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Steuerrecht: Die wichtigsten Änderungen in 2017

von Harald Prädel

Nach der Rentenerhöhung im vergangenen Jahr sollten Ruheständler nachrechnen, ob sie eventuell einkommenssteuerpflichtig werden. Foto: Rechtsanwaltskammer Koblenz

Bad Segeberg (hap). Mit dem Jahreswechsel ändern sich oftmals auch zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Regelungen, die jeden Steuerzahler betreffen. Und das muss nicht immer zum Nachteil der Steuerpflichtigen sein. Vielfach besteht erhebliches Optimierungspotential, wie der Steuer-beraterverband Berlin-Brandenburg mitteilt. Hier die entscheidenden Änderungen auf einen Blick:
Abgabefristen
Auch im diesem Jahr endet die Frist für Steuerpflichtige, die gesetzlich zur Abgabe der Steuer­erklärung 2016 verpflichtet sind, am 31. Mai. Wird ein Steuerberater mit der Bearbeitung der Erklärung beauftragt, verlängert sich die Frist bis zum 31. Dezember. Steuerpflichtige, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind und diese freiwillig erstellen, haben noch länger Zeit. Ein Antrag auf Lohnsteuerjahresausgleich kann sich durchaus lohnen, wie der Steuerberaterverband erklärt. In den vergangenen Jahren lag die durchschnittliche Steuerrückerstattung bei knapp 900 Euro.
Steuerklassenwechsel
Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner, die auf ihre zu viel gezahlte Steuer nicht warten möchten, sollten prüfen, ob sich womöglich ein Steuerklassenwechsel lohnt. Bei deutlich unterschiedlichen Einkommen von Ehe- beziehungsweise Lebenspartnern ist es unterjährig steuerlich günstiger, wenn der Besserverdienende die Steuerklasse III und der Partner die Steuerklasse V wählt. In der Steuerklasse IV sollten Paare bleiben, wenn beide in etwa das Gleiche verdienen.
Anders kann die Handlungsempfehlung lauten, wenn der Partner mit dem geringeren Einkommen Lohnersatzleistungen zu erwarten hat. Hintergrund: Die Höhe des Arbeitslosengeldes orientiert sich an den Nettobezügen. Die Wahl der Steuerklasse III führt daher zu höheren Leistungen. Zwar muss der Besserverdienende in diesem Fall in der Steuerklasse V unterjährig höhere Steuerabzüge hinnehmen. Die zu viel gezahlten Steuern bekommt das Paar jedoch mit der Jahressteuererklärung erstattet.
Auch beim Elterngeld kann ein Wechsel in die Steuerklasse III sinnvoll sein. Dieser sollte jedoch von der Mutter mindestens sieben Monate vor dem Mutterschutz beziehungsweise vom Vaters spätestens sieben Monate vor der Geburt vollzogen werden. Dabei kommt es darauf an, wer das Kind überwiegend betreuen wird. Alleinerziehende, die allein mit ihrem Kind beziehungsweise ihren Kindern zusammenleben, sollten die günstigere Steuerklasse II beantragen.
Rentner
Eine Erhöhung gab es zuletzt auch bei den Renten. Zum 1. Juli vergangenen Jahres stieg das Rentenniveau im Westen um 4,25 Prozent und im Osten um 5,95 Prozent. Aber aufgepasst: Viele Rentner wurden durch diese Erhöhung bereits im Kalenderjahr 2016 steuerpflichtig.
Neben Sonderausgaben, wie haushaltsnahe Dienstleistungen oder Spenden, können jedoch unter anderem auch außergewöhnliche Belastungen, wie etwa Krankheitskosten, in Abzug gebracht werden und das steuerpflichtige Einkommen reduzieren. In diesem Fall sollten die Belege für diese Aufwendungen gesammelt werden. Sie sind gegebenenfalls als Nachweis beim Finanzamt einzureichen.    hap

Diebstahlschutz von der Steuer absetzen

Bad Segeberg (em). Deutsche Eigenheimbesitzer sind immer besser gegen Diebstahl geschützt. Zwar stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland 2015 laut der Tageszeitung „Die Welt“ stark an. Demnach wurden im vergangenen Jahr 167.136 Einbrüche erfasst. Gemäß der Gewerkschaft der Polizei scheiterten davon allerdings immerhin 71.300 Einbruchsversuche. Die Polizei führt das nicht zuletzt auf die verbesserte Sicherheitstechnik in deutschen Eigenheimen zurück.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich vor Dieben und Einbrechern zu schützen. Wenn sich Eigenheimbesitzer beispielsweise dazu entscheiden, einbruchhemmende Fenster, eine Alarmanlage oder Beleuchtung mit Bewegungsmeldern zu installieren, können die hierfür anfallenden Handwerkerkosten steuerlich geltend gemacht werden. So sind 20 Prozent der Kos­ten für Arbeitslohn, Fahrtkos­ten und Maschinenkosten absetzbar, bis zu einem Maximalbetrag von 1.200 Euro pro Jahr. Materialkosten können nicht abgesetzt werden.
Seit 2015 bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Eigenheimbesitzern Kredite und Zuschüsse an, wenn diese zur Finanzierung einbruchhemmender Baumaßnahmen verwendet werden. Wird ein zinsverbilligter Kredit oder ein Zuschuss in Anspruch genommen, wird eine Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen aber nicht gewährt. Es empfiehlt sich daher bereits vor der Maßnahme zu prüfen, ob ein zinsverbilligtes Darlehen, ein Zuschuss oder die Steuerermäßigung am günstigsten ist. Mehr Infos: www.lohi.de.

Kosten für Prüfarbeiten sind abzugsfähig

Die Ausgaben für Mess- und Überprüfarbeiten von Schornsteinfegern können heutzutage von der Steuer abgezogen werden. Foto: Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Bad Segeberg (hap). Der Frühling naht und damit die Zeit, das Zuhause wieder gründlich zu putzen. Bestimmte Gebäudeteile geben sich mit einem Frühjahrsputz jedoch nicht zufrieden – so zum Beispiel Schornsteine. Diese müssen Hausbesitzer teilweise mehrmals im Jahr von einem Profi kehren lassen. Gilt der Kaminkehrer gemeinhin als Glücksbringer, weil er früher Menschen vor Bränden und den Folgen verstopfter Schornsteine schützte, freuten sich bis vor Kurzem nicht alle Steuerpflichtigen über seinen Besuch. Denn für den vollständigen steuerlichen Abzug seiner Rechnung sahen viele schwarz.
Steuerermäßigung für
Schornsteinfegerarbeit
Der Präsident des Steuerberaterverbandes Schleswig-Holstein, Lars-Michael Lanbin, erklärt, dass nicht mehr nur für den Frühjahrsputz durch die Haushaltshilfe, sondern neuerdings auch für die Handwerkerrechnung des Schornsteinfegers eine Steuerermäßigung gewährt wird. Für letztere erweiterte das Bundesministerium der Finanzen auf Basis eines BFH-Urteils die Abzugsmöglichkeit. Bis 2015 beschränkte das Finanzamt den Abzug auf Kehr-, Reparatur- und Wartungsarbeiten. Prüfarbeiten waren nicht begünstigt. Diese Zeiten sind passé. Steuerpflichtige können zusätzlich die Aufwendungen für Mess- oder Überprüfarbeiten einschließlich der Feuerstättenschau geltend machen.
Auch Mieter können von der Steuerermäßigung profitieren. Die über die Nebenkostenabrechnung auf sie umgelegten Kos­ten für Schornsteinfegerleistungen sind ebenfalls berücksichtigungsfähig. Die vom Vermieter bezahlten Aufwendungen müssen aber aus der Jahresabrechnung hervorgehen oder durch eine Bescheinigung des Vermieters nachgewiesen werden.
Die Ermäßigung beträgt 20 Prozent der Arbeitskosten ein­schließlich der Fahrt- und Maschinenkos­ten, höchstens 1.200 Euro, die direkt von der Steuerschuld abgezogen werden kann. Dafür muss eine Rechnung vorliegen und die Zahlung auf das Konto des Leis­tungserbringers erfolgen. Die großzügigere Steuerermäßigung für den Besuch des rußigen Gesellen gilt für alle noch offenen Steuerjahre, so Lanbin.

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