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90 Jahre Ruhwinkel – alle drei Ortsteile feiern gemeinsam:

Gemeindefest mit vielen Mitmachaktionen

von Katja Lassen

Der Arbeitskreis, der ausVertretern aller drei Ortsteile besteht, hat mit Vertreter aus Vereinen, Verbänden und Firmen, ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Foto: kf

Ruhwinkel (kf). Ruhwinkel wird 90 Jahre alt. Diesen Geburtstag wollen die drei Gemeindeteile Ruhwinkel, Schönböken und Bockhorn am Sonntag, 30. September, gemeinsam feiern, denn genau an diesem Tag 1928 wurde Ruhwinkel urkundlich erstmals erwähnt.
Der Wunsch kam  im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzepts aus der Bevölkerung. „Wir sind doch eine Gemeinde, dann sollten wir auch mal wieder gemeinsam feiern“, hieß es. Zuletzt wurde das vor zwölf Jahren zum 150-jährigen Bestehen der Lindenallee im Ortsteil Schönböken gemacht.
„Was nützt das schönste Konzept, wenn es nicht gelebt wird“, dachte man sich und so bildete sich aus allen Ortsteilen eine zehnköpfige Arbeitsgruppe Gemeindefest. Unter dem Motto: „Eine Landgemeinde im Wandel der Zeit“, präsentiert sich die Gemeinde mit ihren Vereinen, Verbänden und Firmen auf dem Gelände der Kuh-Lounge (Eichholz 11) im Ruhwinkler Ortsteil Bockhorn.
Die Feier wird um 11 Uhr mit  Grußworten des Bürgermeisters Manfred Markmann und des Kreispräsidenten Claus Peter Dieck eröffnet und musikalisch vom TSV Blasorchester Wankendorf im Festzelt begleitet. Anschließend wird die stellvertretende Bürgermeisterin Heidemarie Scheel über den Wandel der Gemeinde berichten. Kinder dürfen sich auf viele Mitmachaktionen freuen und für die Verpflegung ist mit kalten und warmen Leckereien sowie Kaffee und Kuchen bestens gesorgt.
„Man geht hier nicht einfach nur rüber, sondern soll auch mitmachen“, betont Jennifer Müller als Mitglied der Arbeitsgruppe Gemeindefest. Schließlich soll die Gemeinde Ruhwinkel repräsentiert werden und die ist so vielseitig, dass von allen Bereichen etwas dabei ist. Das sind, unter anderem, Künstler, Handwerker, die Feuerwehren aus Ruhwinkel und Schönböken. Ein Autor liest aus seinem Buch vor. Pferdekutschen bieten einen Chuttle-Service oder Rundfahreten an. Bei einem Quiz gibt es tolle Preise aus der Gemeinde zu gewinnen. Mit Hüpfburg, Dosenwerfen und Kinderschminken wurde auch an die Familien mit Kindern gedacht. Nutztiere dürfen gern gestreichelt werden.Ein Imker informiert über Bienen und die Honigherstellung. ,„Es sollen alle kommen und jeder wird  seinen Beitrag leisten, so dass es ein erfolgreiches Fest mit buntem Programm sein wird“, so zumindest wünscht es sich das Orga-Team, das viel Zeit und Energie in die Vorbereitungen gesteckt hat.

Ruhwinkel hat heute viel zu bieten

Ruhwinkel (kf). In der Zeit um 1920 schwappte die Welle des Kieler Matrosenaufstands durchs Land. Die Bemühungen lagen darin, kaiserliche Strukturen zu zerschlagen, die Demokratie sollte Einzug halten.
Ruhwinkel entstand 1928 durch die Vereinigung der damaligen Landgemeinden Ruhwinkel (464 Hektar / 217 Einwohner), des Gutsbezirks Bockhorn (497 Hektar /149 Einwohner) und des Gutsbezirks Schönböken (224 Hektar /58 Einwohner) und war schon immer eine selbstständige Gemeinde.  Die ländliche Gemeinde war rein durch Landwirtschaft geprägt. Zur Hitler-Zeit wurden die Pferde für Remonte Stationen ausgebildet. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Gutsbetriebe neu strukturiert und  aufgesiedelt. Es entstanden Wohnungen für Ortsvertriebene. In Schönböken siedelten sich überwiegend Stadtverdrängte an, es entstanden Obst- und Gemüsebetriebe sowie Zierpflanzenanbau. Durch die Neuansiedlungen wurden Existenzen durch Dienstleistungen sowie Klein- und Mittelständische Betriebe geschaffen. Mit der Alten Koppel, dem Alten Landhaus und der Bauernstube gab es drei Gaststätten im Ort. Heute wird die „Alte Koppel bewohnt, das Alte Landhaus ist bereits abgerissen und auch die Bauernstube, die zuletzt Unterkünfte für Monteure bot,  soll für Mehrfamilienhäuser weichen.
Ruhwinkel ist im Tourismusverband mit Vermieterquartieren am stärksten vertreten. Viele Privatvermieter bieten Urlaub auf dem Lande an. Zu den rund 15 Landwirtschaftlichen Betrieben gehören auch zwei Pferde- und Pensionsbetriebe sowie ein Schweinemastbetrieb. Die Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH) ist in der ehemaligen Remonte Station ansässig und bis über die Staatsgrenzen hinaus bekannt. Von hier wird die Genetik ins ganze Land versandt. Es gibt in Ruhwinkel eine Außenstelle für die Rinderzucht, in der rund 220 Bullenkälber aufgezogen werden.
Noch heute ist Ruhwinkel stark landwirtschaftlich geprägt und dennoch alles andere als ein Kuhdorf.
Bürgermeister Manfred Markmann sieht es sogar so: „Wir sind das Zentrum von Schleswig-Holstein.“ Damit meint er die gute Lage am Rande der Holsteinischen Schweiz zwischen den zwei ländlichen Zentralorten Bornhöved und Wankendorf mit der guten Anbindung an die nur zwei Kilometer entfernte Autobahn. Darüber sind Hamburg und Flensburg sowie Nord- und Ostsee aber auch Neumünster, Bad Segeberg und Wahlstedt schnell zu erreichen. Dennoch wohnt man im Grünen umgeben von einer Seenlandschaft mit einem vom Radtourismus intensiv genutzten Rundwegenetz um den Belauer See, den Schmalensee, den Schieren See sowie Stolper See und Bornhöveder See.
Einen Kindergarten gibt es im Ortsteil Schönböken, eine Grundschule in Wankendorf und weiterführende Schulen im Neumünster, Plön, Bornhöved und Trappenkamp.
In Ruhwinkel leben 960 Einwohner in 425 Haushalten, jeder Ortsteil hat seinen eigenen Charme. „Hier kann man wählen, wie man leben möchte“, betont die stellvertretende Bürgermeisterin Heidemarie Scheel. Es gibt zwei Biogasanlagen, die die Haushalte über ein Nahwärmenetz erreichen. Seit zweieinhalb Jahren ist Ruhwinkel auch an das Glasfasernetz angeschlossen. „Leider warten die Außenbereiche immer noch auf ihren Anschluss“. bedauert Scheel.
Der Wandel der Zeit wird auch in der Landwirtschaft spürbar. Hat man sich vor 40 Jahren noch spezialisiert, müssen sich die Betriebe heute breiter aufstellen, um Wirtschaftskrisen besser abzufedern. Dies geschieht in Ruhwinkel bereits durch Biogas- und Solarenergie, Mastbetriebe, Gastgewerbe, Gemüse- und Gartenanbau sowie Direktvermarktung, Catering sowie Ferien auf dem Bauernhof. Weiterhin sollen Betriebe, von denen es derzeit rund 40 gibt, angesiedelt werden. Das schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region.
Wie attraktiv es ist, in Ruhwinkel zu wohnen, zeigt die Tatsache, dass es keinen Lehrstand gibt. „Wenn hier ein Haus zu verkaufen ist, ist es auch gleich weg“, so Manfred Markmann. Und genau darin besteht auch die Herausforderung für die Zukunft. „Mehr als ein fünftel der Bevölkerung ist über 60 Jahre alt“, verrät Heidemarie Scheel. „Wir müssen jungen Familien mit Kindern bezahlbaren Wohnraum schaffen“, sagt sie. Gleichzeitig mangele es an kleinen Wohnungen für Rentner. Das3+ sei eine der Aufgaben, die sich aus dem Gemeindeentwicklungskonzept stelle.

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