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Kleine Gärten sind wieder voll im Trend: Ökologische Insel in der Stadt

von Gerald Henseler

Tim Lembke ist neu in der Kleingartenkolonie. Der Garten soll für ihn zum Rückzugsort werden. Fotos: ohe

Bad Segeberg (ohe). Im Garten von Tim Lembke gibt es noch viel zu tun. Erst seit einer Woche hat er den 400 Quadratmeter großen Kleingarten in der Kolonie Seeland in Bad Segeberg. „Wir haben lange nach einem Garten gesucht. Es war nicht einfach, einen zu finden“, sagt Tim Lembke. Über persönliche Beziehungen hat er von dem freien Garten in der Kolonie im Norden Bad Segebergs erfahren.

Das 400 Quadratmeter große Grundstück soll für ihn und seine Familie sowie die Hunde ein Rückzugsort werden. Vor dem Winter will er jetzt die Beete vorbereiten und die Laube auf Vordermann bringen. „Einiges kann auch so bleiben“, meint Tim Lembke.

114 Kleingärten gibt es in der Kolonie Seeland. Und keiner gleicht dem anderen. Nur eine Bedingung müssen alle Kleingärtner hier erfüllen: Auf einem Drittel ihrer Gartenfläche müssen sie Gemüse oder Obst anbauen. Manche machen dies ganz akkurat und lassen Unkraut keine Chance. Andere lassen Wildkräutern ihren Raum. Ein Rentnerehepaar aus Bad Segeberg ist am liebsten wochentags und an den Vormittagen im Kleingarten. „Dann haben wir hier unsere Ruhe“, sagt die Kleingärtnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie hat gerade die letzten Möhren geerntet, ihr Mann zerkleinert den Heckenschnitt. „Wir ernähren uns fast ausschließlich aus unserem Garten“, sagt sie. Für die Wintermonate haben sie vieles eingekocht oder zu Marmelade verarbeitet. „Das schmeckt viel besser als aus dem Supermarkt“, sind sie sich einig.

Eine Zeit lang hatten die Kleingärtner Ärger mit Kaninchen und Wildtieren. „Jetzt ist das Gartengelände komplett gut eingezäunt“, sagt der Hobbygärtner. Auch im Winter, wenn es im Garten nicht viel zu tun gibt, kommt das Rentnerpaar gern in den Garten. Dann wickeln wir uns hier auf der Terrasse in dicke Wolldecken und schauen den Vögeln und Eichhörnchen zu“, sagt die Kleingärtnerin. Auf Strom verzichten sie bewusst ganz. Andere haben sich Solarmodule auf das Laubendach gebaut und produzieren ihren eigenen Strom. Das Wasser wird im Winter abgestellt.

Colard Koster ist der Obmann der Kolonie Seeland. Ihm macht es Spaß, soviel wie möglich aus seinem Garten herauszuholen. Mit einer Frucht pro Beet und Jahr gibt er sich nicht zufrieden. Vier bis fünf verschiedene Saisonfrüchte baut er zeitlich nacheinander an. Porree und verschiedene Kohlsorten erntet er bis in den Winter hinein. Koster experimentiert gern. Auf seinen 15 rechteckig angelegten Beeten baut er gern alte Obst- und Gemüsesorten an. Die liefern oft nicht ganz so viel Ertrag wie moderne Züchtungen. Dafür schmecken sie meist besser. Davon ist auch das Rentnerehepaar überzeugt. Besonders bei den Erdbeeren setzen sie ganz auf alte Sorten.

Die Pächter der 114 Kleingärten der Kolonie sind so bunt gemixt wie ihre Gärten. Viele Zuzügler aus fremden Ländern haben ihre Gartenkultur mit in die Anlage eingebracht. Für Colard Koster macht das den besonderen Reiz der Kolonie aus. „Wir sind hier eine kleine ökologische Insel“ sagt Koster. Einige Gärtner sind auch Imker und haben ihre Bienenvölker in den Gärten stehen.

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