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von Gerald Henseler

Alte Knickbäume sichern die Artenvielfalt

Knick mit Kirsche und Überhälter in Landschaft

Rendswühren. Mit einem neuen Modellprojekt wollen der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB), das Umweltministerium, der Kreis Plön und weitere Partner den Erhalt sogenannter Überhälter in Knicks fördern. Auf dem Hof von Rudolf Hopp in Rendswühren stellten die Beteiligten das Projekt vor und unterzeichneten die ersten Verträge.
Überhälter sind einzelne Bäume, die bei der regelmäßigen Knickpflege stehen bleiben und über Jahrzehnte zu stattlichen Eichen, Buchen oder Eschen heranwachsen. Sie prägen das Landschaftsbild und bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum.
SHHB-Vizepräsident Prof. Dr. Holger Gerth betonte die Bedeutung dieser Bäume: „Wir wollen für die nächste Generation Bäume als Überhälter stehen lassen.“ In den vergangenen Jahren seien vielerorts gerade die wertvollsten Bäume vor Erreichen des gesetzlichen Schutzstatus gefällt und als Hackschnitzel verwertet worden. „Da standen richtige schöne Knicks mit Überhältern. Auf einmal standen nur noch kleine Spargel da“, sagte Gerth.
Das Projekt setzt auf Freiwilligkeit. Landwirte verpflichten sich vertraglich, ausgewählte Bäume dauerhaft zu erhalten. Die Standorte werden digital erfasst, sodass auch bei der nächsten Knickpflege nachvollziehbar bleibt, welche Bäume geschützt sind. Für die Teilnahme erhalten die Betriebe eine finanzielle Förderung.
Staatssekretärin Katja Günther hob die ökologische Bedeutung der Überhälter hervor. Ein alter Knickbaum biete Lebensraum für bis zu 400 Tierarten. „Hier verbindet sich Artenschutz, Heimatpflege und Klimaschutz“, sagte sie. Alte Bäume seien wichtige Kohlendioxidspeicher und unverzichtbar für die biologische Vielfalt. Das Land unterstützt das Modellprojekt mit 109.000 Euro.
Dass der Kreis Plön als Modellregion ausgewählt wurde, kommt nicht von ungefähr. Nach Einschätzung der Projektpartner finden sich dort besonders viele gut gepflegte Knicks mit wertvollen Überhältern. Ziel ist es, innerhalb von eineinhalb Jahren zunächst 100 Bäume in das Förderprogramm aufzunehmen.
Knickbotschafter Heiner Staggen verwies auf die lange Tradition der Knickpflege in der Region. Der Betrieb von Rudolf Hopp sei ein Beispiel dafür, wie Überhälter über Generationen hinweg erhalten werden können. „Überhälter sind ein Generationenprojekt“, sagte Staggen. Bis ein Baum einen Stammumfang von zwei Metern erreiche, vergingen oft weit mehr als 100 Jahre.
Auch Naturschutzexperten unterstrichen den Wert alter Bäume. Ornithologin Stefanie Rickert verwies auf Spechte, Höhlenbrüter und zahlreiche weitere Vogelarten, die auf alte Bäume angewiesen seien. Fledermaus-Expertin Dorothea Albrecht erläuterte, dass Baumhöhlen, abgestorbene Äste und abplatzende Rinde wichtige Quartiere für Fledermäuse darstellen. Solche Strukturen ließen sich durch künstliche Nisthilfen nicht ersetzen.
Mit dem Modellprojekt hoffen die Initiatoren, den Bestand alter Knickbäume langfristig zu sichern und gleichzeitig die Leistungen der Landwirte für den Erhalt der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft stärker anzuerkennen. ohe