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Nachgedacht: Kolumne von Inge Schlüter

Wann ist eine Lehrkraft fähig?

von Inge Schlüter

Was lese ich: „Neuer Streit zwischen Gymnasiallehrer-Gewerkschaft und dem Bildungsministerium“. Meine erste Frage dazu: Wenn es ein „neuer“ Streit ist, was war nochmal der „alte“? Meine zweite Frage: Worum geht’s?
Die „Jungen Philologen“, das sind die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, die sich zielgenau für die Interessen der Gymnasiallehrkräfte einsetzen, stören sich daran, dass an Gemeinschaftsschulen die Oberschülerinnen und -schüler teilweise von Lehrkräften ohne Oberschulen-Befähigung auf das Abitur vorbereitet werden.
Das geht natürlich gar nicht in dieser – wie ich aus dem Internetauftritt der „Jungen Philologen“ entnehme – „bildungspolitischen schwierigen Zeit“.
Mir stellt sich wieder eine Frage: Tragen sie vielleicht erheblich zu dieser bildungspolitischen schwierigen Zeit bei?
Zugegeben, was sich genau und im Einzelnen hinter einer Oberschulen-Befähigung verbirgt, weiß ich nicht. Ich habe auch heute keine Zeit mehr, das für diese Kolumne zu eruieren. Ich ahne aber, dass es für das, was ich sagen will, keine nennenswerte Rolle spielen wird: Meiner Meinung und meinen Erfahrungen nach hat die Befähigung, Schüler zu begeistern und ihnen etwas beizubringen, nur bedingt mit dem Studien-Werdegang und der daraus resultierenden beruflichen Qualifikation zu tun. Was nicht heißen soll, dass ich eben erwähnte Qualifikation in Frage stelle. Sie scheint mir aber von sekundärer Bedeutung.
Ist nicht dort, wo Lehrkräfte und Lernende aufeinandertreffen, etwas ganz anderes entscheidend?
Wenn ich mich an meine damalige Lieblingslehrerin, Frau M.-H., erinnere, und wenn ich meine Kinder nach ihrer besten Lehrkraft frage, dann qualifizieren sich Menschen – was ja Lehrkräfte auch sind –, die über Fähigkeiten verfügen, welche durch kein Studienfach der Welt erlangt werden können.
Ich stelle abschließend noch zwei Fragen in den Raum, beziehungsweise in die Zeitung: Was bringen uns Oberschulen-befähigte Lehrkräfte, wenn ihre Reaktionen in Konfliktfällen vereinzelt dem Reifegrad eines Grundschülers entsprechen? Und wo ist das Problem, wenn eine Lehrkraft zwar über keine Oberschulen-Befähigung verfügt, aber in der wunderbaren Lage ist, für Elft- oder Zwölftklässler ein Lernklima zu schaffen, welches das Beste aus ihnen herauszuholen vermag?

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