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Stolpersteine erinnern an die Tötung zweier psychisch kranker Brüder

66.000 Gedenksteine hat Künstler Gunter Demnig schon gesetzt. Jetzt fertigte er zwei Steine für die Brüder Johannes und Richard Wehde aus Stolpe. Foto: ohe

Stolpe (ohe). Was in den Urnen war, die ihr Onkel 1941 per Post geschickt bekam, kann Rosemarie Ehler nicht sagen. „Die Asche meiner Neffen war es bestimmt nicht“, mutmaßt die letzte Verwandte von Richard und Johannes Wehde. Die beiden Brüder waren am 9. Juli 1941 von den Nationalsozialisten Bernburg im Rahmen der T4-Aktion zur Vernichtung „unwerten“ Lebens ermordet worden.
Jetzt erinnern zwei Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an das Schicksal der beiden psychisch kranken Brüder. Im eisigen Wind versammelten sich Stolper Bürger an der Ecke Wiesenweg/ Wankendorfer Straße, um der beiden Brüder zu gedenken.  Rosemarie Ehler ging das so nah, dass ihr die Tränen über die Wangen kullerten. Aufgrund der Kälte, geriet die Gedenkfeier am einstigen Wohnort der Brüder kurz. Der Boden war so tief gefroren, dass Künstler Gunter Demnig nur den Platz markierte, an dem die Stolpersteine gesetzt werden sollen. Mitarbeiter des örtlichen Bauhofes werden die Steine mit den glänzenden Messingplatten nun in das Pflaster des Gehweges einbauen.
66.000 Stolpersteine hat Gunter Demnig bereits für Opfer des Nationalsozialismus gesetzt. In 21 Ländern sind sie zu finden. An die Tötung von Menschen mit Behinderungen erinnern nur wenige von ihnen. „In den Familien wurden diese Fälle meist totgeschwiegen“, sagt Gunter Demnig.
Auf das traurige Schicksal der Brüder Wehde stieß Theresia Künstler bei ihren Recherchen zur Stolper Chronik. Die Eltern der beiden Getöteten führten von 1933 bis 1944 ein Alten- und Pflegeheim in Stolpe. Sie hatten drei Söhne und zwei Töchter.

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