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Hugo Kagel findet keine bezahlbare Wohnung

93-Jähriger muss seit Wochen im Auto schlafen

von Gerald Henseler

Hugo Kagel schläft seit Wochen im Auto vor dem Marienhof. Dort betreut er seine Lebensgefährtin Annelies Wulfes. Er sucht seit Monaten eine Wohnung. Foto: ohe

Bad Segeberg (ohe). Vor Mitternacht kommt Hugo Kagel nicht zur Ruhe. „Hier ist abends noch viel los, besonders an den Wochenenden“, sagt der 93-Jährige. Seit über drei Wochen schläft er in seinem Kleinwagen auf dem Parkplatz des Seniorenheimes Marienhof in Bad Segeberg. Den Stellplatz hat sich Kagel hier für 50 Euro monatlich gemietet.
Kagel möchte in der Nähe seiner Lebensgefährtin Annelies Wulfes sein. Die ist pflegebedürftig und wohnt seit etwa vier Jahren im Marienhof. Seine Wohnung in der Großen Seestraße hat Kagel verloren. Seit Monaten sucht er nach einer neuen bezahlbaren Bleibe. Doch die ist einfach nicht zu finden.
Hugo Kagel ist es peinlich zu erzählen, dass er im Auto schläft. Er legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres und ist immer adrett gekleidet. Doch durch den Weg in die Öffentlichkeit sieht er die letzte Chance, bald an eine eigene Wohnung zu kommen.
„Ich habe nicht viel Geld“, sagt Hugo Kagel. Der pensionierte Postbeamte muss nach der Scheidung von seiner Frau Gerda monatlich einen Versorgungsausgleich in Höhe von 700 Euro zahlen. Für ihn ist das unverständlich, da seine Frau schon vor zwölf Jahren gestorben ist.
Vor 25 Jahren lernte der Schweriner seine Lebensgefährtin beim Tanz in Lübeck kennen. Seither sind die beiden Senioren ein Paar. Über 20 Jahre wohnten beide gemeinsam im Winklersgang in Bad Segeberg. Dann schaffte Kagel die Pflege seiner Partnerin nicht mehr ohne Unterstützung. Allein konnte sich der Rentner die Wohnung nicht leisten.
An die kalten Nächte hat sich Kagel bereits gewöhnt. „Mit Decken und einem dicken Federbett geht das“, sagt er. Morgens früh um 6 Uhr ist er zurück im Marienhof. „Dann helfe ich meiner Frau beim Anziehen“, sagt Kagel. Er selbst nutzt dann die sanitären Anlagen des Seniorenheims und nimmt dort auch die Mahlzeiten ein. Hugo Kagel hofft, dass er bald eine Wohnung findet. „Ein Zimmer reicht mir“, sagt der 93-Jährige. Marion Siehl aus der Geschäftsstelle von Basses Blatt (Telefon 0  45  51 / 99  00  27) leitet Angebote an ihn weiter.

Nach Veröffentlichung des Artikels korrigierte Hugo Kagel seine Aussage: "Ich habe nur eine Nacht im Auto geschlafen", so Kagel.

 

 

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