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Segeberger Schnapphähne lassen Geschichte lebendig werden

von Laura Greiner

Die Segeberger Schnapphähne vor der Wassermühle (v.li.): Jochen Saggau, Nils Hinrichsen, Maren Jöns, Gisela Krohn, Klein Rönnaus Bürgermeister Dietrich Herms, dahinter Jörg-Uwe Krohn, Jan-Hendrick Saggau und Gunnar Wriedt.Foto: lag

Klein Rönnau (lag). Was in der Vergangenheit Segebergs Geschichte und Entwicklung maßgeblich beeinflusst hat, soll heute nicht vergessen werden. Das hat sich die Reenactment-Gruppe Segeberger Schnapphähne zum Ziel gesetzt. Die zur Zeit sieben Mitglieder interessieren sich für die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges im Amt Segeberg und Umgebung, insbesondere für den dabei im Mittelpunkt stehenden Torstenson-Krieg, dem die Siegesburg auf dem Kalkberg zum Opfer gefallen ist. In zeitgenössischen und sehr detailgetreuen Kostümen wollen sie die Geschichte Segebergs auf lustige und spannende Art und Weise vermitteln und mit ihren Aufführungen das Interesse an der Vergangenheit und ihrem Bezug zur Gegenwart fördern.

Denn hätte es die damaligen Schnapphähne nie gegeben, würde die Siegesburg unter Umständen heute noch stehen. Wer weiß, vielleicht fänden dann Ritterspiele auf der alten Ruine statt. Die Schnapphähne waren während des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert frei agierende Kriegsknechte, die die einmarschierenden schwedischen Truppen in Schach halten wollten und aus dem Hinterhalt angriffen. Aber ein Herr von 16.000 Mann ist nicht so leicht von einer Freischärlergruppe zu besiegen und schließlich wurden zwei Schnapphähne gefangen genommen, auf die Siegesburg verschleppt und grausam hingerichtet. Ein weiterer Schicksahlsschlag folgte am 12. August 1644, als der schwedische General Torstenson die Siegesburg in Schutt und Asche verwandeln ließ. So nahm die Geschichte vor nun 375 Jahren ihren Lauf und soll auch heute unvergessen bleiben. Das wünschen sich Museumsleiter Nils Hinrichsen und seine Kameraden und wollen noch viel mehr Menschen für dieses so wichtige Stück Geschichte begeistern.

Nun traf sich die 2018 gegründete Gruppe in der alten Wassermühle in Klein Rönnau. Diese Idee, die Hinrichsen sehr begrüßte, kam von Klein Rönnaus Bürgermeister Dietrich Herms. Auch er möchte die Menschen, die sich bisher noch nicht für Segebergs Vergangenheit interessierten, auf diese spannende und wichtige Historie aufmerksam machen: „Die wissen ja nicht, was sie versäumen!“ Als historisches Artefakt der Nachkriegszeit hat die alte Wassermühle ihren Ursprung in der selben Zeit wie die Schnapphähne und sei einfach auch eine „tolle Kulisse“. Mühlen und Schnapphähne wiesen wohl damals viele Gemeinsamkeiten auf, nicht nur, dass beide ihren Ursprung auf dem Land hatten, genauso wie die Kriegsknechte seien auch die Mühlen „nicht unter sozialer Kontrolle gewesen“, so Hinrichsen. Bürgermeister Herms ist stolz auf die alte Wassermühle, ein Relikt vergangener Zeiten. Noch heute werde sie von einem Elektromotor angetrieben, erzählt er. Auch die Segeberger Schnapphähne sind angetrieben vom Wissensdurst und dem Willen, dieses Wissen auch zu übermitteln. „Mich interessiert die Geschichte dahinter und ich möchte sie weitererzählen!“, so Jan-Hendrik Saggau, der in der Gruppe einen Schankwirt darstellt. Mit der Intention, Segebergs Geschichte lebendig zu machen und zu erhalten, freuen sich die Schnapphähne auf kommende Veranstaltungen. Eine Aktion im Segeberger Umland wird bereits geplant, Einzelheiten sind noch geheim. Neue Mitglieder, die sich als „frecher Knecht“ den fünf Männern und zwei Frauen anschließen wollen, sind herzlich willkommen, müssen sich allerdings einem kleinen Aufnahmeritual unterziehen.

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