklärt, sondern erlebbar werden. Dafür haben Professor Asmus J. Hintz und Kirchenmusikdirektor Andreas Maurer-Büntjen ein neues Bühnenformat entwickelt. Heinrich und seine Zeit verbindet einen szenischen Live-Podcast mit Renaissance-Musik, Film, Projektionen und einer digitalen Rekonstruktion des historischen Bad Segebergs. Die Uraufführung findet am Freitag, 11. September, um 19 Uhr in der Marienkirche statt.
Im Mittelpunkt steht Heinrich Rantzau, dessen 500. Geburtstag in diesem Jahr Anlass für das Projekt ist. Rantzau lebte von 1526 bis 1598 und gehörte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des norddeutschen 16. Jahrhunderts. Als Statthalter dreier dänischer Könige prägte er Politik, Wirtschaft und Verwaltung in Schleswig-Holstein. Zugleich war er Humanist, Bauherr, Sammler und Förderer von Wissenschaft und Kultur.
Professor Asmus J. Hintz übernimmt selbst die Rolle Rantzaus, während Maurer-Büntjen als Moderator durch das Gespräch führt. Thematisiert werden Rantzaus Kindheit, seine Ausbildung bei Philipp Melanchthon und Martin Luther, sein Glaube, seine politischen Aufgaben, seine wirtschaftlichen Interessen und seine Beziehungen zu Gelehrten in ganz Europa. Grundlage sind historische Quellen und aktuelle Forschung.
„Wir wollen nicht nur über das 16. Jahrhundert sprechen, sondern es für einen Moment sichtbar und erlebbar machen“, beschreibt Hintz das Ziel des Projekts.
Die Marienkirche spielt dabei eine besondere Rolle. Rantzau kannte das Gotteshaus bereits in seiner damaligen Gestalt. Auch eine Orgel gehörte schon zu seiner Lebenszeit zur Ausstattung der Kirche. Reparaturrechnungen aus den Jahren 1547 und 1549 belegen, dass bereits damals ein Instrument vorhanden war.
Eine zwölfminütige digitale Zeitreise führt anschließend durch das Segeberg um 1588. Zu sehen sind unter anderem die Siegesburg, die Marienkirche und das Palais Rantzau. Die Rekonstruktion basiert auf historischen Darstellungen und soll einen Eindruck davon vermitteln, wie die Stadt zu Rantzaus Zeit ausgesehen haben könnte.
Auch musikalisch taucht der Abend tief in die Renaissance ein. Luise Catenhusen leitet das Ensemble Capella Hamburgensis, das auf historischen Instrumenten spielt. Posaune, Zink, Dulzian, Tenorflöte und weitere Instrumente treffen auf die Winterhalter-Orgel, an der Karin Lorenz spielt. Werke von Heinrich Isaac, Jan Pieterszoon Sweelinck, Orlando di Lasso, Giovanni Gastoldi und Michael Praetorius stehen auf dem Programm.
Die Musik dient dabei nicht lediglich als Untermalung. Sie soll die Atmosphäre der Epoche hörbar machen. Bildprojektionen und Filme ergänzen die Gespräche und veranschaulichen historische Zusammenhänge. Das Format setzt deshalb bewusst nicht auf einen klassischen Vortrag: Wort, Musik, Bild und Film greifen ineinander.
Maurer-Büntjen bezeichnet die Beschäftigung mit Heinrich Rantzau als überraschende Entdeckung. Für ihn habe sich dabei auch ein neues Bild von Bad Segeberg ergeben. Die Stadt sei im 16. Jahrhundert keineswegs die unbedeutende Kleinstadt gewesen, als die sie heute manchmal erscheine. Rantzau war europaweit vernetzt und beschäftigte sich mit Politik, Handel, Wissenschaft und den großen Veränderungen seiner Zeit.
Dabei zeigt der Abend auch die widersprüchlichen Seiten dieser Renaissancepersönlichkeit. Heinrich Rantzau stand für Bildung, Humanismus und Friedensideen, war zugleich aber ein erfolgreicher Wirtschaftsmann und Teil einer Gesellschaft, in der Bauern unter Abhängigkeit und Ausbeutung litten. Auch diese Ambivalenz gehört ausdrücklich zur Darstellung.
Am Ende soll die Geschichte nicht einfach mit dem letzten gesprochenen Satz verschwinden. Das Ensemble und die Orgel gestalten gemeinsam mit dem Publikum einen musikalischen Ausklang. Für einen geselligen Abschluss ist ebenfalls gesorgt: Nach der Aufführung lädt der Förderverein Marienkirche zu einem Beisammensein ein.
Die Aufführung dauert etwa 90 Minuten. Karten gibt es ab zehn Euro über Eventim Light und an der Abendkasse. Veranstalter ist der Förderverein Marienkirche Bad Segeberg.
„Wer ein Kind auf der Heinrich-Rantzau-Schule hat, sollte sich den Abend nicht entgehen lassen“, meint Professor Dr. med. Peter Zabel, der zweite Vorsitzende des Fördervereins. ohe