Aus dem Geschäftsleben

Handwerk will noch mehr um den Nachwuchs werben

von Heike Hiltrop

Kammerpräsident Günther Stapelfeldt (li.) und Kreishandwerksmeister Michael Kahl (re.) gratulierten Siegfried Jessen und seiner Frau Margitta zum Goldenen Meisterbrief.

Bad Segeberg (hh). Ordentlich was los war beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein im Vitalia Seehotel. Vor 130 Gästen aus Politik und Wirtschaft führte R.SH-Moderator Carsten Kock kurzweilig durch den Vormittag. Der wurde für Malermeister Siegfried Jessen aus Seth zu einem besonderen Moment, denn der 74-Jährige wurde mit dem goldenen Meisterbrief geehrt. Feierlich überreichte der demnächst scheidende Kammerpräsident Günther Stapelfeldt die Schmuckurkunde hinter Glas. Sie stehe nicht nur dafür, dass Jessen seit 50 Jahren als Meister seinem Handwerk diene, sondern sich hier auch seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert. Engagement zeigte auch die Handwerksjugend beim Leistungswettbewerb. Gleich fünf mittelholsteinische Junggesellen gehören zu Schleswig-Holsteins Spitze. Sie ernteten ebenfalls kräftigen Applaus, aber auch Geldpreise.

Die Nachwuchswerbung ist einer der Schwerpunkte. Das wurde während der Veranstaltung deutlich. Die Auftragsbücher seien voll, so Kreishandwerksmeister Michael Kahl: „Aber ich wünsche mir, dass wir mehr Jugendliche gewinnen können, die ein Handwerk erlernen wollen.“ Das Handwerk tut viel im Kampf gegen Fachkräftemangel: Ferienaktionen für Jungen und Mädchen, Kooperationen mit Schulen, die Jugendliche mit Innungsbetrieben zusammen bringen beispielsweise. Es gibt das Modellprojekt „Azubi-Workshop Praxis in Schule“ mit Innungsbetrieben und Schülern des BBZ Segeberg. Im März ist die erste „Lehrstellenrallye Handwerk“ angesetzt, von der sich die Kreishandwerkerschaft ebenfalls viel verspricht. „Ich möchte nicht wissen, wie unsere Ausbildungszahlen heute aussehen würden, wenn wir vor zehn Jahren nicht unsere große Ausbildungskampagne gestartet hätten“, erinnert Günther Stapelfeldt. Ebenso wichtig wie der Nachwuchs sei es, die Betriebsnachfolge zu regeln, mahnte er und erinnerte daran, dass die Chefs in 35 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbereich älter als 55 Jahre seien.

Gleichzeitig lobte er das geplante Meisterstipendium, von dem man hoffe, dass es seinen Teil zur Sicherung von Betriebsnachfolge leisten werde. Von Moderator Carsten Kock auf eine Benotung der allgemeinen Situation angesprochen, gab es von Kreishandwerksmeister Michael Kahl eine Zwei plus. Als ein Problem nannte er jedoch die florierende Schattenwirtschaft. „Es wäre schön, wenn auch Segeberg eine Gruppe bekäme, die die Schwarzarbeit bekämpft.“

Ein anderes Problem stelle das bürokratische Vergabeverfahren dar. Es sei gelungen, das Verfahren so kleinteilig und hoch kompliziert zu machen, dass da keine Ingenieure mehr dran arbeiten, sondern Rechtsanwälte, kritisierten Kahl, Stapelfeldt und Thorsten Freiberg, der Präsident vom Verein Handwerk Schleswig-Holstein. Die Gäste stimmten zu und zeigten dem Bürokratismus die Rote Karte.

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