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Manuela Krüger will zurück in eine eigene Wohnung

Wie viel darf Inklusion kosten?

von Gerald Henseler

Manuela Krüger, hier mit ihrem Freund Enrico Santonocito, sucht nach einer barrierefreien Wohnung. Zur Zeit hat sie ihren Hausstand eingelagert und lebt aus Kartons. Foto: ohe

Bad Segeberg (ohe). Aufgeben ist für Manuela Krüger keine Option. Im Alter von 17 Jahren erlitt sie einen schweren Schicksalsschlag. „Eine Zyste im Kleinhirn beendete mein Leben als fröhlicher Teenager“, erzählt die heute 46-Jährige. Sie fiel 14 Tage lang in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Als sie wieder erwachte war sie komplett gelähmt und musste voll beatmet und künstlich ernährt werden. Manuela Krüger kämpfte sich zurück ins Leben. Im mecklenburgischen Maltzow bei Parchim wohnte sie in einem kleinen Häuschen. Doch im August des vergangenen Jahres konnte der regionale Pflegedienst ihre Betreuung nicht mehr sicherstellen. „Es mangelte an Pflegefachkräften“, sagt Manuela Krüger.
Sie ist rund um die Uhr auf Intensivpflege angewiesen. Trotzdem möchte sie sich mit einer eigenen Wohnung etwas Selbstständigkeit und Privatsphäre bewahren. Doch dieser Herzenswunsch ist derzeit nur ein Traum.
Vor einem Jahr bezog sie zwei Zimmer in dem ehemaligen Haus Diana in Seedorf. Das Pflege-Notfallteam (PNT) wollte nach Schließung des Seniorenheims dort eine Pension für Pflegebedürftige einrichten. Doch das scheiterte. Daher lebt Manuela Krüger jetzt im Levo-Park. Dort hat PTN seinen Verwaltungssitz und ein Zimmer mit Krankenbett und Schreibtisch. Ihr Hab und Gut hat Manuela in Kartons und einem Einkaufswagen untergebracht. Ihre Medikamente und medizinische Hilfsmittel stehen in einem Nachbarraum. Dort leben auch ihre beiden Nymphensittiche. So oft es geht ist Manuela Krügers Freund Enrico Santonocito bei ihr zu Gast. Er schläft dann auf einer Matratze auf dem Fußboden.
Beide hatten schon eine geeignete Wohnung für Manuela Krüger gefunden. „Sie hat nur einen Fehler. Sie ist für das Sozialamt unangemessen, zu groß und zu teuer“, sagt Manuela Krüger. Für sie als Rollstuhlfahrerin ist sie ansonsten perfekt. Sie sehnt sich nach einem eigenen Bad, Platz für eine Waschmaschine und einer Küche.
„Aus amtsärztlicher Sicht ist der Wunsch nach einer großen Wohnung bei Frau Krüger zwar nachvollziehbar, es gibt derzeit aber medizinisch keine Notwendigkeit, dass Frau Krüger aus der jetzigen Wohnstatt mit sichergestellter ambulanter Intensiv-Pflege ausziehen müsste.“ Das schreibt der Segeberger Amtsarzt Dr. Boris Friege in einem Gutachten.
Manuela Krüger hat Ulrich Mildenberger vom Pflegestützpunkt des Kreises Segeberg und Cornelia Brosche-Bruhns von der Lebenshilfe in Bad Segeberg um Unterstützung bei ihrem Anliegen gebeten. Das medizinische Gutachten ist für Mildenberger nur die eine Sache. Man müsse auch ein soziales Gutachten erstellen“, fordert der Leiter des Pflegestützpunktes.
Dass geeignete barrierefreie Wohnräume in Bad Segeberg rar sind, steht für alle außer Frage. „Über Inklusion wird viel geredet, doch getan wird dafür zu wenig“, meint die Teilhabeberaterin der Lebenshilfe Cornelia Brosche-Bruhns.

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