90 Jahre und kein bisschen leise: Singen hält Jürgen Lemburg fit
Bad Segeberg. Wer Jürgen Lemburg erlebt, merkt schnell: Das Singen ist für ihn weit mehr als ein Hobby. Es ist ein Stück Lebensfreude, Gemeinschaft und Lebenselixier. Am gestrigen Donnerstag hat der Bad Segeberger seinen 90. Geburtstag gefeiert. Seit mehr als sieben Jahrzehnten gehört seine Stimme zum Chorgesang, seit 1962 ist er Mitglied im Männerchor Bad Segeberg von 1840.
Gemeinsam mit 27 weiteren Sangesbrüdern bildet Lemburg unter der Leitung von Dorothea Dreessen die „älteste Boyband“ der Stadt, wie sich die Männer augenzwinkernd selbst nennen. Als erster Tenor übernimmt der Jubilar dabei die höchste Stimme. Und auch wenn er inzwischen 90 Jahre alt ist, denkt er nicht daran, kürzerzutreten.
Seine musikalische Reise begann bereits in der Kindheit im Kinderchor. Seit 1954 singt Lemburg aktiv in Chören. Als 17-Jähriger, bereits mit Stimmbruch, startete er als zweiter Tenor im damaligen Männerchor Liedertafel Concordia in Ahrensbök. Seit 64 Jahren ist nun der Männerchor Bad Segeberg seine musikalische Heimat als erster Tenor. Darüber hinaus singt er seit 25 Jahren im Bachchor unter der Leitung von Andreas Maurer-Büntjen. Bis zum vergangenen Jahr war er außerdem 18 Jahre Mitglied im Jubilate-Chor.
Auch als Chorleiter ist Lemburg aktiv. Seit 18 Jahren leitet er einen Chor im kleinen Ort Kaldrum in Mecklenburg-Vorpommern und fährt dafür alle zwei Wochen dorthin. Im Männerchor Bad Segeberg springt er als stellvertretender Dirigent ein, wenn Dorothea Dreessen verhindert ist.
Singen hält faltenfrei, pflegt der Ehrenvorsitzende des Männerchors, Hans-Heinrich Heinsen, immer zu sagen. Dass an diesem Spruch etwas dran sein könnte, beweist Lemburg eindrucksvoll. Der rüstige Jubilar ist zudem technisch versiert und kümmert sich als Webmaster um die Homepage des Chores. Als Elektrotechniker hatte er keine Berührungsängste mit Computern. Mit etwa 60 Jahren kam er durch einen seiner drei Söhne zu einem ausrangierten Computer und eignete sich das nötige Wissen selbst an. Heute nutzt er sogar ein Notenschreibprogramm, mit dem sich die Sangesbrüder neue Lieder vorab anhören können.
Doch was macht die Faszination des Singens für ihn aus? „Der Chor hält zusammen und verbindet“, sagt Lemburg. Diese Gemeinschaft habe ihn auch in schwierigen Zeiten getragen. Nach einem Schicksalsschlag mit seiner Frau im Jahr 2008 habe der Chor ihm Halt gegeben. Und auch heute, nach dem Schlaganfall seiner Lebensgefährtin, erlebe er diese Unterstützung.
Neben dem gemeinsamen Singen gehören deshalb auch Fahrten und Reisen zur Chorgemeinschaft. Für Lemburg ist das Singen ein Jungbrunnen: Es halte fit, trainiere Lunge und Herz-Kreislauf, baue Stress ab und fordere das Gedächtnis. Vor allem aber mache es einfach Spaß. kf