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Seedorfs Turmuhr tickt wieder richtig

Uhrmacher Thomas Kaiser ölt Seedorfs Turmuhr nach der Generalüberholung. Fotos: ohe

Seedorf (ohe). Die Lupe brauchte Uhrmacher Thomas Kaiser dieses Mal nicht. „Ich habe sogar Hammer und Meißel eingesetzt“, erzählt der Bad Segeberger. Das ist im Uhrmacherhandwerk selten, es sei denn, man repariert Turmuhren. Seit etwa einem halben Jahr lief die Turmuhr an Seedorfs Torhaus nicht mehr, schätzt Bürgermeister Gerd Lentföhr. Dass sie jetzt wieder richtig tickt, verdankt die Gemeinde Thomas Kaiser. 70 Stunden benötigte er, um Uhr- und Schlagwerk wieder flott zu machen. Jetzt schlägt die Glocke der Turmuhr wieder zu jeder halben und vollen Stunde.
1921 wurde die Turmuhr im westlichen Turm des Torhauses eingebaut. „Das war sicher nicht die erste Turmuhr“, vermutet Thomas Kaiser. Der Schacht für die beiden jeweils rund 25 Kilogramm schweren Gewichte scheint schon bei der Erbauung im Jahr 1583 mit eingeplant gewesen zu sein. Das zum Herrenhaus gewandte Zifferblatt war damals sicher kleiner. Das heutige verdeckt teilweise ein Fenster.
Als Thomas Kaiser die Turmuhr ausbaute, war das Uhrwerk total schwarz. Öl und Schmutz hatten es mit einem dicken Film überzogen. Mit Fettlösern und Hochdruckreiniger befreite der Uhrmacher die Mechanik vom Schmutz. Jetzt glänzen die Messingteile wieder. Lager und Zapfen drehte er ab. Hier hatten sich Rillen eingefressen.
Prüfen konnte Kaiser die Uhr erst nach dem Wiedereinbau in den Turm. Bei der Feinjustierung kam der Uhrmacher dann nochmals ins Schwitzen. Acht mal musste der Uhrmacher dafür die 70 Stufen der Wendeltreppe im Turm hoch- und runterlaufen. „Ich wurde zum Schluss immer langsamer“, sagt Kaiser.
Die Sanierungskosten trägt die Gemeinde Seedorf. Thomas Kaiser will in Zukunft ehrenamtlich regelmäßig nach der Turmuhr schauen und sie ölen. „In 20 bis 25 Jahren muss sie vermutlich nochmals überholt werden“, glaubt der Uhrmacher. Bis dahin sollte sie durchlaufen.
Dafür muss sie wöchentlich einmal aufgezogen werden. Das geschieht per Hand. Mit einer Kurbel  müssen die Gewichte für Uhrwerk und Schlagwerk nach oben geholt werden. „Das geht ganz schön schwer“, weiß Bürgermeister Gerd Lentföhr. Er springt ein, wenn der zuständige Gemeindemitarbeiter im Urlaub ist.
Die Umstellung auf die Winterzeit nahm am Sonntag Thomas Kaiser vor. „Am einfachsten ist es, die Uhr anzuhalten und das Pendel nach einer Stunde wieder anzustoßen“, sagt er. Bei einem Kaffee überbrückte er die Wartezeit.

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