50 Jahre Seniorenclub „Hol di jung“: Gemeinsam statt allein
Groß Niendorf. Geselligkeit, gemeinsames Erleben und ein fester Platz im Dorfleben – dafür steht der Seniorenclub „Hol di jung“ in Groß Niendorf seit 50 Jahren. Am Freitag, 2. Oktober, feiert der Club das Jubiläum mit Mitgliedern und geladenen Gästen. Gegründet wurde der Club 1976 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Friedrich Beckmann.
Beckmann wollte älteren Menschen im Dorf einen Treffpunkt bieten und sie aus der häuslichen Einsamkeit holen. Besonders alleinstehende Frauen gehörten damals zu den ersten Mitgliedern. Der ehemalige Lehrer Walter Baumann übernahm den Aufbau des Clubs und wurde erster Vorsitzender. Rund 50 Menschen schlossen sich bereits zur Gründung an – für das damals deutlich kleinere Groß Niendorf eine beachtliche Zahl.
Von Anfang an trafen sich die Mitglieder am ersten Donnerstag im Monat. Zunächst kamen sie in der Gaststätte Rickert zusammen, tranken Kaffee, aßen Kuchen und spielten anschließend Gesellschaftsspiele. Dazu kamen Ausflüge, Wanderungen, Film- und Diavorträge, Vorträge sowie gemeinsame Fahrten in die nähere Umgebung. Auch Theaterbesuche in Lübeck und Hamburg gehörten zeitweise zum Programm.
Vieles hat sich in den fünf Jahrzehnten verändert. Der Monatsbeitrag, der zu Beginn zwei D-Mark betrug, ist bis heute bewusst niedrig geblieben. 30 Euro jährlich kostet die Mitgliedschaft jetzt. Die Zahl der Mitglieder schwankte im Laufe der Jahre erheblich. Zeitweise waren es nur 16, heute gehören 39 Frauen und Männer zum Club. „Das Treffen ist das Wichtigste“, die erste Vorsitzende Heidlind Meins. Denn inzwischen stehen weniger Karten- und Gesellschaftsspiele im Mittelpunkt. Kaffee trinken, erzählen und gemeinsam Zeit verbringen, ist für viele wichtiger geworden.
Den heutigen Vorstand bilden Heidlind Meins als erste Vorsitzende, Marita Wagner als zweite Vorsitzende, Kassenwartin Ute Kluckert und Schriftführerin Silke Rickert. Die vier Frauen kümmern sich um das Monatsprogramm und organisieren unter anderem Tagesfahrten, Frühstückstreffen, Grünkohlessen, Grillnachmittage und die traditionelle Erntedankfeier. Bei dieser bringt jedes Mitglied Erzeugnisse aus dem eigenen Garten mit.
Eine besondere Bedeutung haben die Tagesfahrten. Sie gehören für viele Mitglieder zu den Höhepunkten des Jahres. Die Ausflüge bieten Gelegenheit, gemeinsam einen Tag außerhalb des Dorfes zu verbringen. Gerade für ältere Menschen, die nicht mehr selbst Auto fahren, sind solche Angebote wichtig. Zuletzt war ein Reisebus ausschließlich mit Mitgliedern des Seniorenclubs und einigen Gästen gefüllt.
Auch der Wandel im Dorfleben beschäftigt den Club. Einkaufsmöglichkeiten und andere Treffpunkte sind weniger geworden, gleichzeitig leben in Groß Niendorf viele ältere Menschen, die auf Gemeinschaft angewiesen sind. Der Seniorenclub bietet ihnen die Möglichkeit, Kontakte zu pflegen und regelmäßig andere Menschen zu treffen.
Das Jubiläum am Freitag, 2. Oktober, soll deshalb nicht nur an die vergangenen 50 Jahre erinnern, sondern vor allem ein gemeinsames Fest werden. Nachmittags stehen Kaffee und Torte auf dem Programm. Ein Musiker begleitet die Feier mit Akkordeonmusik. Später gibt es ein gemeinsames Abendessen. Eingeladen sind neben den Mitgliedern auch Vertreter der örtlichen Vereine.
Der Blick zurück fällt dabei auch auf die Anfänge des Clubs. Noch heute bewahren die Vorstandsmitglieder alte Fotos, Chroniken und handschriftliche Protokolle auf. Das erste Buch aus der Gründungszeit dokumentiert die Geschichte des Vereins. Die handschriftlichen Aufzeichnungen machen sichtbar, wie sich der Seniorenclub und das Dorfleben über fünf Jahrzehnte verändert haben.
Trotz aller Veränderungen ist eines geblieben: Der Seniorenclub „Hol di jung“ versteht sich als Treffpunkt, an dem Gemeinschaft zählt. „Wir hoffen, dass es noch ein bisschen weitergeht“, sagt Heidlind Meins. Die derzeitige Größe mit 39 Mitgliedern empfinden die Frauen als passend. Zugleich wünschen sie sich, dass auch künftig weitere Groß Niendorfer ab 60 Jahren den Weg zum Seniorenclub finden. ohe