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Ehrenamtliche Schiedspersonen sollen nachbarschaftlichen Streit schlichten

Vertragen statt klagen

von Dirk Marquardt

Eva Schneider-Stork und Andreas Noske gehören zu den ehrenamtlichen Schiedspersonen im Amt Trave-Land. Sie sollen nachbarschaftlichen Streit schlichten. Foto: mq

Bad Segeberg (mq). Gründe gibt es viele, warum sich Nachbarn streiten. Mal wächst die Hecke zu hoch, mal haben die Kinder etwas angestellt oder der Hund nervt durch sein lautes Gebelle. Bevor eine Klage beim Amtsgericht landet, hat der Gesetzgeber das Schlichtungsverfahren vorgeschaltet. Ehrenamtliche Schiedspersonen haben dabei die Aufgabe, zwischen den Parteien zu vermitteln und wenn möglich, eine freiwillige Einigung zu erzielen. So soll das friedliche Miteinander wieder hergestellt werden.
Eva Schneider-Stork aus Klein Gladebrügge und ihr Stellvertreter Andreas Noske aus Weede gehören zu den zehn Personen, die vom Amt Trave-Land für das Schiedsamt eingesetzt wurden. Sie sollen in ihrem Bezirk 4 in den Ortschaften Bahrenhof, Bühnsdorf, Dreggers, Klein Gladebrügge, Neuengörs, Schieren, Stipsdorf, Traventhal, Wakendorf I und Weede in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten und Strafsachen vermitteln.
„Wir richten nicht und sind auch keine Rechtsberatung“, stellt Eva Schneider-Stork klar. Die Aufgabe des Schiedsamtes sei es, die Parteien zum Gespräch zu bitten. Zuvor mache man sich vor Ort ein Bild von der Situation, die zum Streit geführt hat. Anschließend erfolgt die Ladung der Parteien. „In dem Gespräch, das wir grundsätzlich im Gebäude des Amtes Trave-Land führen, werden die Probleme erörtert. Gemeinsam soll eine Lösung gefunden werden, die in einem Protokoll festgehalten wird“, sagt Andreas Noske. „Vertragen statt klagen“, lautet die Devise, nach der die Schieds­personen handeln. Dabei ist Neutralität wichtig. „Die Leute sind in solchen Gesprächen emotional sehr angefasst. Jeder will natürlich Recht haben. Wir hören zu und sorgen dafür, dass es friedlich und sachlich bleibt“, sagt Eva Schneider-Stork.
Andreas Noske ist erst im März vereidigt worden und hat sich ganz bewusst für dieses Ehrenamt entschieden. „Ich habe den Aufruf im Gemeindeblatt ,Uns Dörper’gelesen“, sagt Noske. „Das ist eine sehr sinnvolle Einrichtung. In einem persönlichen Gespäch lassen sich Probleme am besten lösen“, sagt der 45-Jährige, der Lust auf dieses Amt hat und dabei von der Erfahrung von Eva Schneider-Stork profitiert. Regelmäßige Schulungen sorgen zudem dafür, dass die Schiedspersonen gut gerüstet ihr Amt versehen.
Eva Schneider-Stork ist schon seit 2013 im Amt. Sie wundert sich immer wieder über eine Tatsache. „Viele Menschen warten viel zu lange, manchmal jahrelang, um einen schwelenden Streit zu schlichten, bis die Situation dann plötzlich eskaliert“, sagt die ehemalige gesetzliche Berufsbetreuerin. „Je mehr Zeit vergeht, desto mehr verhärtet sich der Konflikt“, rät Eva Schneider-Stork dazu, das Schiedsamt zu nutzen und rechtzeitig Hilfe der Ehrenamtlichen in Anspruch zu nehmen.
Übrigens: Wen man als Schiedsmann oder -frau in seinem Heimatort ansprechen kann, erfahren Interessierte in den Amts- oder Stadtverwaltungen.

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