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Sülfeld stellte Gedenkstein für schottischen Piloten auf

von gelieferte Meldung

Sülfeld (em). Vor 70 Jahren, im Juni 1947, ereignet sich eine furchtbare Katastrophe im Tal der Norderbeste in Sülfeld. Dabei kam der 24-jährige Pilot der Royal Air Force, James Mason aus Schottland, ums Leben. Jetzt haben Kommune und Kirchengemeinde Sülfeld an dieses Schicksal des jungen Piloten  erinnert. Auf dem Friedhof  in Sichtweite des Absturzortes oberhalb des Tales ist ein Gedenkstein aufgestellt worden.
Die ganze Geschichte dieser Tragödie hat vor einiger Zeit der Vorsitzende des Kirchengemeinderates und zugleich Archivar der Gemeinde Sülfeld, Ulrich Bärwald, recherchiert. Er hat jetzt auch für diesen Gedenkstein gesorgt.
Kurz nach Kriegsende, die Royal Air Force sind als britische Besatzer Norddeutschlands auf dem Flughafen Lübeck-Blankensee stationiert, unternahmen drei Kampfjets der 266. Rhodesia Squadron mit ihren Gloster Meteor Maschinen von hier einen Übungsflug in Richtung Sülfeld – Borstel. In Höhe des Dorfes flog eine vierte Maschine von der Seite einen Scheinangriff auf das Geschwader. Dabei geriet die Maschine von Mason in den Abflugstrahl des Angreifers, es kam zu einem Strömungsabriss, seine Maschine geriet ins Trudeln, er konnte  sie nicht mehr abfangen. Um die drohende Katastrophe eines Absturzes über dem besiedelten Dorfgebiet von Sülfeld oder Tönningstedt zu verhindern, versuchte James Mason noch eine Notlandung im Tal der Norderbeste; bei dem moorastigen Untergrund hier misslang dieser Versuch jedoch, die Maschine ging vielmehr nach einem Knall am Boden in Flammen auf und versank sofort im Grund, zurück blieb eine riesige brennende Öl- und Kerosinlache.
Entgegen den bisherigen Annahmen wurden seinerzeit doch Trümmerteile geborgen und als wertvolles Altmetall von Dorfangehörigen verkauft. Bald gerät der Absturz jedoch in Vergessenheit. Erst um 2005  erinnert sich Bärwald an die Schilderungen der Altbäuerin Inge Studt aus Sülfeld und geht diesen Angaben nach.  So findet er nach einigen Suchen und Grabungen den Absturzort wieder, ist sich da aber nicht sicher, wann der Absturz war und ob es sich nicht um ein deutsches Düsenflugzeug handelte. Die genaue Auswertung der gefundenen Trümmer ermöglicht dann eine Zuordnung zu einem von der Royal Air Force dokumentierten Absturz 1947.
Nach vielfältigen Bemühungen Bärwalds, insbesondere bei den britischen Dienststellen, aber auch diversen Fachbehörden und nicht zuletzt mit tatkräftiger Unterstützung der Firma Kristian Draeger aus Kükels und dem Wege-Zweckverband findet im März 2006 die Öffnung der Absturzstelle statt. Hintergrund ist die anstehende Renaturierung des Tals der Norderbeste. Und tatsächlich können unter Leitung des Archäologischen Landesamtes Schleswig und unter Beteiligung  der britischen Botschaft Berlin sowie der Royal Air Force die sterblichen Überreste des Piloten James Mason geborgen werden, dazu seine Brieftasche, die Armbanduhr, die exakt zum Absturzzeitpunkt stehen geblieben ist, und jede Menge Flugzeugtrümmer aber auch noch scharfe  Munition der Bordwaffen.
Sodann wird die Fläche wieder eingeebnet. Wenige Wochen später findet unter militärischen Ehren die feierliche Beisetzung des Piloten James Mason auf dem militärischen Teil des Friedhofes Hamburg-Ohlsdorf statt. An dieser Beisetzung nimmt auch der Cousin des Verstorbenen aus Schottland teil, seine Schwester lebt in Australien. Von dem Verwandten erfährt Archivar Bärwald die ganze Geschichte des jungen Piloten James Mason und erhält sogar noch Fotos. Danach ist der tote Pilot 1923 in Stirling, Schottland, nördlich von Edinburgh geboren, lernt als Lebensmittelhändler. Er tritt 1942 in die Royal Air Force ein, kämpft als junger Offizier bis 1946 in Bophal in Indien,  bis ihn 1947 das Schicksal in Sülfeld trifft, kurz bevor er wieder ausgemustert werden will.
Sein beherztes Tun hat vor 70 Jahren eine Katastrophe für das Kirchdorf Sülfeld verhindert, ein Grund, auch nach so langer Zeit diesem jungen Opfer des Zweiten Weltkrieges heute in der Gemeinde mit einem Gedenkstein ein ehrendes Gedenken zu bewahren.

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