Der Schlamermarkt kommt: Klönen, Karussells und Gemeinschaft
Schlamersdorf Über den Dreiecksplatz schlendern, an der Bude Dosen werfen, dem Enkel fünf Euro für den Autoscooter in die Hand drücken und anschließend mit Freunden, Nachbarn oder Bekannten bei Kaffee und Kuchen im Festzelt klönen – genau dafür lieben die Seedorfer ihren Schlamermarkt. Von Freitag, 28, bis Sonntag, 31. Mai, feiern die Bürgerinnen und Bürger der Region erneut ihren ganz besonderen Jahrmarkt. Der Markt öffnet täglich ab 14 Uhr.
Mit dem Trubel großer Stadtjahrmärkte hat der Schlamermarkt allerdings wenig gemeinsam. Hier kennt man sich, hier begegnet man sich. Viele Schausteller kommen seit Jahren gern nach Seedorf-Schlamersdorf – nicht nur wegen der familiären Atmosphäre, sondern auch, weil sich der Markt für sie lohnt. Jedes Geschäft ist nur einmal vertreten. Für Speisen und Getränke sorgen Gastronomen aus der Gemeinde.
Die Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Angebot mit Autoscooter, Schießbuden, Greifern, zwei Kinderkarussells, Spielständen, Süßwaren, einer Pizzeria sowie Grill- und Getränkeständen.
„Neu ist in diesem Jahr das Zelt mit Kaffee und Kuchen“, sagt Bürgermeister Philipp Frank. Besonders ältere Besucherinnen und Besucher dürften dieses Angebot gern annehmen, ist er überzeugt.
Vor sechs Jahren wurde der Schlamermarkt um den Freitag erweitert – mit Erfolg. Seitdem erfreut sich die Veranstaltung wachsender Beliebtheit, auch die Besucherzahlen steigen kontinuierlich. Inzwischen gehört der Schlamermarkt fest zum Veranstaltungskalender der Region.
Für viele ehemalige Einwohner ist der Markt zudem Anlass, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Am Bierpilz oder an den Grillständen entstehen immer wieder Gespräche mit alten Bekannten. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich der Schlamermarkt zu einem beliebten Treffpunkt für alle Generationen entwickelt. Während die Kinder die Fahrgeschäfte nutzen, bleibt Eltern und Großeltern Zeit für Gespräche mit Freunden und Nachbarn.
Gefeiert wird traditionell bis in die späten Abendstunden. Am Sonntag klingt der Schlamermarkt meist etwas früher aus. ohe
Ein Volks- und Dorffest seit mehr als 200 Jahren
Schlamersdorf Der erste Schlamermarkt muss zwischen 1767 und 1806 stattgefunden haben, vermutlich jedoch inoffiziell schon früher. Im Jahr 1767 reichte das Segeberger Schuhmacheramt eine Beschwerde beim König ein. Anlass war ein unerlaubter Handel am Sonntag nach Fastnacht nahe der Tensfelderau.
Während die Gutsherren von Rohlstorf, Travenort und Kamp gegen diesen Handel vorgingen, duldete der Seedorfer Gutsherr das Marktgeschehen. Wie die königliche Verwaltung auf die Beschwerde reagierte, ist nicht überliefert. Möglich ist, dass Gutsherr Blome die Situation nutzte, um eine offizielle Konzession für einen Jahrmarkt zu beantragen.
Belegt ist, dass der Schlamermarkt im Jahr 1806 stattfand – damals am Donnerstag nach Johanni, also nach dem 24. Juni. Da dieser Termin häufig mit der Heuernte kollidierte, wurde der Markt im Jahr 1856 durch eine königliche Verordnung auf den 14. Juni vorverlegt. In diesem Jahr erreichte der Schlamermarkt seine Blütezeit: 61 Marktleute errichteten ihre Buden und Verkaufstische auf dem 1836 angelegten Dreiecksplatz in Schlamersdorf. Unter den Händlern befanden sich Drechsler, Optiker, Ellenwarenhändler, Mützenmacher, Galanteriewarenhändler und zahlreiche Schuhmacher.
Zwischen 1866 und etwa zur Jahrhundertwende diente der Schlamermarkt zusätzlich als Pferde- und Viehmarkt. ohe