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Welle der Hilfsbereitschaft rührt Oeringer Familie zu Tränen

von Gerald Henseler

Rücken als Familie ganz dicht zusammen: Jessica Behrens und Jan Martin mit den Kindern Theo (Mitte), Karlo und Bella. Sie können wieder lachen und sind froh, die Brandnacht überlebt zu haben. Allen Helfern und Spendern sind sie unendlich dankbar für die H

Oering (kf). Die Nacht nach dem Oeringer Vogelschießen vom 15. auf den 16 Juni 2019 wird die Patchwork-Familie um Jessica Behrens und Jan Martin mit den Kindern Theo (10), Karlo (9) und Bella (5) wohl nie vergessen. Ein Kurzschluss in der Gefriertruhe der Garage verursachte einen Brand, der über den Holzunterschlag auf das Wohnhaus übergriff.
Während Jan Martin im Anschluss an das Vogelschießen im Ort noch auf ein Bier bei Freunden auf der Terrasse saß, schlief seine Frau mit den drei Kindern bereits zuhause im Obergeschoss des Wohnhauses. Die Männer bemerkten Brandgeruch und Jan Martin hörte das Geräusch des Brandmelders. Dann realisierte er, dass es seine eigene Garage war, die brannte und rannte so schnell er konnte nach Hause. Dabei verlor er seinen Haustürschlüssel.
Bei der Feuerwehr ging der Notruf kurz vor Mitternacht ein, da waren die Männer vor Ort schon dabei, die Haustür einzutreten, um Frau und Kinder aus dem brennenden Haus zu retten. Diese hatten im Tiefschlaf nichts bemerkt, obwohl der Rauch über die Zwischendecke und die Steckdosen sich bereits in den Zimmern verbreitet hatte. „Als mein Mann uns schreiend und klopfend weckte, war schon alles schwarz und heiß“, erinnert sich Jessica Behrens. Über das Treppenhaus verließ sie mit den Kindern das Haus, da explodierten in der Garage schon die Gasflaschen. „Wir hatten solche Angst und sind barfuß in Schlafanzügen über die Straße einfach nur weggelaufen“, erzählt Jessica Behrens, die auch heute noch mit den Tränen zu kämpfen hat. „Wir haben alles verloren, jetzt kann ich nachempfinden, wie es Menschen nach dem Krieg geht“, sagt sie.
Gleichzeitig sind Jan Martin und Jessica Behrens aber froh, dass sie alle diese schreckliche Nacht überlebt haben. Was alles hätte passieren können, wurde der Familie erst später bewusst, als die Feuerwehrleute sagten: „Fünf Minuten weiter und es wäre zu spät gewesen.“ Glücklicherweise haben auch beide Hunde den Brand überlebt. Der große war gleich aus dem Haus gelaufen, den kleinen Mischling Bailey fand die Kripo am nächsten Tag verängstigt aber unversehrt unter der Küchenbank.
Eine Woche lang hat die Familie bei Freunden und ihren drei Kindern gewohnt, die sie mit Kleidung und dem Nötigsten versorgt haben. Gleichzeitig begann im Dorf eine Welle der Hilfsbereitschaft, von der die Familie einfach nur überwältigt ist. Bürgermeister Bodo Nagel bot der Familie eine Wohnung in Sülfeld an, ebenso Thomas Groth vom Wirtshaus Oering. Über Facebook wurden Kontakte hergestellt und der Familie ein ganzes Haus in Oering zur Miete angeboten. Dort zog die Familie, die immer noch unter Schock stand, dann ein. Freunde gründeten eine Whats-App-Gruppe mit knapp 30 Leuten und organisierten das Aus- und Einräumen sowie diverse Renovierungsarbeiten am neuen Heim. „Die haben einen Schlüssel deponiert und vor und nach der Arbeit gestrichen, Fußleisten eingebaut und das komplette Haus eingerichtet“, sagt Jessica Behrens diesmal mit Tränen der Rührung.
Es wurden sämtliche Spenden gesammelt, von Arbeitskollegen und vielen Privatpersonen, im Kindergarten und Schule, diverse Firmen spendeten unter anderem Schulsachen, Kosmetikartikel, Kleidung, Spielsachen und vieles mehr. „Wir haben Einkaufsgutscheine erhalten und die Kinder wurden zu Ausflügen eingeladen. Mein Mann hat wieder ein komplett eingerichtetes Arbeitszimmer und dank des TuS StuSie haben wir auch wieder eine Waschmaschine und Trockner“, sagt Jessica Behrens, die sich auf diesem Wege bei allen Helfern und Spendern von ganzem Herzen bedanken möchte. „Wir sind zu Tränen gerührt über so viel Hilfsbereitschaft“, sagt sie und fügt an: „Leider können wir uns nicht bei allen persönlich bedanken, es sind einfach zu viele“.
„Die Brandnacht hat aber auch etwas mit uns und den Kindern gemacht. Wir haben erfahren, dass das Materielle ersetzbar ist und man auf vieles verzichten kann, wenn man muss. Was wirklich zählt, sind unsere Gesundheit und unsere Freunde, die zur Familie geworden sind“, so Behrens. Nicht ersetzt werden können leider die persönlichen Dinge, wie Fußballpokale, Urlaubserinnerungen und Fotos. Selbst da haben Freunde geholfen und Bilderrahmen mit ihren Fotos zusammengestellt. „Wir leben jetzt wie in einem Ferienhaus. Wir haben wieder alles und müssen jetzt langsam heimisch werden“, erklärt Jessica Behrens. „Wir sind so dankbar und warten gespannt, was die Versicherung jetzt zahlt.“ Denn irgendwann will die Familie, dort wo jetzt die Brandruine steht, wieder ein schönes Eigenheim bauen.

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