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Schweinehalter in der Krise: Niedrige Preise und volle Ställe

von Gerald Henseler

Torsten Lange markiert Tiere für die Schlachtung. Er hat auf die Vermarktung über kleinere Schlachtereien gesetzt und daher noch Abnehmer. Foto: ohe

Ruhwinkel-Schönböken (ohe). Tobias Hasenbank hilft dem benachbarten Lohnunternehmer bei der Maisernte. „Eigentlich müsste er hier auf dem Hof sein“, sagt sein Onkel Torsten Lange. Doch sein Schweinezucht- und Mastbetrieb in Schönböken wirft zur Zeit kein Geld ab. Erst schlossen die Schlachtbetriebe wegen Corona-Erkrankungen. Dann verringerten sie aufgrund der Corona-Auflagen ihre  Verarbeitungskapazitäten. Und jetzt kommt auch noch das Exportverbot für Schweinefleisch aufgrund der Afrikanischen Schweinepest hinzu.

„Die Lage am Schweinemarkt ist dramatisch“, meint Werner Schwarz, der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein. Landwirte werden ihre schlachtreifen Schweine nicht los. Der Verband schätzt den Überhang auf derzeit 30.000 Tiere im Land. „Sie sind dringend auf Einnahmen angewiesen, halten und  füttern ihre Tiere jetzt aber erst einmal weiter“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bauernverbandes.

Torsten Lange hat noch Abnehmer für seine Schweine. Auf seinem Hof in Schönböken kommen die Ferkel zur Welt. Bis zur Schlachtung verlassen die Tiere seinen Betrieb nicht. Er schöpft die Kapazitäten seines Betriebes nicht voll aus. Deshalb, und weil er seinen Tieren mehr Platz, Raufutter sowie Spielzeug gewährt, erhalten seine Erzeugnisse das Tierwohl-Label. Einen Großteil seiner Schweine verkauft Torsten Lange an regionale Schlachtbetriebe wie die Fleischerei Einfeld in Negenharrie. Für Torsten Lange ist das ein besonderes Glück, weil die Fleischerei Einfeld ihm einen Mindestpreis von 1,50 Euro pro Kilo garantiert. „Das ist der Preis, den wir brauchen, um unsere Kosten zu decken“, sagt Lange. Aktuell liegt der Marktpreis nur bei 1,29 Euro pro Kilo. Dabei setzen die Schweinebauern jeden Tag zu.

Zwei Berufskollegen aus dem Bekanntenkreis von Torsten Lange haben bereits beschlossen, ihre Sauen nicht erneut zu belegen. Sie wollen die Schweinezucht aufgeben. Weil sein Neffe Tobias den Betrieb übernehmen möchte, kommt das für Torsten Lange und seine Frau Silke nicht in Frage. Ein Jahr lang müssten die Schweinebauern die schwierige Situation durchhalten. Danach würde sich die Lage verbessern. „Das hat unser Landwirtschaftminister Jan Philipp Albrecht erklärt“,  sagt Torsten Lange. Er hofft, dass der Recht hat.

Im Frühjahr, als Torsten Lange seine Sauen belegte, lagen die Schweinefleischpreise noch bei zwei Euro pro Kilogramm. Keiner konnte voraussagen, wie sich die Situation entwickelt. Zwischen Belegung und Verkauf vergehen auf dem Betrieb der Langes neun Monate. Eins steht für Torsten Lange fest: „Wenn das so weiter geht, gibt es in zehn Jahren in den Supermärkten kein Fleisch von Schweinen, die in Deutschland geboren wurden. Er appelliert an die Lebensmittelhändler, freiwillig mehr Geld für Fleisch von deutschen Landwirten zu zahlen.

Gerade hat sich Torsten Lange für 10.000 Euro eine neue Anlage gekauft. Die ist nötig, da er seine  männlichen Ferkel ab Januar nicht mehr ohne Narkose kastrieren darf. Schrittweise sieht die  neue Tierhaltungsverordnung weitere Veränderungen in den Schweinebetrieben vor. „Wir erfüllen die alle gern“, sagt Torsten Lange. Im Gegenzug müsse aber auch die Bezahlung für seine Erzeugnisse stimmen. Verbraucher bittet er beim Fleischer ihres Vertrauens oder an den Frischfleischtheken in den Handelsketten zu kaufen.

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