Aus dem Geschäftsleben

Bei Nortex wird keine Ware vernichtet

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Das Mode-Center Nortex in Neumünster.Foto: hfr

Neumünster (em). Die Lager sind voll, der Verkauf ist marginal: Viele Unternehmen in der Mode-Branche stehen in der Pandemie vor besonderen Herausforderungen. Ein Aspekt trifft besonders die Fast-Fashion-Verkäufer: Ihre schnelle Mode, die derzeit kaum verkauft werden kann, wird binnen weniger Wochen unattraktiv auf dem Markt. Doch die Ware zu spenden, würde die Unternehmen viel kosten – in der Folge wird fabrikneue Bekleidung oft vernichtet. Nortex geht einen anderen Weg.

„Wenn ein Bekleidungsteil nicht passt oder defekt ist und deshalb umgetauscht wird, kann es nicht mehr als neu verkauft werden“, erläutert Kai Nortex, Geschäftsführer des Modehauses Nortex in Neumünster. Die Teile seien aber mit wenig Aufwand wiederherzustellen und könnten Bedürftigen gerade jetzt in der kalten Jahreszeit helfen: „Wir möchten die Kleidung gerne spenden. Das ist aber der teuerste Weg, weil wir dann die volle Mehrwertsteuer auf den Verkaufspreis abführen müssen. Wir lösen dies im Moment, indem wir teils dennoch spenden, teils einen sehr niedrigen Verkaufspreis ansetzen“, so Först.  

Damit geht das Modehaus einen anderen Weg als viele Mitbewerber in der Textilbranche: Wegen der hohen Kosten landen dort jeden Tag viele Tausend Kleidungsstücke ungetragen auf dem Müll. Jacken, Hosen, Pullis – die Mode, die derzeit bei den Händlern kaum verkauft werden kann, wird im großen Stil vernichtet. Das betrifft nicht nur Retouren und Kleidung mit leichten, reparierbaren Defekten, sondern auch einwandfreie Neuware: Vernichten ist günstiger als Verschenken.

„So etwas machen wir aus Prinzip nicht“, sagt Kai Först mit Nachdruck. „Das wäre nicht vereinbar mit unserer Wertschätzung gegenüber den Ressourcen der Erde, unserer Verantwortung für kommende Generationen. Und auch unserer Achtung vor der Leistung von vielen Menschen, die dafür sorgen, dass unsere Kunden hochwertige Bekleidung bei Nortex kaufen können: dazu zählen nicht nur kreative Modedesigner, fleißige Schneiderinnen und Näherinnen, sondern ganz besonders unsere Berater vor Ort.“  

Das Modehaus verkauft aktuell auf allen möglichen Kanälen, etwa über WhatsApp, via Internet und per Telefon. „Der Lockdown ist natürlich eine große Herausforderung, weil wir im Moment weniger verkaufen“, so Först. Im Anlassbereich fehlen demnach die Hochzeiten, Familienfeiern und Jubiläen. Im Freizeitbereich sehe das schon anders aus: „Besonders Hosen sind im Augenblick der Renner. Figurveränderungen während des Lockdowns haben uns sogar einen kleinen Umsatzsprung beschert“, schildert der Geschäftsführer.

Spenden oder nicht: Von dieser Frage sind bei Nortex insgesamt zwar einige Hundert Bekleidungsstücke im Wert von mehreren 10.000 Euro betroffen, doch das ist weitaus weniger als anderswo. Warum ist das so? „Unsere Kunden kaufen bei uns nachhaltige Bekleidung, die sie gern auch über einen längeren Zeitraum tragen. Solch eine Jacke kauft man nicht alle sechs Wochen, nur weil ein Designer eine neue Farbe erfunden hat – die trägt man länger“, erläutert Först. Hochwertige Bekleidung sei waschbar, bequem und sehe auch nächstes Jahr noch sehr gut aus. „Deshalb ist es nicht schlimm, wenn die passende Jacke erst in ein paar Wochen ihren neuen Besitzer findet.“

Außerdem habe der firmeneigene Einkauf rechtzeitig Absprachen mit den überwiegend europäischen Markenherstellern treffen können: Deshalb finde sich bei Nortex derzeit vor allem Ganzjahres- und Übergangsware. Kai Först: „Das sind alles Teile, die man in Schleswig-Holstein immer braucht. Eine deichfeste Jacke, ein kuscheliger Pullover und natürlich hochwertige Unterwäsche, Socken und Hosen – das sind die Renner der Saison! In den nächsten Wochen kommen dann die aktuellen Frühjahrsfarben.“

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