Aus dem Geschäftsleben
Gülle im Dorf

Existenzschutz durch die richtige Absicherung von Umweltrisiken

von gelieferte Meldung

Marlis Stagat, Bezirkskommissarin der Provinzial Versicherung in Bad Segeberg

Bad Segeberg (em). Was passiert eigentlich, wenn ein Behälter mit einem umweltschädlichen Stoff wie zum Beispiel Mineralöl, Diesel oder, so wie vor einer Woche in Strenglin, mit Gülle Leck schlägt oder gar platzt. Erst einmal funktionieren Feuerwehr, Nachbarschaft, Helfer oder eine ganze Dorfgemeinschaft excellent und sorgen Hand in Hand dafür, dass nicht ein noch größerer Schaden entsteht.
Doch spätestens kurz nachdem der erste Schock verkraftet ist, fragen sich alle, wer zahlt nun den Schaden? Wer ist dafür verantwortlich? Marlis Stagat, Bezirkskommissarin der Provinzial Versicherung in Bad Segeberg, hat Antworten. Idealerweise trägt eine Versicherungsgesellschaft den Schaden, denn in solch einem Fall, ist man schnell deutlich im sechsstelligen Bereich. Damit die Versicherungsgesellschaft die Regulierung übernimmt, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Seit der Einführung des Umweltschadengesetzes (UschadG) sind die Eigentümer solcher Anlagen auch rechtlich verpflichtet Schäden, die an Flora und Fauna, Gewässer und Boden entstehen, zu ersetzen. Damit sind zwei Aussagen getroffen: Erstens ist grundsätzlich der Eigentümer verschuldensunabhängig haftbar zu machen. Zweitens müssen auch die Kosten unter anderem für die Wiederansiedelung einer Tierart nach einem Umweltunfall getragen werden (Biodiversität), getragen werden. Davon unberührt bleiben Regressansprüche, die aufgrund eines Verschuldens entstehen.
Neben den Schäden an Dritten (zum Beispiel an Nachbargebäude) und den Kosten für die Wiederherstellung der Umwelt kommen noch alle weiteren Kosten für die Schadenbeseitigung, -minderung und Kosten für die Schadenermittlung (zum Beispiel Bodenproben) hinzu. Hierbei sollte man einen eventuellen Eigenschaden, wie den eigenen Boden oder die Hofpflasterung, nicht unbeachtet lassen. Was sollte mal also berücksichtigen, wenn man einen Behälter mit umweltgefährdenden Stoffen auf dem Grundstück hat?
Hier rät die Spezialistin für Risikomanagement, Marlis Stagat, unbedingt zur Überprüfung des bestehenden Versicherungsschutzes. Gerade weil verursacher­unabhängig eine Haftung besteht, sollten Eigentümer, die Gebäude vermietet oder Betriebe verpachtet haben, sich unbedingt für eine sogenannte Verpächterhaftpflichtversicherung entscheiden.
Derjenige, der die Anlage befüllt oder betreibt, sollte ebenfalls für ausreichenden Versicherungsschutz sorgen, da er bei nachgewiesenem Verschulden (zum Beispiel Missachtung von  Füllstand oder Sicherheitsvorkehrungen) haftbar zu machen ist. In der Landwirtschaft ist das grundsätzlich durch eine landwirtschaftliche Betriebshaftpflichtversicherung geregelt. Je nach Anbieter gibt es unterschiedlichen Basisschutz mit der Möglichkeit zu erweitern. Man sollte also genau darauf achten, dass auch die durch das Umweltschadengesetz manifestierten Ansprüche gedeckt sind. Zur Sicherheit sollten die Deckungssummen großzügig gewählt werden. Die Lage der Anlagen, wenn sich ein See oder Fluss in unmittelbarer Nähe befindet, kann das Risiko stark beeinflussen. Oftmals ist die Wahl der höheren Versicherungssumme nicht wesentlich teurer. Der Versicherungsschutz sollte auch den Eigenschaden umfassen.
Den Betroffenen ist zu raten,  sich auf alle Fälle durch ihren Versicherungsspezialisten informieren zu lassen. Wichtig ist das Erfassen aller bestehenden Risiken und der jeweiligen Eigentumsverhältnisse. Im privaten Bereich ist es ganz einfach: Da gehört dem Gebäudeeigentümer auch der Öltank. Im betrieblichen Bereich gibt es oft aus den unterschiedlichsten Gründen mehrere Firmen und somit unterschiedliche Eigentumsverhältnisse. Betriebsinhaber sollten besonders bei Versicherungspolicen, die sämtlichen Versicherungsschutz umfassen (Allriskpolicen), darauf achten, dass mündlich zugesagte Mitversicherungen der weiteren Firmen dokumentiert sind.
Besteht kein oder ein nicht ausreichender Versicherungsschutz, haftet der Eigentümer beziehungsweise Verursacher mit seinem gesamten Vermögen, inklusive aller zukünftigen Vermögen. Die Schadenhöhe ist nicht voraussehbar oder kalkulierbar. Die Wahl eines falschen Versicherungsschutzes, kann also schnell existenzbedrohend sein.

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