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Sterben, Tod und Trauer aus der Tabuzone geholt

von Gerald Henseler

Die Schüler der 6b der Gemeinschaftsschule am Seminarweg zeigen die Sonne, die sie aus Freude-Strahlen entstehen ließen. Zum Thema Beerdigung und Bestattung haben sie Plakate mit Sarg oder Urne und tröstenden Worten gestaltet.Fotos: kf

Bad Segeberg (kf). „Der Tod gehört zum Leben dazu“, sagt Stine aus der Klasse 6b der Gemeinschaftsschule am Seminarweg in Bad Segeberg. Zusammen mit ihren 24 Klassenkameraden hat sie diese Erkenntnis aus dem Projekt „Hospiz und Schule“ gezogen. Mit Gina Krause (Koordinatorin) und den ehrenamtlichen Mitarbeitern Christine Rudolph, Sandra Kaack und Ines Knittel-Fahrmeier waren Mitarbeiter des Hospizvereins Segeberg dazu für drei aufeinander folgende Tage in den Unterricht gekommen, um in enger Absprache mit der Klassenlehrerin Ute Lassen-Gruchot mit den Schülern die Themen –Werden und Vergehen – Sterben und Tod – und – Traurig sein und Trösten – aus der Tabuzone zu holen.
Gemeinsam bemalten sie Trost­steine, gestalteten eine Trostkerze für das Klassenzimmer, führten offene Gespräche, sangen Lieder, machten eine Führung über den Friedhof und durften sogar einen Sarg und eine Urne in Augenschein nehmen, die das Bestattungsunternehmen Wohlert zur Verfügung stellte. Anhand einer Sonnenblume wurde ihnen der Kreislauf vom Werden und Vergehen erklärt. Eine Sonnenblume wächst aus einem Samen und muss erst sterben, damit aus ihr viele neue Samen entstehen.
„Vorher hatte ich Angst, mit der Trauer allein zu sein“, schildert Leni ihre Situation vor dem Projekt. Jetzt kann sie mit Freunden darüber reden. Moqeet (11) weiß ,wo man Hilfe bekommen kann. Diese Hilfe wurde den Schülern von einem jungen Erwachsenen angeboten, der zusammen mit einem jungen Team im Alter von 18 bis 23 Jahren mit unterschiedlichen Verlusterfahrungen die Online-Trauerbegleitung (www.trauerbegleitung-online-sh.de) im ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst „Die Muschel“ anbietet. „Dahin können wir eine E-Mail schreiben, wenn uns etwas bedrückt oder wir jemanden zum Reden brauchen“, wissen die Schüler jetzt.
Vor dem Friedhof hatte der elfjährige Helmke vorher Angst, nach dem Rundgang mit Pastorin Elke Hoffmann weiß er, dass es ganz unterschiedliche Gräber gibt. Dort liegen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg, aber auch junge Kinder, die manchmal erst ein halbes Jahr alt sind. „In Zukunft werde ich dort öfter mal hingehen“, sagt der Elfjährige und genauso will es die zwölfjährige Liv machen.
„Man muss beim Tod nicht nur traurig sein, sondern darf auch glücklich sein und schöne Geschichten über den Menschen erzählen“, sagt der 13-jährige Florian. Ebenfalls 13 Jahre alt ist Lena, die ganz stolz ihre bemalten Troststeine zeigt. Wenn jemand in der Klasse mal traurig ist, wollen die Schüler die Trostkerze anzünden, ihre Freunde beruhigen und sie auch mal ablenken, erzählt Svea (12). „ Die Kinder konnten sich im Klassenverband austauschen und wertvolle Unterstützung erfahren. Die Atmosphäre war durchaus entspannt und positiv, wir haben viel gesungen und gelacht“, sagt die Klassenlehrerin. Für sie verdient die ehrenamtliche Tätigkeit im Hospizverein allerhöchsten Respekt.

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