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Kolumne

Panzer aus Marzipan

Inge Schlüter

Panzer aus Marzipan – das ist einer der Vorschläge, die der Musiker Herbert Grönemeyer in seinem 1986 erschienenem Lied „Kinder an die Macht“ zum Bes­ten gab.
Immer wieder grübele ich dieser Tage über den Text nach. Nicht wegen des Marzipans, sondern wegen Aleppo und anderen Grausamkeiten. Ich versuche mir vorzustellen, wie es wäre – tatsächlich wäre – wenn Kinder zu bestimmen hätten, was und wie etwas auf dieser Welt „laufen soll“. Ich wäre sogar dankbar, wenn Kinder das übernähmen. Dann bräuchte ich ihnen als Erwachsener nicht mehr das zu erklären, was ich selbst nicht kapiere: Wieso fliegen unsere Urlauber im beheizten Großraumflugzeug an einen türkischen oder ägyptischen Pool, während es für Flüchtende in entgegengesetzte Richtung oft nur die lebensgefährliche Alternative Schlauchboot zu geben scheint?
Wieso wird mancherorts weiter geschossen, obwohl eine sogenannte Waffenruhe verhängt wurde? Für Kinder wäre es ein klarer Fall von „Spielstopp“ oder „Klippo“! Sicher gibt es auch unter Kindern Grobiane und Zimtzicken, aber wer die Absprachen sprengt, spielt nicht mehr mit. So einfach ist das!
Herbert Grönemeyer fasst es im besagten Lied so zusammen: „Gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht, was sie tun!“
Manchmal denke ich, dass er Recht hat!
Wie können Erwachsene neben all ihren „Berechnungen“ dafür Sorge tragen, dass auf dem Weg zum Großwerden die unbeirrbare und kindliche Klarheit nicht verloren geht?
Sollten nicht wir, die auf unserem Flecken der Erde mit so vielen Dingen beschenkt sind, sensibel darauf achten, dass sich das scheinbar alles regierende Geld nicht wie eine zähe und lähmende Masse über die Mitmenschlichkeit legt?
Sie, die Mitmenschlichkeit, ist meines Erachtens lebensverschönernd und deshalb steht auf meinem Wunschzettel – nicht nur für die kommenden Tage – ein friedvolles Miteinander und meinetwegen auch – ich zitiere Herbert Grönemeyer: Armeen aus Gummibärchen, Erdbeereis auf Lebenszeit und natürlich Panzer aus Marzipan!

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