Das Handwerk als Stabilitätsanker
Bad SegebergZum 47. Mal hat die Kreishandwerkerschaft Mittelholstein zum Neujahrsempfang eingeladen – erstmals in den Räumen des Autohauses Süverkrüp + Ahrendt in Bad Segeberg. Rund 120 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Schulen und Handwerk nutzten das Treffen für Austausch und Informationen. Gewohnt munter moderierte R.SH-Sprecher Carsten Kock.
Kreishandwerksmeister Lars Krückmann thematisierte die Energie- und Wärmepolitik, insbesondere das Heizungsgesetz. Die politische Kommunikation habe zu Verunsicherung bei Bürgern und Investitionszurückhaltung geführt – mit spürbaren Folgen für das Handwerk. „Die Energiewende gelingt nur mit dem Handwerk, nicht gegen das Handwerk“, betonte Krückmann. Verlässliche Rahmenbedingungen seien nötig. „Planungssicherheit ist kein Luxus, sondern Grundlage wirtschaftlichen Handelns“, unterstrich er.
Krückmann kritisierte die Schwarzarbeit als Schlag ins Gesicht ehrlicher Betriebe und forderte Schutz vor unfairem Wettbewerb sowie konsequente Kontrollen. Ein weiterer Dauerbrenner bleibe der Bürokratieabbau: „Selbst kleine Betriebe müssen sich inzwischen mehr mit Formularen als mit Kunden beschäftigen.“
Ein Schwerpunkt des Empfangs war die Infrastruktur als wirtschaftliche Lebensader für Mittelholstein. Die Wirtschaftsregion Hansebelt zwischen Hamburg und Kopenhagen, der zügige Weiterbau der A20 bei Bad Segeberg und die bessere Anbindung Norderstedts an die A7 seien entscheidende Standortfaktoren. Schlechte Verkehrsverbindungen bedeuteten geringere Produktivität, höhere Kosten und sinkende Attraktivität für Fachkräfte. „Handwerk und Mittelstand sind das Rückgrat unserer Region“, sagte Krückmann.
Ausbau der A20 im Fokus
In einer Podiumsdiskussion diskutierten der Unternehmer und Honorarkonsul der Republik Finnland Bernd Edgar Jorkisch, Bad Segebergs Bürgermeister Toni Köppen und Handwerkskammer-Präsident Ralf Stamer. Live zugeschaltet war Wirtschafts- und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Thema war der Ausbau der A20, dazu hielt Stamer fest: „Das wird uns allen guttun.“ Madsen betonte, beim A20-Ausbau in Bad Segeberg werde nichts mehr schiefgehen, für den Abschnitt stünden 550 Millionen Euro zur Verfügung. Jorkisch verwies auf ein langes Verfahren, dessen Startschuss nun endlich gefallen sei. Trotz europaweiter Ausschreibung profitiere auch das regionale Handwerk, betonte Stamer. Bürgermeister Toni Köppen ergänzte, der gesamte Kreis werde gewinnen, auch der Wohnungsbau. Der A20-Ausbau entlaste darüber hinaus die Stadt, Schwerlastverkehr und rund 15.000 Fahrzeuge täglich würden künftig außerhalb des Stadtgebiets geführt. Einen Termin für den Spatenstich gebe es allerdings noch nicht. Ralf Stamer bilanzierte: „Ich kenne kein Argument, warum wir die A20 nicht haben sollten.“
Feierliche Akzente setzte das Rahmenprogramm: Die Bundes- und Landessieger des praktischen Leistungswettbewerbs der Handwerksjugend Schleswig-Holstein 2025 wurden ausgezeichnet. Einen besonderen Moment erlebte außerdem Friseurmeisterin Ute Hansen aus Bad Segeberg: Die 80-Jährige erhielt für über 50 Jahre Meisterwürde den goldenen Meisterbrief. „Sie haben 50 Jahre Wirtschaftsgeschichte mitgestaltet und Ihre Treue zum Handwerk bewiesen“, würdigte der Kammer-Präsident ihr Lebenswerk. bry