Aus dem Geschäftsleben

„Bürger müssen beim Einbruchschutz aktiv werden“

von Harald Prädel

Für die Opfer eines Einbruchs ist die Tat ein Schock, den sie nur schwer verarbeiten können. Foto: Initiative „Nicht bei mir“

Bad Segeberg (hap). Die dunkle Jahreszeit, behauptet der Volksmund, sei die hohe Zeit der Einbrecher. Die Realität sieht anders aus. Die Täter schlagen immer öfter auch am hellichten Tage zu, wie die Erfahrungen der Kriminalpolizei belegen. Im Kreis Segeberg wurden nach der aktuellsten verfügbaren Statistik im Jahr 2015 insgesamt 832 Wohnungseinbrüche registriert. Davon waren 321 so genannte Tageswohnungseinbrüche – mehr als 38,5 Prozent. Und die Zahl der Einbrüche steigt. Das Delikt, so ein Polizeisprecher, sei „insgesamt ein zunehmendes Problem“.
Im Vergleich mit 2014 stieg die Zahl der im Kreis Segeberg registrierten Wohnungseinbrüche in 2015 um 9,2 Prozent oder 70 Fälle. Um insgesamt 35,4 Prozent nahmen sogar die Tageswohnungseinbrüche zu. Der Gesamtschaden, der durch diese Delikte kreisweit entstand, wird von der Kriminalpolizei auf rund 2,3 Millionen Euro geschätzt – etwa 700.000 Euro mehr als ein Jahr zuvor.
Experten raten Haus- und Wohnungsbesitzern daher dringend, den Schutz der eigenen vier Wände zu verbessern. „Die Bürger müssen aktiver werden und lernen, dass sie beim Einbruchschutz selbst tätig werden müssen. Inves­titionen in mechanische Tür- und Fenstersicherungen sowie Alarmanlagen zahlen sich aus und schützen bestmöglich vor Einbrechern“, sagt Dr. Helmut Rieche, Vorsitzender der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir“, ein Arbeitskreis von Fachverbänden der Elektro- und Sicherheitsbranche sowie dem Programm Polizeiliche Kriminalprävention von Bund und Ländern.
Denn Tatsache ist, dass sich die Täter von entsprechenden Schutzeinrichtungen abschrecken lassen. So belegen Zahlen der Kripo, dass mehr als 40 Prozent der versuchten Einbrüche wegen Einbruchschutztechniken vorzeitig abgebrochen werden. Denn kommt ein Täter nicht innerhalb von zwei bis fünf Minuten in die Wohnung, gibt er auf.
Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen lassen sich Wohnhäuser und Wohnungen vor ungebetenen Gästen schützen. Das beginnt in der Regel mit Fenster-, Terrassen- oder Balkontüren, die potenziellen Einbrechern meist keinen ausreichenden Widerstand leisten.
Geprüfte einbruchhemmende Fensterbeschläge in Verbindung mit abschließbaren Fenstergriffen verbessern den Schutz.
Auch Haus- und Wohnungstüren sollten einbruchhemmend ausgerüstet sein. Denn viele Außentüren lassen sich nach Erkenntnissen der Polizei schon allein mit körperlicher Gewalt – also ohne Einbruchwerkzeug – leicht überwinden. Der Rat: Türrahmen am besten mechanisch stabil mit dem Mauerwerk verbinden, mit speziellen Sicherungen lassen sich die Türbänder gegen Aufhebeln sichern. Schwache Türblätter, meist bei Wohnungseingangstüren verwendet, sollten verstärkt oder gegen Vollholztüren getauscht werden. Dank innovativer Funk- und Digitaltechnik lassen sich Wohnungen heutzutage auf ebenso einfache wie effiziente Weise vor ungebetenen Gästen sichern. Sogar vom Smartphone aus können Immobilienbesitzer mittlerweile überprüfen, ob während ihrer Abwesenheit Einbrecher in Haus oder Wohnung eingedrungen sind.
Kabellose Alarmanlagen, die via Funk gesteuert werden, kombinieren die so genannte Fallen- und Außenhautüberwachung: Bei der Fallenüberwachung wird der Alarm, zum Beispiel durch Infrarot- oder Ultraschall-Bewegungsmelder, ausgelöst, wenn der Täter in das Haus oder die Wohnung eingedrungen ist. Bei der Außenhautüberwachung werden durch Kontaktmelder Türen und Fenster auf Öffnen und Durchbruch überwacht. Bei Gefahr geht über die Telefonleitung eine Meldung an die Einsatzzentrale einer Sicherheitsfirma oder es wird ein Sirenenalarm ausgelöst.
Die so genannte Smarthome-Technik erlaubt es, die eigenen vier Wände mit Hilfe von WLAN-Videokameras zu überwachen, die über ein Netzwerk mit dem PC verbunden sind. Die Kameras kontrollieren laufend Außenbereich oder Wohnräume. Über eine App wird das System mit dem Internet verbunden, so dass die Bilder jederzeit via Smartphone oder Tablet-Computer weltweit abgerufen werden können. Die Technik macht es sogar möglich, dass der Haus- oder Wohnungseigentümer per E-Mail über Bewegungen in den überwachten Räumen informiert wird. Vor unbefugtem Zugriff auf die übermittelten Daten lassen sich neue Systeme durch eine Verschlüsselung bei der Übertragung und ein persönliches Pass­wort schützen.

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