Aktuelles
Kantorinnenwechsel in Nahe

Ihr letzter Akkord wird lange nachklingen

von Katja Lassen

Sybille Brodersen

Nahe (kf). In der Naher Kirchengemeinde werden musikalisch zukünftig neue Töne angeschlagen. Denn Sybille Brodersen geht nach 45 Jahren als Kirchenmusikerin, davon 22 Jahre in Nahe, in den Ruhestand. Von dem sie hofft oder fürchtet, so sicher ist sie sich da noch nicht, dass es ein Unruhestand wird.

Die 65-jährige Kantorin ist in Henstedt-Ulzburg zuhause. Die Kirchengemeinde in Nahe sei nicht bloß ihr Arbeitgeber, sondern vielmehr ihr zweites Zuhause. Dort habe sie sich sehr wohlgefühlt. „Ich habe das Vertrauen von Pastor Ekkehard Wulf und Pastorin Susanne Hahn genossen, die mir sehr viel Entscheidungsfreiheit gelassen haben“, sagt sie.

Das Gefühl, sich jetzt beruflich zu verabschieden, beschreibt sie als unwirklich und komisch. „Obgleich ich ja nicht wegziehe, ich werde Gottesdienste privat besuchen, vielleicht im Kirchencafé helfen und auch gern mal einspringen, wenn musikalische Hilfe gebraucht wird. So war es auch als ich 1998 hier anfing“, sagt Sybille Brodersen. Gern erinnert sie sich neben dem Musizieren im Gottesdienst an wunderschöne Konzerte groß und klein, von denen das Weihnachtsoratorium 2003 ihr persönliches Highlight war. Sybille Brodersen hat ihr Handwerk nach eigenen Angaben von der Pike auf gelernt. Zunächst die klassische Kirchenmusik an der damaligen Musikhochschule in Hamburg, heute Hochschule für Musik und Theater, studiert. Sie spielt Orgel und Klavier und hat für sich als Sopranistin die Liebe zum Gesang entdeckt und mit einem Gesangsdiplom ausgebaut. Ihre große Liebe war immer die Chorarbeit in der Kirchengemeinde. Die durch Corona leider ein abruptes Ende fand. Ebenso wie die Messe zum 25-jährigen Kirchweihfest, die leider ausfallen musste. Die hatte sie schon musikalisch geplant. Zum Abschied schenkte ihr der Chor ein dickes Fotobuch mit vielen bebilderten Erinnerungen und Zeitungsausschnitten der vergangenen 22 Jahre.

Ihre Freizeit möchte Sybille Brodersen mit ihrem Mann, ihren Kindern und Enkeln sowie Hund Flocke verbringen. Gern im Garten und in der Natur und beim Wandern und Spazierengehen. „Musikalisch möchte ich auch weiterhin im Training bleiben, falls ich mal vertreten muss“, sagt die Kantorin, die den Menschen immer ins Herz musizieren wollte. Dabei passierten auch Gänsehautmomente, die man nicht planen kann, wie zum Beispiel in der Stille nach dem letzten Akkord, den sie bei ihrem Verabschiedungsgottesdienst am Mittwoch, 30. September, auf eigenen Wunsch natürlich selbst auf der Orgel spielt.

Als Kirchenmusikerin das Hobby zum Beruf machen

„Klavier ist das, was ich am besten kann“, sagt die neue Kirchenmusikerin in Nahe, Daniela Hellwig, von sich selbst.Foto: kf

Nahe (kf). „Zu ihrem persönlichen Glück gehört neben Familie und Freunden auf jeden Fall auch die Musik“, sagt Daniela Hellwig, die als neue Kirchenmusikerin ab Oktober in der Kirchengemeinde Nahe startet. Beim Erntedankgottesdienst am Sonntag, 4. Oktober, um 11.30 Uhr in der Naher Auferstehungskirche wird sie erstmals musikalisch zu hören sein und offiziell vorgestellt und in ihr Amt eingeführt.

Die Mutter zweier Kinder kommt wie ihre Vorgängerin aus Henstedt-Ulzburg. Von 2017 bis 2019 hat sie die C-Ausbildung für Kirchenmusik im Bereich Popularmusik absolviert. Seit längerem hat sie einen Chor in Vertretung geleitet. Nach BWL Studium arbeitete sie als Controllerin, wollte sich aber mit einem zweiten Studium lieber ihrer großen Leidenschaft der Popularmusik widmen, als ihr die Stelle zur Kirchenmusikerin in Auge fiel.

„Im Vorstellungsgespräch wurde klar, dass man hier in Nahe total offen ist, wie sich die Kirchengemeinde zukünftig entwickelt“, so Daniela Hellwig, die nach einem Vorspiel an ihrem Lieblingsinstrument, dem Klavier sowie an der Gitarre und natürlich an der Orgel, die sie fleißig übt, den Kirchengemeinderat von sich überzeugte. Die 35-jährige wird hauptamtlich eine B-Stelle erhalten und parallel dazu das Studium zur Popularmusik am Rendsburger Nordkolleg berufsbegleitend absolvieren. In der Vergangenheit hat sie schon Vertretungsgottesdienste geleistet, ist sich der großen Schuhe, in die sie hineinwachsen möchte durchaus bewusst.

Sie freut sich aufs Musizieren, ist offen für sämtliche Ideen und Neues und möchte als „Jukebox und Band“ die Kirchengemeinde zum Mitmachen motivieren. „Hoffentlich kann die Chorarbeit bald wieder beginnen“, sagt Daniela Hellwig, die dankbar ist, ihr Hobby, die Musik, in Nahe zum Beruf machen zu dürfen.

Diesen Beitrag teilen:

Zurück