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Karl-May-Spiele engagieren Experten für Musicals und Freilichtbühnen

Ulrich Wiggers übernimmt die Regie

von Gerald Henseler

Ulrich Wiggers will mehr Tempo in die Karl-May-Spiele bringen. Foto: hfr

Bad Segeberg (em). Mit neuem Regisseur gehen die Karl-May-Spiele Bad Segeberg in ihre 69. Saison: Ulrich Wiggers inszeniert im Sommer 2020 den Abenteuer-Klassiker Der Ölprinz. Der Wahlberliner ist ein gefragter Experte für aufwändige Theaterproduktionen wie Musicals und Freilichtaufführungen. Jüngst feierte in Magdeburg seine Version des Klassikers Die drei Musketiere von Alexandre Dumas mit Musik von Rob und Ferdi Bolland eine umjubelte Premiere.

Ulrich Wiggers ist bei den Karl-May-Spielen der Nachfolger von Norbert Schultze jr., der im Sommer 2019 nach insgesamt 23 Jahren seinen Abschied nahm. Der neue Regisseur brennt darauf, Karl Mays Fantasiewelt lebendig werden zu lassen. „Die Bühne am Kalkberg ist ein Traum“, sagt er. „Hier zu inszenieren, ist eine spannende Aufgabe. Die Karl-May-Spiele besitzen eine große Tradition. Ich bin mir aber sicher, dass ich die eine oder andere neue Facette entdecken oder herausarbeiten kann.“ Sein Ziel ist, den Spielen zusätzliches Tempo zu verleihen und alle Möglichkeiten der 360 Grad bespielbaren Open-Air-Bühne auszunutzen.

„Mit Ulrich Wiggers haben wir einen Regisseur gewinnen können, der die ganz besonderen Gesetze einer Freilichtbühne kennt“, sagt Karl-May-Geschäftsführerin Ute Thienel. „Ich bin sehr glücklich, dass wir ihn gefunden haben und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“ Nach den ersten Arbeitstreffen lasse sich bereits feststellen, dass das Team gut harmoniert und es ein reizvoller Weg wird, das ganz besondere Flair der Karl-May-Spiele mit neuen Ideen zu verbinden. Ute Thienel: „Das Stück Der Ölprinz ist einer der ganz großen Karl-May-Klassiker. Die Zuschauer können sich auf ein spannendes Abenteuer mit vielen lieb gewonnenen Figuren freuen. Unser neuer Regisseur wird mit seiner großen Erfahrung für neue Akzente sorgen.“ Grundlage seiner Regiearbeit ist seine jahrzehntelange Arbeit als Schauspieler.

Ulrich Wiggers stammt aus Oldenburg. Seine Ausbildung zum Schauspieler absolvierte er an der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen. Im Anschluss arbeitete er an den Schauspielhäusern in Düsseldorf, Bremen, Essen und Bochum. Ebenso spielte er im Theater an der Wien, im Theater des Westens in Berlin.

Er trat in Welterfolgen wie „Ein Käfig voller Narren“, „Les Misérables“, „Tanz der Vampire“ auf. Beim Musical „Mamma Mia!“ mit den Hits von ABBA spielte er bei der deutschen Uraufführung die Rolle des Sam, die im Film von Pierce Brosnan verkörpert wird. In der englischsprachigen internationalen Produktion ging er als Bill auf Tournee durch Europa.

Neben seinen Engagements auf der Bühne dreht er auch für Film und Fernsehen – dort hat es ihm vor allem die Spannung angetan. Besonders häufig tritt er in Krimis und Actionserien auf. Dazu zählen Tatort, Ein Fall für zwei, Polizeiruf 110“, Alarm für Cobra 11 – die Autobahnpolizei, Die Rettungsflieger, Großstadtrevier, Küstenwache, Wolffs Revier, Schwarz-Rot-Gold, „OKO Wismar und Medicopter 117. Auch in Praxis Bülowbogen und In aller Freundschaft war er zu sehen. In den ZDF-Dokumentationen Die Deutschen und Alles oder Nichts verkörperte Ulrich Wiggers den legendären Preußen-König Friedrich der Große.

Doch Ulrich Wiggers begann schon vor 15 Jahren, verstärkt auch hinter den Kulissen zu arbeiten. Speziell der Förderung junger Talente hat er sich verschrieben. Von 2004 bis 2014 war er Schauspieldozent im Fachbereich Musical an der Universität der Künste in Berlin. An der Joop van den Ende Academy in Hamburg leitete er von 2011 bis 2014 den Fachbereich Schauspiel.

Mittlerweile arbeitet Ulrich Wiggers nahezu ausschließlich als Regisseur – auf ein Genre lässt er sich dabei nicht festlegen: Schauspiel, Oper, Operette und Musical. Seine Inszenierungen umfassen so unterschiedliche Stoffe wie Die Buddenbrooks, Tod eines Handlungsreisenden, Arsen und Spitzenhäubchen, Von Mäusen und Menschen sowie Anna Karenina.

2013 landete er auf der Freilichtbühne Tecklenburg mit der Umsetzung des Bully-Herbig-Blockbusters Der Schuh des Manitu einen Riesenerfolg – übrigens mit Alexander Klaws in der Hauptrolle des Westmanns Ranger. An die Tecklenburger Bühne kehrt Ulrich Wiggers besonders gern zurück. Er inszenierte unter anderem Zorro“ Shrek, Saturday Night Fever und Artus – Excalibur. Weitere Regiearbeiten im Bereich Musical waren „Die Drei von der Tankstelle“, „Der Mann von La Mancha, Into The Woods, Cabaret, Hello Dolly!, My Fair Lady und The Rocky Horror Show.

Jüngst wurde er für seine Tecklenburger Freilichtfassung von Doktor Schiwago als bester Regisseur des Jahres 2019 mit dem renommierten Da Capo Musical Award ausgezeichnet. Diesen begehrten Preis erhielt Ulrich Wiggers bereits zum zweiten Mal in Folge. Im Vorjahr hatte er ihn für Les Misérables von Victor Hugo gewonnen.

In die Charaktere seiner Bühnenstücke denkt er sich tief hinein. „Wieso? Weshalb? Warum? Ich möchte es immer ganz genau wissen und versuchen, Handlungen, Motive und Menschen zu verstehen. Und ich möchte Geschichten erzählen, die Menschen berühren.“ Ulrich Wiggers versucht herauszufinden, was dem Autor und dem Komponisten wichtig war – und wie er dies auf der Bühne herausarbeiten kann. Zugleich möchte er seine persönliche Interpretation finden und seine eigene Fantasie „zwischen die Zeilen bekommen“. Gemeinsam mit den Schauspielern will er Momente schaffen, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. „Das ist ein ungeheuer spannender Vorgang.“

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