Christa und Artur Wagner feiern Gnadenhochzeit
Wahlstedt „Wir haben viel gesungen und viel gelacht.“ Wenn Christa Wagner (89) auf ihre Ehe mit ihrem Mann Artur (93) zurückblickt, fasst sie sieben gemeinsame Jahrzehnte mit wenigen Worten treffend zusammen. Am Dienstag feierten die beiden Wahlstedter ihre Gnadenhochzeit und damit ihren 70. Hochzeitstag.
Eigentlich wollten sie diesen besonderen Tag im Kreis ihrer Familie und Freunde verbringen. Noch vor vier Wochen schmiedeten sie Pläne für die Feier. Doch dann änderte sich alles: Christa Wagner erlitt einen Schlaganfall und ist seitdem auf Hilfe angewiesen. Tochter Brigitte pflegt sie gemeinsam mit ihrem Mann Tom im eigenen Zuhause.
Für Artur Wagner ist die neue Situation nur schwer zu ertragen. An ihrem Hochzeitstag sucht er Trost in den Erinnerungen an ein langes gemeinsames Leben. Ein kleines Notizbuch trägt er seit Jahren bei sich. Zwischen Tankabrechnungen und Terminen finden sich darin immer wieder handgeschriebene Liebesbotschaften an seine Christa. Außerdem bewahrt er darin Zeitungsausschnitte auf. Einer davon sorgte selbst bei Schwiegersohn Tom Roloff für Überraschung: Er berichtet über die Gnadenhochzeit von Anton und Elisabeth Wagner – Arturs Eltern. Sie waren damals genau so alt wie Christa und Artur heute.
Kennengelernt haben sich Christa und Artur Wagner 1953 bei einem Tanzabend im Schützenhof Dill in Bad Segeberg. Gesehen hatte Artur seine spätere Frau allerdings schon vorher mehrfach in Daldorf. Nach ihrer Flucht aus Kolberg lebte Christa dort gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren vier Geschwistern. Am 28. Juli 1956 gaben sich die beiden in Bornhöved das Ja-Wort. Tochter Brigitte war zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre alt.
Über Jahrzehnte prägte Artur Wagner das kulturelle und sportliche Leben der Region. Als Schlagzeuger spielte er mit verschiedenen Kapellen auf unzähligen Tanzveranstaltungen. Gleichzeitig lief er als Mittelstürmer und Rechtsaußen für die erste Mannschaft des SV Wahlstedt auf. „Manchmal kam ich erst morgens um vier Uhr nach Hause und hatte am selben Tag noch ein Fußballspiel“, erinnert er sich schmunzelnd.
Christa Wagner denkt besonders gern an die Zeit zurück, als ihr Mann mit dem Fahrrad und seinem Schlagzeug auf einem Anhänger zu den Auftritten fuhr. „Ein Auto hatten wir nie“, sagt Artur Wagner. Beruflich arbeitete er 45 Jahre lang als Maschinenführer in den Glaswerken Wahlstedt. Christa kümmerte sich um die Familie und half zeitweise ebenfalls in der Glasfabrik sowie in der Glasbläserei in Trappenkamp aus.
Nicht alle Kapitel ihres gemeinsamen Lebens waren unbeschwert. Besonders schwer traf die Familie der Tod ihres 1960 geborenen Sohnes Fred. Heute schenken ihnen ihre vier Enkel Kolja, Mitja, Romina und Feline sowie die drei Urenkel Amelie, Anton und Oscar umso mehr Freude.
Mit ihren 20-Zoll-Fahrrädern waren Christa und Artur Wagner jahrzehntelang in der Region unterwegs. Trotz aller Gemeinsamkeiten ließen sie sich immer genügend Freiraum. Während Artur als Musiker und Fußballer viel unterwegs war, engagierte sich Christa im Hausfrauenbund, traf sich regelmäßig zum Häkelkränzchen und zog morgens ihre Bahnen im Wahlstedter Schwimmbad. „Sie war jahrelang die Erste im Schwimmbad“, erzählt ihr Mann mit einem Lächeln.
Natürlich blieb auch ihre Ehe nicht frei von Meinungsverschiedenheiten. „Wir haben uns auch mal in die Plünnen bekommen, uns aber immer schnell wieder vertragen“, sagt Artur Wagner.
Ein Vorbild für ihre gemeinsame Zukunft hatten die beiden von Anfang an: Arturs Eltern Anton und Elisabeth feierten ebenfalls ihre Gnadenhochzeit in Wahlstedt. Nun haben Christa und Artur Wagner dieses seltene Jubiläum selbst erreicht. Sie blicken auf 70 gemeinsame Ehejahre zurück – geprägt von Musik, Zusammenhalt, Schicksalsschlägen und vielen glücklichen Erinnerungen. ohe