Aus dem Geschäftsleben

Ein Netz – und das Risiko von Infektionen sinkt

von gelieferte Meldung

Michael Glahn und Dr. Krister Kuhnhardt (re.) nach der Operation.Foto: Segeberger Kliniken

Bad Segeberg (em). Pro Jahr erhalten weltweit 1,5 Millionen Patienten ein aktives Herzrhythmusimplantat, wie einen Herzschrittmacher oder Defibrillator. Michael Glahn ist einer davon. Der 61-jährige wurde nach einer lebensbedrohlichen Infektion seines gesamten Schrittmacher-/Defibrilatorsystems in die Segeberger Herzklinik überwiesen. Die Ärzte hatten dort um sein Leben gekämpft, weil durch die Infektion Bakterien über das Blut in den gesamten Körper gelangt waren. Doch ohne einen Defibrillator, den er nun in Bad Segeberg erhalten hat, wäre er nicht mehr vor Herzrhythmusstörungen geschützt. „Es belastet mich sehr, immer mit der Angst zu leben, dass ich durch meinen Defibrillator in eine lebensbedrohliche Situation komme. Ich bin daher sehr froh, dass wir jetzt mit dem Antibiotikanetz die große Chance haben, dass ich von weiteren Infektionen verschont bleibe“, sagt er.
Michael Glahn gehört damit laut Statistik zu den vier Prozent der Patienten, die eine Infektion entwickeln. Hier im Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken war es nun sein zweiter Eingriff. Dabei steigt mit jedem Aggregatwechsel das Infektionsrisiko zusätzlich an. „Das kann für den Patienten lebensbedrohlich sein. Denn liegt eine Systeminfektion vor, muss das gesamte Schrittmachersystem explantiert werden. Das geht erfahrungsgemäß mit einer erhöhten Sterblichkeit einher“, sagt Dr. Krister Kuhnhardt, Schrittmacherexperte in der Klinik für Kardiologie und Angiologie.
Mit dem bioresorbierbaren Netz (kurz TYRX genannt), in dem der Herzschrittmacher wie in eine Tasche hineingelegt wird, lässt sich das Risiko einer Infektion minimieren. Über einen Zeitraum von etwa sieben Tagen setzt das Netz Antibiotikawirkstoffe frei, bevor es nach etwa neun Wochen vom Körper abgebaut ist. Nach einer jüngst erschienenen ersten weltweiten Studie verringert sich dadurch das Risiko von Implantatinfektionen um bis zu 40 Prozent. Kuhnhardt ist Spezialist auf dem Gebiet der Schrittmacherimplantationen und implantiert in der Klinik für Kardiologie und Angiologie alle gängigen Systeme. „Ich freue mich sehr, dass wir diesen gefährdeten Patienten nun einen deutlich besseren Schutz anbieten können.“
Michael Glahn hat nach seinem zweiten Aggregatwechsel erstmal einige Jahre Ruhe, bis er routinemäßig mit einem neuen System versorgt wird. Er hofft, in diesem Zeitraum von dem verbesserten Schutz durch das Antibiotikanetz zu profitieren und keine Infektion zu entwickeln.

Diesen Beitrag teilen:

Zurück